| Praxistipp 03/2010 |
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Reflexionen und Beobachtungen Von Berlin 2003 nach München 2010 Der 2. Ökumenische Kirchentag (ÖKT) wurde vielleicht nicht mehr von der überwältigenden Begeisterung geprägt wie der erste in Berlin. An deren Stelle ist aber eine gewisse Selbstverständlichkeit getreten, gepaart mit einer Portion Nüchternheit. Und es scheint mir das Thema Ökumene selbst noch deutlicher in den Vordergrund gerückt zu sein. Alois Glück, der katholische Präsident des 2. ÖKT, hat es auf den Punkt gebracht: „Die Ökumene in Deutschland ist wetterfest geworden“ und dies nicht nur im Bezug auf die nasskalte und regnerische Witterung während des 2. ÖKT in München. Von Edgar Fahmüller Dazu kommt: Seit Berlin 2003 haben sich die ökumenischen Aktivitäten an der Basis vielfältig weiter entwickelt. „Ökumene ist für viele selbstverständlicher Teil ihres Christenlebens geworden“, wie es Alois Glück beim Schlussgottesdienst formuliert hat. Auch wenn sich dies leider noch nicht in allen Kirchengemeinden herumgesprochen hat, wie ich aus vielen Gesprächen mit Gemeindemitgliedern erfahren konnte. Dass auf Ortsebene die Ökumenepraxis zugenommen hat, spiegelte sich auch in den Ständen der Agora des 2. ÖKT, an denen Ökumeneerfahrungen auf Dekanats-, Landkreis- und Stadtebene vorgestellt wurden. Intensive Beratungstätigkeit am Info-Stand Unser Gemeinschaftsstand mit Eichenau und Fürstenfeldbruck in den Messehallen Riem befand sich im Bereich „Gelebte Ökumene“ und präsentierte unter dem Titel „Ökumene im Landkreis Fürstenfeldbruck“ Anregungen zur Ökumene auf Gemeindeebene anhand praxiserprobter Modelle. Viele Agora-Besucher ließen sich in teilweise ausführlichen Gesprächen über die Ökumene an der Basis informieren und nahmen gern Informationsmaterial als Anregungen für ihre Ortsgemeinde mit, wie beispielsweise unseren ökumenischen Begrüßungsbrief, den ökumenischen Jahresplan oder auch den ökumenischen Gemeindebrief „Puchheimer Einsichten“. Andere notierten einfach die Internetadresse (www.oekumene-puchheim.de), um sich zu Hause ausführlicher kundig zu machen. Anerkennung durch Erzbischof Reinhard Marx Auf seinem Rundgang durch die Agora hat Erzbischof Dr. Reinhard Marx auch unserem Stand einen Besuch abgestattet. Er zeigte sich erfreut über die vielfältigen Formen ökumenischer Zusammenarbeit am Ort und dankte mit seinem Eintrag in unser Gästebuch „für alles ökumenische Engagement“. Auch Regionalbischof Dr. Bernhard Haßlberger und Professor Peter Neuner zählten zu den prominenten Besuchern des Agora-Standes. Tagesausklang im „Puchheimer Kirchentags-Nachtcafe“ Auch noch spätabends drehten sich in Puchheim viele Gespräche um den 2. ÖKT: Denn von Donnerstag bis Samstag war das Pfarrzentrum St. Josef ab 22.00 Uhr geöffnet zum „Kirchentags-Nachtcafe“. Viele Gäste, hauptsächlich evangelische und katholische Christen aus Ditzingen bei Stuttgart, nahmen zusammen mit ihren Puchheimer Gastgebern die Gelegenheit wahr, teilweise bis nach Mitternacht die Erlebnisse des Tages auszutauschen und den Tag ausklingen zu lassen. Artoklasie als „neue Dimension“ beim 2. ÖKT Ein bisschen verwundert bin ich schon darüber, dass das Brot-Teilen im Anschluss an die orthodoxe Vesper am Freitagabend auf dem Odeonsplatz als eine neue Dimension von ökumenischer Feier dargestellt wurde. So schön es war, dass die Orthodoxie auf diesem ÖKT von Anfang an mit einbezogen war und auch die Idee der Artoklasie als Möglichkeit einer ökumenischen Tischgemeinschaft in das Programm dieses ÖKT eingebracht hat, so möchte ich daran erinnern, dass schon beim Eucharistischen Weltkongress in München 1960 diese urchristliche Form der Agapefeier wieder belebt worden ist. Ich habe diese Form des gemeinsamen Brot-Teilens bereits im Jahr 1979 in der Form eines ökumenischen Abendgottesdienstes mit Agapefeier auf Gemeindeebene in Puchheim erstmalig erprobt. Seither findet diese Agapefeier alljährlich am Vorabend des Festes Christi Himmelfahrt statt und erfreut sich nach wie vor regen Zuspruchs von Seiten der ökumenisch gesinnten Gemeindemitglieder. Es wäre zu wünschen, dass nun die Agapefeier nach dem 2. ÖKT in vielen Gemeinden weitere Nachahmer findet und fester Bestandteil eines ökumenisch geprägten Kirchenjahres wird. Anregungen dazu gibt es bereits in Arbeitshilfen, Büchern und im Internet. Warum? Warum fehlte Kardinal Kasper beim ÖKT? Nur, weil seine Amtszeit in Rom abgelaufen war? Nachdem der Papst aber bis heute noch keinen Nachfolger in seinem Amt bestimmt hat, wäre es angebracht gewesen, ihn gleichsam kommissarisch amtierend und in München beim ÖKT als „Ökumene-Minister“ Roms auftreten zu lassen. Eine verpasste Chance! Warum fand der zentrale Eröffnungsgottesdienst des ÖKT nicht „im Herzen Münchens“ statt, auf dem Marienplatz? Dort, wo traditionsgemäß schon verschiedene ökumenische Feiern begangen wurden (zum Beispiel die „ökumenische Verbandelungs-Feier“ beim Evangelischen Kirchentag 1993)? Wenn es stimmt, dass zwar der evangelische Landesbischof von Bayern keine Bedenken hatte, aber andere evangelische Mitglieder des ÖKT-Präsidiums dagegen waren, weil auf diesem Platz die Mariensäule steht (und folglich bei der TV-Übertragung ins Bild gekommen wäre), dann kann man sehen, dass auch auf dieser Ebene noch Berührungsängste da sind und ökumenischer Nachholbedarf besteht! Das Drängen der Basis als „Stachel im Fleisch“ Schließlich führte der ÖKT dazu, dass die ökumenisch Engagierten noch deutlicher als bisher den Trägern des kirchlichen Amtes sagen konnten, dass sie beim besten Willen die fortdauernde Verweigerung weiterer ökumenischer Schritte nicht mehr einsehen. Professor Pesch hat dies unter großem Beifall so formuliert: „Wir sehen nicht mehr ein, dass Gemeinschaft der Kirchen in der einen Christenheit durch Argumente und Problemstellungen verhindert werden kann, die nur noch ausgebildete Theologen in all ihren Subtitiläten verstehen können, nicht aber einfache Christenmenschen in den Gemeinden.“ Ich denke, dass dies auch Erzbischof Zollitsch so versteht, wenn er am Schluss des ÖKT das Drängen der Basis als „einen Stachel im Fleisch“ bezeichnet hat. Ich hoffe, dass – durch diesen Kirchentag deutlich gestärkt – die Christen in den Gemeinden aber auch die Mehrheit der deutschen katholischen Bischöfe und der Papst (!) zu weiteren Schritten auf „versöhnte Verschiedenheit“ hin ermutigt werden. |