| Schwerpunktthema 03/2010 |
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Praktizierte Ökumene Drei Beispiele aus dem Erzbistum Bamberg Das Erzbistum Bamberg ist unter den bayerischen Bistümern das einzige „Diasporabistum“. Schon allein daraus ergibt sich für viele katholische Gemeinden der Auftrag, die Verbindung zur evangelischen Schwestergemeinde zu suchen, sich mit der „anderen“ Kirchengemeinde vertraut zu machen, voneinander zu lernen, den Glauben zu teilen und aus dem Geist des Evangeliums das christliche Leben vor Ort zu gestalten. Überall, wo Christen sich bewegen, aufeinander zugehen, sich auf den gemeinsamen Weg machen, sich Gedanken über gemeinsame pastorale Strukturen machen, wird Ökumene lebendig und handfest spürbar. Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen. Von Winfried Zawidzki Geschäftsführer des Diözesanrates Bamberg Ökumene geht… Im kommenden September werden sich zum zehnten Mal katholische und evangelische Christen aus dem Gebiet des Dekanats Auerbach zur gemeinsamen ökumenischen Wallfahrt auf den Weg machen. Über tausend Personen aus den beiden großen Konfessionen beleben alljährlich die alten Pilgertraditionen und füllen sie mit zeitgemäßen Inhalten. Die Wallfahrer treffen sich in drei bis vier Gruppen an verschiedenen Kirchen der Region zu einem Auftaktgottesdienst und gehen dann gemeinsam in einer Sternwallfahrt dem Zielort entgegen. Das auf dem Weg im Gebet, in der Stille, aber auch in persönlichen Gesprächen praktizierte Miteinander mündet in einen großen ökumenischen Abschlussgottesdienst ein, der eindrucksvoll und nachhaltig für die ökumenische Arbeit Impulse setzt. Wichtig ist es den verantwortlichen Frauen und Männern, dass die ökumenische Wallfahrt auch von der „kirchenpolitischen Prominenz“ mitgetragen wird. Die Bayreuther Regionalbischöfe und der Bamberger Erzbischof sind gern gesehene Gäste und Mitwirkende. Genauso wichtig ist es den Verantwortlichen, dass die aus der ökumenischen Wallfahrt entstandenen Akzente in die Kirchengemeinden getragen und weiter geführt werden. Und das ist vielerorts im Dekanat Auerbach spür- und wahrnehmbar. So gehen nicht nur die Wallfahrer sondern auch die „Ökumene vor Ort“ Schritt für Schritt aufeinander zu… Ökumene informiert Die katholische Pfarrei St. Theresia und die evangelische Pfarrei St. Markus im Erlanger Osten geben mittlerweile im 37. Jahrgang den gemeinsamen ökumenischen Pfarrbrief „Kontakte“ heraus. Viermal im Jahr werden die Mitglieder beider Pfarrgemeinden über die Gottesdiensttermine, Veranstaltungen und Angebote beider Pfarreien, die vielfältigen ökumenischen Aktivitäten und die aktuellen Programme der einzelnen Gruppen beider Pfarreien informiert. Besinnliche Texte, Gebete und spirituelle Impulse der Seelsorger runden den Pfarrbrief ab. Gemeinsam werden durch die Veröffentlichung der runden und halbrunden Geburtstage ab dem 70. Lebensjahr, der Neugetauften und Verstorbenen beider Pfarrgemeinden Freud und Leid geteilt. Die Redaktionsmitglieder kommen aus beiden Pfarreien, organisieren die kostenlose Verteilung des Pfarrbriefs in allen Haushalten und tragen gemeinsam die Verantwortung für die Inhalte und die Gestaltung der „Kontakte“. In der jetzt 37-jährigen Geschichte der „Kontakte“ lassen sich viele ökumenische Impulse erkennen, die durch den gemeinsamen Pfarrbrief entstanden sind, sich aber eigendynamisch weiterentwickelt haben. Einige Beispiele seien stellvertretend genannt: Kinder und Jugendliche aus beiden Pfarreien beteiligen sich bei der Sternsingeraktion. Die Kinder treffen sich im Februar zu einer ökumenischen Kinderbibelwoche. Das Fastenessen findet abwechselnd in beiden Gemeinden an allen sechs Sonntagen der Fastenzeit statt. Zweimal im Jahr treffen sich die Frauen zu einem ökumenischen Frauenfrühstück. Die Friedhofsgänge im November werden ökumenisch gestaltet. Ökumenische Gottesdienste zu den Bürgerfesten in Erlangen-Ost sind mittlerweile fester Bestandteil der Feste. Haupt- und Ehrenamtliche treffen sich nicht nur zu Sitzungen, sondern auch zum geselligen Miteinander… „Ökumene informiert“ in Form des gemeinsamen Pfarrbriefs „Kontakte“ ist in den zurückliegenden 37 Jahren im Erlanger Osten die Basis zu einer bunten Vielfalt im ökumenischen Miteinander geworden… Ökumene baut Brücken Ökumenische Partnerschaft Stegaurach – Arundel/ England Seit über sieben Jahren besteht die außergewöhnliche ökumenische Partnerschaft der katholischen und evangelischen Christen von Stegaurach mit der anglikanischen Pfarrei St. Nicholas in Arundel/Enland. Diese Gemeinschaft gründet auf der großen Partnerschaft der Diözesen, beziehungsweise Kirchenkreise Chichester, Bamberg, Bayreuth und Berlin/Potsdam, die ihren Ursprung in der Freundschaft von Bischof George Bell von Chichester und dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer hat. Große Besuche, aber auch kleine private Freundschaftsbesuche prägten die vergangenen Jahre. Im August 2008 waren 60 Christen aus Stegaurach für eine Woche zu Gast in England. Ein buntes Programm ließ diesen Besuch zu einem weiteren Höhepunkt der Partnerschaft werden. Sightseeing in London, Bootsfahrten, Feier- und Tanzabende sowie Cricketspiel wechselten sich ab mit ökumenischen Andachten und Gottesdiensten. Der Mittelpunkt jedes Besuches ist der gemeinsame Sonntagsgottesdienst, in dem lebendige Ökumene für alle erfahrbar wird. Auch wenn die Ökumene in Stegaurach schon seit langem eine lebendige Gemeinschaft ist, bringt diese Partnerschaft eine besondere Verbundenheit in das Miteinander. Schon seit Herbst letzten Jahres laufen die Vorbereitungen für den Ende Juli geplanten Besuch von circa 50 Gästen aus England in Stegaurach. Ein besonderer Punkt wird der Besuch des KZ Flossenbürg sein, der Ort, an dem der Urheber der Partnerschaft, Dietrich Bonhoeffer, im April 1945 ermordet wurde. Durch besinnliche und bewegende Momente, aber auch durch Freude und Spaß soll es in dem Bestreben, die Gemeinschaft aller Christen ein Stück näher zu bringen, weitergehen. |