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Kommentar 02/2010
Die Chancen der Räte nutzen

Von Christian Gärtner
Vorsitzender des Diözesanrats Eichstätt

Am 7. März wurden in Bayern die Pfarrgemeinderäte wieder neu gewählt. Seit über 40 Jahren engagieren sich allein in Bayern zehntausende Frauen und Männer in den kirchlichen Räten. Diese Räte sind ein wesentlicher Aspekt dessen, was das II. Vatikanische Konzil mit dem Bild der Kirche als das „Volk Gottes“ (LG 9) ausgedrückt hat. In den Pfarrgemeinderäten wird das ehrenamtliche Engagement in der Kirche und für die Kirche vor Ort in besonderem Maße sichtbar. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört ja gerade, alle Formen dieses ehrenamtlichen Einsatzes, sei es in Verbänden, im caritativen oder liturgischen Dienst, in Jugend-, Familien- oder Seniorenarbeit zusammenzuführen und zu koordinieren. Das erschöpft sich nicht in Terminabsprachen und gemeinsamen Veranstaltungen. Idealerweise wird im Pfarrgemeinderat all dieses vielfältige Engagement gebündelt und zusammen mit den in der Pfarrei hauptberuflich tätigen Priestern, Diakonen oder Pastoral- und Gemeindereferentinnen auf die vor Ort jeweils wichtigen gemeinsamen Ziele ausgerichtet, über denen immer als erstes – um mit dem Apostel Paulus zu sprechen – das steht, was „zum Aufbau der Gemeinde beiträgt“ (Röm 14,19 / 1 Kor 14,12).

Gerade weil inzwischen in allen Bistümern das hauptberuflich tätige Personal zunehmend nicht mehr nur für eine Pfarrei allein da sein wird, sondern im Rahmen überpfarrlicher Seelsorgeeinheiten immer mehrere Pfarreien zusammen betreuen muss, wächst die Verantwortung der Pfarrgemeinderäte dafür, die Kirche im Dorf zu lassen, das heißt die Präsenz einer lebendigen Gemeinde vor Ort sicherzustellen.

In unserer Gesellschaft, die sich vordergründig seit Jahrzehnten zunehmend säkularisiert und in der doch gleichzeitig die Sehnsucht der Menschen nach einem erfüllten Leben verstärkt nach religiösen Antworten sucht, müssen wir Christen glaubwürdige Zeugen für die Frohe Botschaft Jesu Christi sein. Damit dieses Zeugnis die Menschen nicht nur zufällig und unkoordiniert erreicht, braucht es feste, verlässliche Strukturen, in denen die Kirche überall nahe bei den Menschen ist. In Zukunft, wenn es absehbar noch weniger Priester geben wird als heute, kann die Kirche nur noch flächendeckend vor Ort präsent sein, wenn sich Christinnen und Christen „aus Überzeugung“ in Pfarrgemeinderäten dafür ehrenamtlich engagieren. Daneben garantiert die Arbeit der kirchlichen Räte und Verbände die Präsenz der Kirche in unserer Gesellschaft. Die Tatsache, dass die Pfarrgemeinderäte durch eine Wahl demokratisch legitimiert werden, ermöglicht ihnen eine Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Akteuren auf A­genhöhe. Dazu müssen auch die Pfarrgemeinderäte noch mehr das Gespräch mit der Politik und anderen organisierten Interessen suchen, wobei das auf der lokalen Ebene nicht weniger wichtig, aber vielleicht nicht so oft und intensiv sein muss, wie beispielsweise auf Landes- und Bundesebene. Die demokratische Wahl der Pfarrgemeinderäte ist aber auch die Basis der demokratischen Legitimation des Engagements der katholischen Laien im Landeskomitee der Katholiken in Bayern und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Es kommt darauf an, dass wir die Chancen unserer demokratischen Rätestruktur noch stärker nutzen – in den Pfarrgemeinden, auf Bistumsebene und darüber hinaus.