Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Juli-August 2022

Aus dem Landeskomitee

Gemeinsam für Frieden

Islamische Gemeinde Penzberg
Das Zentrum der Islamischen Gemeinde in Penzberg beeindruckt Besucherinnen und Besucher durch seine Architektur.

Landeskomitee besucht Islamische Gemeinde in Penzberg

Es war eine Premiere: zum ersten Mal hat sich das Präsidium des Landeskomitees der Katholiken in Bayern mit Vorstandmitgliedern der Islamischen Gemeinde in Penzberg zu einem interreligiösen und interkulturellen Austausch getroffen. Es ging um Unterschiede und Gemeinsamkeiten, um gesellschaftliche Brennpunkte und den Krieg in Europa. 

In Penzberg gibt es seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ein regelmäßiges Friedensgebet im Stadtzentrum. Was andernorts ökumenisch organisiert wird, ist hier ganz selbstverständlich interreligiös – denn neben dem katholischen Priester und der evangelischen Pfarrerin steht Imam Benjamin Idriz. „Und heute Morgen erst hat die Stadtverwaltung angerufen, ein neuer Stadtbus soll in Betrieb genommen werden, da soll Imam Idriz auch den Segen spenden“, erzählt Gönül Yerli, die Vize-Direktorin der Islamischen Gemeinde in Penzberg. Die Islamische Gemeinde in Penzberg gibt es seit mehr als 30 Jahren. Drei Jahrzehnte, in denen sich die Gemeinde und in denen sich die Muslime zu einem festen Bestandteil im gesellschaftlichen Leben von Penzberg entwickelt haben.

Im Gespräch mit den Vertreterinnen und Vertretern der katholischen Laien wird schnell deutlich: viele Themen sind identisch, überschneiden sich. Auch die islamische Gemeinde ist erschüttert und tief betroffen vom Krieg in der Ukraine, hilft, wo es möglich ist, arbeitet hier Seite an Seite mit Caritas, Diakonie und zivilen Hilfsorganisationen und sorgt dafür, dass muslimische Flüchtlinge in Penzberg eine neue Heimat für ihren Glauben finden können.

Und auch viele andere gesellschaftlich relevante Themen sind keine solchen, die Glaubensgemeinschaften exklusiv für sich besetzen und schon gar nicht alleine aufarbeiten oder lösen könnten. Der Klimawandel zum Beispiel, mit all seinen ökologischen und ökonomischen Fragen. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, das Auseinanderdividieren in Arm und Reich, in die einen und die anderen. Hier gelte es, gesamtgesellschaftlich Antworten zu finden. Und das könne nur gemeinsam, im Austausch und echten Dialog geschehen, sind sich die Religionsvertreterinnen und -vertreter einig.

Aus diesem Grund will man dieses erste Treffen als Auftakt sehen, um den Kontakt zu verfestigen und gesellschaftliche Themen künftig vermehrt gemeinsam anzugehen. Spontan entstand dann auch noch ein gemeinsamer Friedensappell.

Gemeinsamer Appell für den Frieden

Das Präsidium des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und die Islamische Gemeinde Penzberg haben bei einem interkulturellen Austausch gemeinsam den Willen zur friedlichen Koexistenz von Menschen mit unterschiedlichem religiösen, weltanschaulichen oder auch kulturellen Hintergrund bekräftigt.

Die in der Ukraine lebenden Menschen haben ein Recht darauf, in Ruhe und Frieden miteinander leben zu können. Jede aggressive und kriegerische Handlung ist auf der Stelle zu unterlassen.

Wir danken allen Freiwilligen in den angrenzenden Ländern, die nun Flüchtlinge aus der Ukraine, Frauen und Kinder sowie Ältere und Gebrechliche aufnehmen und versorgen. Besonders danken wir allen Hilfsorganisationen, gerade den religiösen Verbänden und Vereinigungen, aber auch allen privaten Hilfsprojekten, die in einer beispiellosen Kampagne bis an die Belastungsgrenze der zahlreichen Helfenden gegangen sind, um Lebensmittel, Kleidung und Unterkünfte sowie weitere Hilfsmaßnahmen zu organisieren. Dies geschah in einer Schnelligkeit und Professionalität, die unseren höchsten Respekt verdient.

In gleicher Weise danken wir allen Menschen, die durch Geld- und Sachspenden diese Hilfsprojekte unterstützen oder oft erst überhaupt ermöglicht haben. Aber auch allen, die Flüchtlinge hier in Deutschland bei sich aufnehmen, gebührt Dank und Anerkennung. Hier hat Bayern, hier hat Deutschland, hier hat Europa bewiesen, dass sie über alle Religions- und Weltanschauungsfragen hinweg zu rascher und tatkräftiger Hilfe bereit und fähig sind.

München und Penzberg, am 11. April 2022

Foto: Islamische Gemeinde Penzberg


Verfasst von:

Alexandra Hofstätter

Redaktionsleiterin der Zeitschrift "Gemeinde Creativ" beim Landeskomitee der Katholiken in Bayern.