| Interview 03/2010 |
Gemeinde creativ: Was war Ihr persönliches Highlight am 2. Ökumenischen Kirchentag? Deneke-Stoll: Für mich war das Highlight eindeutig der Abend der Begegnung. Es war schön, zu sehen, was die Menschen aus den Gemeinden so alles aufgebaut und organisiert hatten: Von Stand zu Stand zu bummeln und dann das Lichtermeer beim Abschlusssegen. Es war einfach toll und faszinierend. Die anderen Veranstaltungen im Freien, zum Beispiel der ökumenische Himmelfahrtsgottesdienst, waren sehr schön, aber mir persönlich war es einfach zu kalt. Gemeinde creativ: ‚Damit ihr Hoffnung habt’ war das Motto. Welche Hoffnungen sind in diesen Tagen bei Ihnen neu gewachsen, gekeimt? Deneke-Stoll: Ich habe gesehen, wie viel Christen aller Konfessionen miteinander machen können. Und meine Hoffnung wäre, dass das auch trägt und das es nicht ein einmaliges Strohfeuer ist, sondern dass diese Stimmung anhält. Wir haben eine große spirituelle Kraft, wenn wir zusammenstehen, und das würde ich gerne in den Alltag unserer Kirchengemeinden mitnehmen. Gemeinde creativ: Wie schätzen Sie den innerkirchlichen Druck ein, der in Richtung Ökumene entstanden ist? Deneke-Stoll: Ich glaube, diesen Druck brauchen wir. Bei manchen Diskussionen der Kirchentagsteilnehmer spürt man den Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit. Das muss auch für die dogmatischen Gespräche etwas bewegen. Dies betrifft vor allen Dingen auch die entscheidende Frage des gemeinsamen Abendmahls. Mein Wunsch wäre schon, dass dieses nicht erst in 50 Jahren, sondern in 5 Jahren Realität wird. Man darf ja auch mal träumen. Gemeinde creativ: Das Ökumenethema hat sich relativ stark durchgesetzt, gegenüber den ursprünglichen Ansatz des ÖKT, der sich zuerst um gesellschaftliche, sozialethische Themen kümmern wollte. Wie sehen Sie das Gewicht zwischen den beiden Richtungen, Wirken in die Gesellschaft und Wirken in die Kirche? Deneke-Stoll: Es ist in der Tat ein bisschen schade, dass es zum Beispiel hinsichtlich der mit den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise verbundenen Themen – jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung – relativ still hergegangen ist auf dem Kirchentag. Aber wir haben dann doch gezeigt, dass wir hier als Kirchen eine Stimme haben. Ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist das Umweltthema. Für diesen Themenkomplex stand eine ganze Messe-halle zur Verfügung. Ich hoffe sehr, dass hier kirchlicherseits und gesellschaftlich noch ein bisschen mehr in Bewegung kommen wird. Das gilt auch im Hinblick auf die Einführung eines Schöpfungstages, die ja von der ACK, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen jetzt initiiert wurde. Das Apfelbäumchen der Hoffnung, das es da für alle Vertreter der ACK-Kirchen gab beim ökumenischen Gottesdienst am Himmelfahrtstag, war für mich ein wichtiges Zeichen. Natürlich war manches an diesem ÖKT sehr abgestimmt. Man hätte an der einen oder anderen Stelle eine etwas deutlichere und lautere Stimme von Kirche hören wollen. Aber vielleicht sind wir hier auch noch nicht so weit. Ich habe gestern an der Podiums-diskussion teilgenommen „Wie viel Leitung braucht die Kirche?“. Sie war bei uns im Landeskirchenamt, rein evangelisch besetzt. Ich könnte mir schon vorstellen, dass es spannend gewesen wäre, so etwas im ökumenischen Kontext zu behandeln. Ich stehe hier ja auch für die Laien, für die ehrenamtliche Leitung, und da könnte man doch noch etwas mehr ins Gespräch kommen. So etwas war einfach vom Programm her nicht vorgesehen. Gemeinde creativ: Was kann die Synode, was das Landeskomitee beitragen zur Ökumene? Deneke-Stoll: Wir haben im Vorfeld des 2. ÖKT jetzt im Frühjahr in der Landessynode schon das Schwerpunktthema Ökumene behandelt. Wir wollten hier auch einen Impuls für die Gemeinden, in Richtung Kirche vor Ort, geben. Ich glaube, hier kann die Synode – und ebenso auch das Landeskomitee – auch noch zusätzlich zum ÖKT einen Stein ins Rollen bringen. Bei Veranstaltungen vor Ort könnte man zum Beispiel darüber nachdenken, ob manche nicht auch ökumenisch laufen könnten. Gerade in gesellschaftspolitischen Fragen sind wir ja in ganz vielen Themen ganz nah beieinander, was wir deutlich machen müssen. Wir haben als Synodenthema etwa das Thema Wirtschaftsethik. Das haben wir angetaktet auf der Herbstsynode im November letzten Jahres und wollen es jetzt im November 2010 wieder aufgreifen. Gemeinde creativ: Die so genannte Kirchenkrise aufgrund der Missbrauchsfälle hat gedroht, diesen ÖKT zu sprengen. Deneke-Stoll: Ich hoffe sehr, dass wir deutlich gemacht haben: Bei uns in der evangelischen Kirche werden Fälle, die jetzt vereinzelt auftauchen, lückenlos aufgeklärt und es wird alles versucht, dass sich solche Dinge nicht wiederholen. Wir sind da in der evangelischen Kirche – das kann ich jetzt auch stolz sagen – auch in der Vergangenheit schon relativ gut aufgestellt gewesen. Wir haben schon seit mehreren Jahren eine Anlaufstelle für Opfer. Wir als Kirchen sitzen in dieser Frage allerdings in der öffentlichen Wahr-nehmung in einem Boot. Da wird von ‚der Kirche’ gesprochen. Gemeinde creativ: Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter, sowohl in der gesellschaftspolitischen Stoßrichtung der beiden Kirchen gemeinsam, als auch in der ökumenischen Stoßrichtung zwischen den Kirchen? Deneke-Stoll: Zur Ökumene bin ich zuversichtlich, dass es nicht überhört wird, dass viele Menschen, die auf dem Kirchentag waren, einfach mehr Ökumene wollen. Und das auch viele Menschen an diesen gesellschaftspolitischen Themen dran bleiben wollen. Ich glaube hier ist Kirche sehr, sehr stark gefragt, auch von Seiten der Politik. Das Interview führte Thomas Jablowsky. |