| Meditation 06/2011 |
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Lebenskünstler und die Lebenskunst Von Sr. Franziska Mitterer Lebenskünstler“ sind Menschen,die mit dem Leben ein wenig spielerisch umgehen. Men- schen, die glücklich und zufrieden sind, unabhängig von äußeren Faktoren. Die immer wie- der auf Distanz gehen können. Die eher das Positive an den Dingen entdecken. Und dann das Leben gestalten. Sie beherrschen die „Lebenskunst“, also die „Kunst zu leben“. Der Begriff „Lebenskunst“ (lat. ars vivendi) ist ein Begriff aus der Philosophie. Er wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Er meint die Lebensgestaltung des einzelnen Menschen. Seit etwa zwanzig Jahren treten immer wieder vereinzelt Philosophen an die Öffentlichkeit mit einer Philosophie der Lebenskunst. Seit geraumer Zeit schwappt von Frankreich her die Idee „philosophischer Cafés“ nach Deutschland herüber. In diesen Cafés werden substantielle Gespräch geführt. Und das anstelle von „Smalltalks“ in den herkömmlichen Lokalen beziehungsweise einem Sich-nicht-begegnen in den „Café-to-Go-Restaurants“. Wir in der Südost-Ecke von Deutschland erwarten diese Welle erst noch. Umso mehr lohnt es sich, zu fragen, was dahinter steckt. Offensichtlich suchen die Menschen etwas hinter der Beliebigkeit. Sie suchen statt Lifestyle wieder Lebenskunst. Viele so genannte philosophische Praktiker bieten Lebensberatung an. Wir kennen Beratung eher auf psychologischer oder psychotherapeutischer Basis. Oder eben speziell für suchende Christen die Geistliche Begleitung. Ausdruck des neuerwachten Bedürfnisses nach geistiger Authentizität ist das 1998 erschienene Buch des Berliner Philosophen Wilhelm Schmid „Philosophie der Lebenskunst“. In mancher Würdigung wird es als „epochales Werk“ bezeichnet. Interessant ist, dass der Begriff der Klugheit eine zentrale Rolle in diesem Werk spielt. „Klugheit“ ist für unsere christliche Tradition eine von vier Kardinaltugenden, die auf Thomas von Aquin zurückgehen. Werte werden hervorgeholt. In der neuerwachten „Philosophie der Lebenskunst“ sind unschwer Anklänge an christliche Spiritualität als Lebenskunst zu erkennen: Spirituelle Haltungen wie Ehrfurcht vor allen Dingen, vor der Schöpfung, vor den Menschen klingen an. Suchende zu sein, ist gefragt. Bei sich zu Hause sein können und in tiefe Beziehung zu anderen treten. Der Theologe Johann Baptist Metz hat sein jüngst erschienenes Buch „Mystik der offenen Augen“ tituliert. Er macht sich darin für eine christliche Spiritualität stark, die vor allem für fremdes Leid empfindsam ist. Christliche Lebenskunst war zu keiner Zeit ein Wellness-Trip. Immer galt es, Spannungen auszuhalten. Sterben - Wandlung - Durchgänge sind Grundelemente eines christlichen Lebensverständnisses. Da darf auch das Klagen, sogar das Anklagen Gottes seinen Platz finden – die Psalmisten zeigen es uns. In Kapitel 4 der Benediktregel werden „Werkzeuge der geistlichen Kunst“ vorgestellt. Ein spannendes Kapitel. Die rechte Beziehung zu Gott ist Thema. Das Verhältnis zu den Mitmenschen wird in den Blick genommen. Ratschläge, wie man mit sich selber umgehen soll, gibt es da. Wer die Lebenskunst beherrschen will, kann sich aus dieser Regel drei Grundsätze heraus holen:
„Kunstmittel“ dafür können sein: die Stille suchen, sich Räumen des Schweigens aussetzen, sich in das Hören einüben. Dann aber auch das Leben gestalten, für sich und für andere. Aktion und Kontemplation gehören zusammen. Nur so hat der Lebenskünstler eine gute Basis für das Leben. |