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Kommentar 06/2010
„Ich trau mich mal, Ihnen zu mailen …“

Internet als offene Tür der Gemeinde

Von Bruder Paulus Terwitte
Medienexperte

Die ARD/ZDF-Langzeitstudie „Massenkommunikation“ zeigt: Das Internet wird täglich 83 Minuten lang genutzt, 2005 wa­ren es mit 44 Minuten etwas mehr als die Hälfte. In der jungen Zielgruppe bis 29 Jahren nutzen 57 Prozent das Internet zum Konsum massenmedialer Inhalte und gar 73 Prozent zur Recherche von zielgerichteter Information. Mit insgesamt 144 Minuten täglicher Nutzung bildet das Internet bei ihnen mit Fernsehen und Hörfunk das Spitzentrio in der Mediennutzung.

Das heißt: Eine Gemeinde, die sich nicht per Internet zugänglich macht, verschließt sich dauerhaft sowohl ihren eigenen Mitgliedern als auch den Außenstehenden.

Die Studie, von der die Rede war, fragt auch nach Motiven: „Internet macht Spaß“ – bei den Jüngeren liegt dieses Nutzungsmotiv im Ranking mit 94 Prozent vor allen anderen. Damit ist auch schon der Weg gewiesen, wie der Internetauftritt daherkommen muss: Er ist nicht Pfarrbrief und keine vollständige Darstellung der Geschichte oder der Organisation der Gemeinde. Gerade weil Internet-Seiten sich so mühelos und kostengünstig erstellen lassen, darf auf ihnen nicht alles gesagt und gezeigt werden. Jede Seite muss in drei Sekunden erfasst werden können. Die Sätze müssen kurz sein, nicht mehr als sieben Wörter. Hauptsätze sind gefragt. Nebensätze sollen in ei­nem Absatz von zwölf Zeilen nur zweimal vorkommen. Dazu: Gute Fotos. Ein schwieriges Thema. Sie sollten in der Gemeinde entstanden sein. Die Rechtefrage muss geklärt sein: Der Fotograf muss erlaubt haben, dass seine Fotos genutzt werden. Das heißt: Die Internetseite der Gemeinde sollte die Lebendigkeit der Gemeinde beispielhaft bezeugen.

Kurze Sätze und aktuelle Fotos erhält die Gemeindeseite am effektivsten durch Web 2.0 Anwendungen. Einen Twitter-Feed einbauen: Die Firmlinge der Gemeinde bekommen einen Zugang und können von ihren Handys aus per SMS Spuren des Wirkens des Heiligen Geistes senden. Oder eine Facebook-Seite erstellen und be­treuen: Hier treffen sich alle Facebook-Mitglieder, die zur Gemeinde gehören und alle, die im Netzwerk Facebook sind, können zusehen, wovon die Gemeindemitglieder dort berichten. Die neuesten Einträge werden automatisch auf der Homepage ge­zeigt. Die Seite wird belebt, indem dort Aktionen durchgeführt werden: Familien machen ein Video zu Themen wie Urlaub, Gebet oder Bibelgespräch. Zur Ehevorbereitung könnten sich dort Brautpaare in einer Gruppe zu­sammenfinden und online vorbereitet werden – als e i n zeitgemäßer Beitrag zum gesamten Prozess, der sich natürlich nicht im virtuellen Angebot erschöpfen darf.

Wer das Engagement im Internet plant, braucht Menschen mit Zeit. Onlinesein frisst Zeit. Der erste Schritt ins Internet sollte vielleicht vorbereitet werden von denen, die jetzt schon keine Zeit mehr haben vor lauter Engagement. Dann aber sollte ein Aufruf folgen: Wer mag uns helfen, im Internet präsent zu sein? Ich bin davon überzeugt, dass sich neue Gruppen von jüngeren Ehrenamtlichen bilden werden. Freilich muss man ihnen in einem Maß Freiheit einräumen, die sich grundsätzlich unterscheidet von der Freiheit, die ein Redaktionsteam des Pfarrbriefes hat; denn im Internet ist immer alles sofort öffentlich. Eine Gemeinde, die sich auf neue Ehrenamtliche, hier im Online-Bereich, einzulassen vermag, wird neue Freunde finden. Wäre es nicht schön, wenn ein Vater mit seinen drei Kindern, in der Gemeinde kaum bekannt, nach einem Kindergottesdienst vor der Kirchentür sagt: „Ich war auf Ihrer Seite mit den witzigen Antworten, die Kinder hier während der Kindergottesdienste gegeben haben – und da habe ich der Verantwortlichen für den Gottesdienst einfach mal gemailt…“.

Könnte das nicht heißen: Beginne klein mit einem Aspekt der Gemeinde – und Gott wird dir dafür neue ehrenamtliche Mitarbeiter erwecken, die das Inter-Netz weit auswerfen...