| Kommentar 04/2011 |
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Sind Pfarrgemeinderäte noch zeitgemäß? Von Maria Schneider Stellvertretende Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken, Augsburg „ …und sie – die Katholische Kirche – ändert sich doch!“, so die recht übereinstimmende Erkenntnis vieler Teilnehmer am Gesprächsforum der Deutschen Bischofskonferenz. Kirche hat sich auf ihrem Weg (griech. òdos) durch die Zeit immer verändert. „Mit (ihr) auf dem Weg zu sein“, bedeutet übersetzt „Synode“ (griech. syn òdos). Synodale Wege, wörtlich „Mitgeh-Wege“ haben die Bischöfe in Deutschland als Rätemodell ins Leben gerufen, um die Berufung aller Getauften und Gefirmten, des ganzen Volkes Gottes, fruchtbar werden zu lassen. Aber ist dieser synodale Aufbau mit den geringer werdenden Ressourcen noch zeitgemäß? Ist er hilfreich oder gar Not-wendig? Veränderungen verängstigen auch. Manche Priester beklagen, dass sie mit zu vielen Gremien überfordert wären oder die so genannte „Gremienarbeit“ sie von der eigentlichen Seelsorge abhalten würde. Aber auch Pfarrgemeinderäte oder Verbandsvertreter stehen überrascht und frustriert vor der Erkenntnis, dass sich die Aufgabe ihres Dienstes verändert: mehr selbst zu koordinieren, sich verstärkt in die Situation der Nachbarpfarrei oder den Pfarrer einzufühlen oder einfach mehr Verantwortung selbst zu übernehmen. „Geht es nicht auch einfacher?“, stellt sich für manchen die Frage. Statt eines gewählten Pfarrgemeinderates werden für überschaubare Aufgaben Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die sich nach getaner Arbeit wieder auflösen. Oder es bildet sich für sehr große Seelsorgeeinheiten statt für jede Pfarrgemeinde ein Pfarrgemeinderat nur ein Gesamtrat mit entsprechender Größe. Diese Modelle wirken pragmatisch und bestechen auf den ersten Blick durch ihre Einfachheit. Sicherlich sind sie auch gut gemeint. Aber Vorsicht, Erfahrungen zeigen, die Folgen können dauerhaft kirchlich und gesellschaftlich fatal sein. Gewählte Pfarrgemeinderäte, die durch ihr christliches Zeugnis Stellung beziehen, stellen einen wichtigen Orientierungspunkt in der Pfarrei am Ort dar. Sie stehen für die Kirche mit der Glaubwürdigkeit ihrer Person, mit ihrem Namen. Auch in ihrem Alltag wird von ihnen ein entsprechender Lebensstil erwartet. Eine Ermutigung durch ein Wahlverfahren kann Motivation sein, besonders sorgsam mit diesem Auftrag umzugehen. Im Alltag lebt die Kirche von der Überzeugungskraft ihrer Glieder in den Gemeinden, am Arbeitsplatz, in den Familien, in der Begegnung mit lebendigen Menschen, denen sie durch ihr Leben, Reden und Tun begegnet. Ein gewählter Vertreter oder eine durch Wahl legitimierte Vertreterin wird auch in der örtlichen kommunalen Gemeinschaft entsprechend wahrgenommen und wird sich verstärkt bemühen, diesem Anspruch auch gerecht zu werden. In Ergänzung zum leitenden Priester einer größeren Seelsorgeeinheit kann dieser Anspruch umso nachhaltiger sein, wenn in den einzelnen Pfarrgemeinden einer Seelsorgeeinheit, jeweils ein lebendiger Pfarrgemeinderat missionarisch wirken kann. Als Christen sind wir gesandt zu den getauften oder ungetauften Menschen mit ihren Sorgen und Freuden. Auf gesellschaftlicher Ebene bemüht sich die Kirche in die Gesellschaft hineinzuwirken und Position zu beziehen, die Stimme zu erheben. Dies geschieht auf der Ebene des ZdK, des Landeskomitees der Katholiken, auf Bistumsebene. Aber auch die Pfarrebene hat eine Stimme in die Gesellschaft, sie muss sie nur wahrnehmen. Das kann der Sonntagsschutz in einer Stadt, ein Impuls zur Familien- oder Seniorenfreundlichkeit in einer ländlichen Gemeinde oder Stellungnahme aus kirchlichen Gemeinden an politische Vertreter auf Landes- oder Bundesebene wie beispielsweise zur PID sein. „Laien können nicht einfach darauf verzichten, sich in die ‚Politik‘ einzuschalten…“. (Christifideles laici, Nr. 42). Die synodalen Wege der Kirche, die „Mitgeh-Wege“ sind Not-wendig. „Alle Getauften und Gefirmten sind Zeugen der Botschaft des Herrn.“ (Kardinal Marx) Dann muss Veränderung nicht ängstlich zum Rückzug ins Ghetto führen, dann kann Veränderung gemeinsam mit allen, die miteinander auf dem Weg (syn òdos) sind, im Vertrauen auf Gottes Geist gestaltet werden. Hier finden Sie den ausführlichen Kommentar. |