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Interview 01/2012
Salz in der Suppe zum Wohl der Menschen

Interview mit Bischof Dr. Joachim Wanke, Erfurt

Bischof Dr. Joachim Wanke wurde am 8. Juli 1994 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof des neugegründeten Bistums Erfurt ernannt. Zuvor war er seit Januar 1981 Bischof und Apostolischer Administrator in Erfurt und Meiningen. Am 26. Juni 1966 empfing er im Mariendom zu Erfurt die Priesterweihe. Am 26. November 1980 wurde er im Alter von 39 Jahren zum Bischof geweiht. Bischof Wanke war Mitglied der Ökumene- sowie der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland.

Gemeinde creativ: Papst Benedikt XVI. war zu Besuch in Deutschland. Eine Station war Erfurt. Was war denn in diesen Tagen aus dem Rückblick eine wichtige Erfahrung für Sie?

Wanke: Papst Benedikt hat unseren Glauben gestärkt. Das war das Hauptgeschenk seines Besuches, gerade hier in der Diaspora Thüringens. Er hat uns ferner hineingenommen in die große Gemeinschaft der Weltkirche, das bedeutet eine Horizonterweiterung. Wir haben den Papst als Hirten der Universalkirche erlebt. Sein Dienst gilt allen Ortskirchen, zu denen eben auch wir gehören. Und ein Drittes hat mich sehr gefreut: dass er ausdrücklich den Gläubigen auch für die Glaubenstreue in den schwierigen Jahren des alten Kommunismus ein Dankeswort gesagt hat, freilich damit auch die Mahnung verbunden hat, nun in den neuen, offenen, liberalen Verhältnissen fest im Glauben zu stehen.

Gemeinde creativ: Wie war denn dieser Umstieg aus diesen alten Zeiten in die neuen Zeiten aus kirchlicher Sicht?

Wanke: Das war schon spannend. Die Rahmenbedingungen des kirchlichen Lebens haben sich verändert. Viele Menschen bewegt sicherlich zuerst einmal Sorge um die eigene Existenz. Aber dennoch bleibt die neue Freiheit und die Wiedervereinigung ein großes Geschenk, auch zwei Jahrzehnte nach der friedlichen Revolution. Das kirchliche Leben musste sich den veränderten gesellschaftlichen und politischen Bedingungen anpassen. Wir haben nun auch hier in Thüringen im Blick auf kirchliches Leben die gesetzlichen Vorgaben, wie sie in der ganzen Bundesrepublik gelten. Wir können in die Gesellschaft hineinwirken, was uns vorher weithin verschlossen war; so etwa im Bildungsbereich, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Sorge für die Soldaten und selbst im Gefängnis, wo wir mit Gefängnisseelsorge präsent sind.

Gemeinde creativ: Nach dem Papstbesuch war die Rede davon, dass möglicherweise das Staat–Kirche–Verhältnis an der einen oder anderen Stelle neu justiert werden müsste. Wie interpretieren Sie die Aussagen des Papstes dazu?

Wanke: Ich verstehe das Stichwort „Entweltlichung“ nicht so, dass hier an einer bewährten Zusammenarbeit von Staat und Kirche etwas geändert werden soll. Man muss immer wieder darauf achten, dass die Kirche eigenständig handelt. Ihr Auftrag leitet sich von der Sendung unseres Herrn ab. Die Kirche hat das Evangelium zu verkünden. Aber wenn der Staat ermöglicht, dass wir in bestimmten öffentlichen Bereichen, etwa in Krankenhäusern oder in Gefängnissen tätig sein können, ist das zunächst einmal kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung.

Gemeinde creativ:
Und die Kirchensteuer?

Wanke: Ich wüsste kein gerechteres System für die finanzielle Ausstattung von Kirche, als gerade unser deutsches System. Wenn man von Spenden abhängig ist und von größeren Geldgebern, ist das auch nicht sonderlich angenehm. Ich verstehe das Wort des Papstes als eine Mahnung, dass wir der Intention Jesu entsprechend wirklich das Evangelium und das Reich Gottes verkünden und nicht besorgt sind um den Erhalt der Institution.