Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: März-April 2022

Ökumene

Mehr als zwei für die Einheit

Römisch-katholisch und evangelisch-lutherisch, aber auch griechisch-, serbisch-, rumänisch-, russisch-, georgisch-, syrisch-, koptisch-orthodox, armenisch-apostolisch, baptistisch, reformiert, mennonitisch, anglikanisch, methodistisch, pfingstlich, adventistisch, neuapostolisch und vieles, vieles mehr: langweilig ist das Christentum nicht.

Und es ist auch in dieser Vielfalt da: alle gerade erwähnten Traditionen, und mehr noch, sind in Bayern vertreten. Fast alle davon und einige mehr noch sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern. Das Christentum ist in einer großen Breite von Erscheinungsformen in unserem Freistaat präsent, aber es bleibt noch gespalten. Dafür gibt es aber die Ökumene (das griechische Wort für die „bewohnte Erde“), die nichts weniger als den Dialog der Christen bedeutet, mit dem Ziel der Wiederherstellung und Stärkung der sichtbaren Einheit der Kirche. Warum? Weil Jesus will, dass wir eins sind. Dafür betet er kurz vor dem Beginn seiner Passion (Joh 17, 11.22). Sein Wille stärkt und ermutigt uns.

Gute Strukturen

Die multilaterale Ökumene (nämlich der Dialog von mehr als zwei konfessionell unterschiedlichen Kirchen) ist auf verschiedenen Ebenen strukturiert. Auf Weltebene denkt man primär an den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) mit seinen 349 Mitgliedskirchen. Ein Großereignis wird vom 31. August bis 8. September des laufenden Jahres in Karlsruhe stattfinden: Die 11. ÖRK-Vollversammlung, ein großes Fest der multilateralen Ökumene, zum ersten Mal auf deutschem Boden (vgl. Ausgabe Januar-Februar 2022). Auf kontinentaler Ebene ist die Konferenz Europäischer Kirchen ein zentraler Akteur. Auf nationaler Ebene gibt es, was unser Land betrifft, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, mit Sitz in Frankfurt am Main. Auf regionaler Ebene haben wir die ACKs der Bundesländer: Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfallen, usw. Und es gibt noch die lokalen ACKs, nämlich die Stadt- oder Stadtteil-ACKs. Wo gibt es lokale ACKs im Freistaat Bayern? In Ansbach, Aschaffenburg, Augsburg, Bamberg, Bayreuth, am Chiemsee, in Coburg, Erlangen, Forchheim, Ingolstadt, Kempten, Main-Mömling-Elsava, Memmingen, Miltenberg, München, Nürnberg, Passau, Regensburg, Rosenheim, Schwabach, Schweinfurt, Ulm und Neu-Ulm sowie Würzburg; und noch dazu der Christenrat Fürstenfeldbruck, der ebenfalls als lokale ACK wahrgenommen wird.

Am Tisch des Dialogs

All diese Strukturen sind Plattformen des multilateralen, interchristlichen Dialogs, abgesehen von den ebenfalls wertvollen Basisinitiativen. Es wird über Theologie diskutiert, gottesdienstliche und pastorale Initiativen werden organisiert und man versucht, sich zu verschiedenen Themen, die uns alle betreffen, mit einer Stimme zu äußern. All diese Gremien sind weder Kirchen noch Überkirchen. Eine gemeinsam erarbeitete, theologische Basis ist vorhanden, aber man muss nicht zu allen Punkten die gleiche Meinung haben. Alle aber haben den Willen, am Tisch des Dialogs zu sitzen, um ihre theologischen Unterschiede miteinander zu besprechen, auf praktisch-pastoraler Ebene, da wo es möglich ist, zusammenzuarbeiten und Kommunikationsbrücken zu einander zu bauen, um so unkompliziert wie möglich, eventuelle Missverständnisse zu entkräften. Das, was die Christen eint, ist mehr und wichtiger als das, was sie trennt. Nicht nur die zahlenmäßig großen Kirchen, sondern viele, viele weitere haben bei der multilateralen Ökumene einen würdigen Platz. So werden die Einheit der Christen und die spannenden Schätze der verschiedenen Kirchen und Traditionen sichtbarer.

Mehr zur Arbeit der ACK in Bayern lesen Sie hier.

Titelbild Freshidea/Adobe stock


Verfasst von:

Georgios Vlantis

Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern