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Meditation 04/2011
Die Frau in Kirche und Gesellschaft

Von Sr. Franziska Mitterer

Gibt es sie? „Die“ Frau. Ist nicht jede Frau in Kirche und Gesellschaft einmalig in ihrer Begabung, unverwechselbar in ihrer je persönlichen Spiritualität, individuell in ihrer emotionalen Geschaffenheit. Nur von einer können wir als „der“ Frau sprechen: von Maria.

Ich muss gestehen: als junger Mensch hat mich die Anrufung „Unsere liebe Frau von Altötting“ befremdet. Maria war für mich die mütterliche und zärtliche Seite Gottes. Das Wort „Frau“ für Maria klang mir zu distanziert, zu wenig warm.

Inzwischen bin ich stolz auf sie, „die“ Frau. Sie ist für mich Vorbild für „die Frau in Kirche und Gesellschaft“. Und das umso mehr, als sich Kirche und Gesellschaft stark im Wandel befinden. Und sich reformbedürftig zeigen.

Maria hat eine innere Beziehung zu kirchlichen Reformen. Ein Blick in die Bibel zeigt es uns. Nach dem Tod und der Himmelfahrt Jesu befinden sich seine Freunde in einer Krisen-situation. Der vertraute Umgang mit dieser außergewöhnlichen, oft auch herausfordernden Person Jesus ist weg. Wie soll es weiter gehen? Maria ist da. Sie bittet mit den anderen Frauen, den Aposteln und Freunden Jesu um den Heiligen Geist. Sie ermutigt nicht zum voreiliegen Anpacken. Nicht zum blinden Aktionismus. Sie ist der Antrieb dafür, in dieser bedrängten Situation sich an die Versprechungen Jesu zu erinnern. Eine Haltung des Bittens und Empfangens einzunehmen. Die Beziehung zu Gott zu pflegen. Und auch untereinander. Sie schart eine Gruppe um sich. Faszinierend, diese Frau. Der von dieser Gruppe erbetene Heilige Geist bringt eine Reformbewegung des Volkes Israel in Gang. Aus dieser Bewegung wächst die Kirche.

Die andere Seite von Maria ist ihr aktives Vorangehen. Beispielsweise, als sie ihrer Verwandten Elisabeth zu Hilfe eilt. Bei Maria kommen die zwei Seiten für fruchtbares Wirken zusammen: Aktivität und Passivität, Kontemplation und ein Sich Einsetzen für andere.

Wäre dies nicht genau für uns heute in Kirche und Gesellschaft dran? Räume eröffnen, Prozesse einleiten, im Hören auf Gott und seinen Geist bleiben, mit Menschen im Austausch sein. Und das alles im Bewusstsein, dass letztlich die Frucht unseres Engagements ein Geschenk ist.

Ich glaube, dass uns Frauen das von Natur aus besser „liegt“ als Männern.

Dabei soll uns ein gutes Miteinander von Mann und Frau in Kirche und Gesellschaft Anliegen sein. Das Ergänzen der je eigenen Charismen von Mann und Frau, des je unterschiedlichen Zugangs zur Wirklichkeit, des je eigenen Ansatzes in der Spiritualität lässt das Reich Gottes wachsen.

Was mich an Maria ganz besonders fasziniert ist ihr JA zu Gott auch angesichts von Schmerz, Leid und Tod. Sie ist ganz tief vom Glauben durchdrungen, dass nicht der Tod und der Schmerz das letzte Wort haben, sondern das Leben aus der Auferstehung.

Eine solche Haltung entdecke ich bei vielen großen Frauengestalten unserer Kirchen-geschichte. Sie glauben an das Leben auch in aussichtslosen Situationen.

Alles, was dem Leben dient, muss wie bei einer Geburt durch Widerstand hindurch. Hinter jeder Schwierigkeit verbirgt sich neues Leben, das geboren werden will.

Lassen wir uns alle, egal ob Mann oder Frau, von dieser schöpferischen Kraft inspirieren.