| Kommentar 02/2011 |
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Dem Ehrenamt vertrauen und es richtig ausstatten Von Michael Ziegler Hauptberuflicher Bildungsreferent beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Nürnberg-Stadt, ehrenamtlicher SPD-Stadtrat Es klingt so logisch und so gut: den Ehrenamtlichen vertrauen und sie richtig ausstatten. Und doch ist es oft so schwer. Warum vertraut man etwa der Pfarrjugend nicht immer und woran hapert es? Der Start ins Ehrenamtlichen-Sein ist oft entscheidend. Doch dieses scheitert manchmal schon an der Schlüsselfrage im wörtlichsten Sinn. Darf ich so einfach ins Pfarrheim und dort was auf die Beine stellen? Am Ende etwas, was vielleicht sogar Krach macht? Wir sitzen viel zu oft auf unseren Ressourcen, auch auf unserer Macht. So geht´s nicht und das haben wir schon immer anders gemacht. Mein Fazit: Wer leere oder wenig genutzte Pfarrheime hat, der sollte sich nicht beklagen, sondern seine Haltung zu den Bedürfnissen vieler Menschen ändern. Und schon kann sich fast über Nacht das Pfarreileben ändern. Eine offene Tür und Vertrauen sind dazu allerdings notwendig. Probleme einer offenen Tür Eine offene Tür kann natürlich zum Problem werden. Da gibt es diesen Jugendkeller unter dem Pfarrzentrum. Die ehrenamtliche Jugend organisiert Parties, es kommen immer mehr Leute, es wird immer mehr zum Jugendtreff, es gibt Alkoholprobleme und die Jugendlichen werden nicht mehr fertig mit ihren vielen Besuchern. Sicher keine leichte Gemengelage. Aber was ist zu tun? Die Entscheidung, die tatsächlich in diesem Fall getroffen wurde, war das Verbot jener Parties und de facto die Zerschlagung des ehrenamtlichen Teams. Im Gegensatz zu früheren Zeiten verliert man auch kirchlich sozialisierte Menschen leichter. Seitdem stehen die Jugendräume weitgehend leer. Auf die Haltung kommt es an Was hätte man anders machen können? Was für eine Haltung habe ich gegenüber den jungen überforderten Ehrenamtlichen? Sage ich „so geht´s nicht weiter“ oder frage ich auf Augenhöhe „wie kann es weiter gehen?“ und „welche Hilfe braucht ihr?“. In offener Weise die Dinge sehen und sie gemeinsam lösen zu wollen ist der Weg. Oft haben Gemeinden auch Ressourcen, auf die sie im ersten Moment gar nicht kommen. Und sie können sich qualifizierte Hilfe und Rat holen. Doch dazu sind sie manchmal (noch) zu stolz. Wer gehört dazu? Ein genannter Grund für das Ende der Parties war auch, dass die jungen Gäste ja überwiegend gar keine Leute aus der Pfarrei seien und diese sowieso nicht den Gottesdienst besuchen. Wird diese Haltung auf allen Ebenen durchgezogen, führt dies unweigerlich zum Ende der Volkskirche in Deutschland. Wer gehört dazu, wen grenzen wir aus? Und wie fromm muss man sein, um ein Teil der Gemeinde sein zu dürfen? Ehrenamtliche qualifizieren Auch aufgrund immer weniger Personals in den Gemeinden wird die Qualifizierung des Ehrenamts immer wichtiger. Doch manche Pfarreien scheinen etwa an einer Leiterausbildung ihrer Jugendlichen gar nicht sonderlich interessiert zu sein. Noch gibt es diese Angebote. Eine Kirche für alle Es gibt immer noch genug Menschen, die sich engagieren wollen. Doch nichts geht ohne Vertrauen und eine offene Tür. Ebenso wichtig ist die richtige Ausstattung, Begleitung und Qualifizierung. Wird hier gespart, geben wir das auf, was wir bisher waren – eine Kirche für alle. |