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Kommentar 03/2011
Die Erde ist nur geborgt

Von Theresa Schopper
Landesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen in Bayern

Gott, der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewahre“ (Gen, 2,15). So lesen wir in der Bibel und danach wollen wir handeln: Uns an der Schöpfung freuen und sie bewahren. Leider zeigen uns die traurigen Ereignisse in Japan, das Erdbeben, der Tsunami und die dadurch ausgelöste Atomkatastrophe, einmal mehr, dass es fünf vor zwölf ist, was den Umweltschutz angeht.

Die Umweltproblematik wächst und damit auch die Aufgabe, effektiv und nachhaltig etwas dagegen zu tun. Die Renovabis „Pfingstaktion“ beschäftigt sich heuer mit dem Thema Umweltzerstörung in Mittel- und Osteuropa und ich freue mich, dazu einen kleinen Beitrag leisten zu dürfen. In den Ländern im Osten Europas ist der Umweltschutz noch lang nicht so ein Thema wie bei uns im Westen und in der Gesellschaft teilweise noch gar nicht angekommen. Seit der „eiserne Vorhang“ gefallen ist, wurde die Lage nicht besser. Der Versuch, ökonomisch westlichen Standard zu erreichen, hat im Gegenteil viel zu einer weiteren Ausbeutung der Natur beigetragen. In Bulgarien beispielsweise, boomt der Tourismus auf Kosten einer in weiten Teilen noch unberührten Natur, die durch den Bau immer neuer Ferienanlagen und Hotels zerstört wird. Seltenen Tier- und Pflanzenarten wird der Lebensraum entzogen. Albanien versinkt im Müll, hier fehlt ein effizientes Müllentsorgungskonzept. In Rumänien hat die Goldsuche zur Entvölkerung ganzer Dörfer in den Westkarpaten geführt. Auch in Ungarn wurde Umweltschutz lange nur von einem kleineren Teil der Gesellschaft für wesentlich gehalten, die Schlammkatastrophe vom vergangenen Oktober, bisher Ungarns größte Umwelthavarie, hat da zumindest Denkprozesse in Gang gesetzt.

All diese Länder könnten eigentlich aus den vielen schlechten Beispielen des Westens lernen. Erneuerbare Energien, Luftreinhaltung, Abfallwirtschaft, Siedlungswasserwirtschaft, Altlastensanierung sind Themen, die dringend auf die Tagesordnung der Regierungen gehören. Als Christen glauben wir nicht, dass wir Schöpfer dieser Welt sind. Eine moderne Auslegung der Schöpfungstheologie muss sich aber wohl mit der Erfahrung beschäftigen, dass es wir Menschen sind, die die Welt gestalten, sie teilweise ausbeuten, zerstören und damit lebenswichtige Grundlagen für die nachfolgenden Generationen gefährden. Denn seit vielen Jahren steht für uns Christen das Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer, unter dem Eindruck der wachsenden ökologischen Krise.

Wir alle stehen in der Verantwortung für die Schöpfung, die unsere Lebensgrundlage darstellt und für die nachfolgenden Generationen. Denn wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt. Schon lang setzen sich politische Kräfte wie die Grünen und Umweltinitiativen für Naturschutz ein und warnen vor den Gefahren eines Raubbaus an der Erde. Auch vor den Gefahren der Atomkraft wird seit vielen Jahren gewarnt. Leider brauchte es nun ein Unglück wie in Fukushima, um eine breitere Gesellschaftsschicht zum Nach- und vor allem auch zum Umdenken zu bewegen. Nachdem jahrzehntelang allein ökonomische Interessen im Vordergrund standen, gibt es plötzlich kritische Stimmen aus verschiedenen Richtungen. Und sehr erfreulich: Auch die Bischöfe haben es nun schon immer gewusst – nämlich, dass Atomkraft gefährlich und ein Ausstieg unerlässlich ist.