Einander freundschaftlich begleiten
Von Frank Beyersdörfer
Klar, wir gehen nicht allein durch das Leben, sondern viele Menschen tauchen rechts und links von uns auf. Und doch ist die Frage, wie gut sie mich kennen und ich sie. Wir können nicht mit allen Menschen eng befreundet sein. Aber doch kennt jeder und jede den Wunsch nach vertrauensvollem Umgang miteinander.
Jesus wählte einen solchen Umgang: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt.“ (Joh 15,15)
Die zurückliegenden Pfarrgemeinderatswahlen waren eine Gelegenheit neuen Aufbruchs. Vielleicht können sich die Mitglieder eines Pfarrgemeinderats auch als ein Gremium verstehen, in dem Menschen einander freundschaftlich begleiten. Was könnte hierfür wichtig sein?
- Die Menschen, die jetzt mit mir zusammen einige Zeit unterwegs sein werden, mit liebender Aufmerksamkeit wahrnehmen.
- Mich öffnen können. Wenn die Atmosphäre keine reine „Arbeitsatmosphäre“ ist, stehen die Chancen nicht schlecht, dass das gelingt.
- Hören – und mich fragen: Was bewegt die anderen wirklich?
- Schweigen – denn gemeinsame stille Zeiten verbinden.
- Etwas erleben – zum Beispiel eine Wanderung, denn davon zehrt eine Gruppe.
Das größte Geschenk für einen Pfarrgemeinderat wäre, wenn alle Mitglieder sich als Freundinnen und Freunde Jesu verstehen könnten.
Der Knecht ist nur auf eine Sache spezialisiert. Er erfüllt eine ganz bestimmte Aufgabe, verrichtet einen ganz bestimmten Dienst. Seine Beziehung zum Herrn ist rein funktional. In Wahrheit hat er gar keine Beziehung. Sein Herr jedenfalls ist nur an seinem Dienst interessiert.
Der Freund hingegen weiß um den Gesamtzusammenhang. Er soll mit Jesus alles in den Blick nehmen und sich darüber austauschen. Er trägt Verantwortung für das Ganze. Hier steht die Person des Herrn im Vordergrund und nicht eine bestimmte zu verrichtende Aufgabe.
Der Knecht ist auf eine Aufgabe hingeordnet. Der Freund ist auf ein Gegenüber hingeordnet. Dieses Gegenüber können zum einen Personen sein, zum Beispiel die anderen Mitglieder unseres Pfarrgemeinderats, aber auch unsere Pfarrei oder unser Verband oder unsere Geistliche Gemeinschaft als solche und als ganze.
Von Jesus wie von einem Freund begleitet zu sein kann es ermöglichen, auch andere freundschaftlich und mit Wohlwollen zu begleiten sowie selbst begleitet zu werden. Es wäre zu wünschen, dass auch die Mitglieder eines (neuen) Pfarrgemeinderats dies erfahren.
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