Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Januar-Februar 2023

Ökumene

Durchs Gebet in unterschiedliche Länder reisen – 2023 nach Taiwan!

Mehr als nur ein Gottesdienst im Jahr

Ein öffentliches Gebet von Frauen – heute etwas ganz Normales. Damals, im Jahr 1812, brauchte es dazu einen Vorstoß. Der kam von der Baptistin Mary Webb aus Boston/USA. Vom Rollstuhl aus hat sie ein ungeheuerliches Gebetsnetzwerk geschaffen, indem sie zu monatlichen Gebetsversammlungen für die Mission aufrief. In kurzer Zeit war eine Welle losgetreten, eine Bewegung in Gang gesetzt zum öffentlichen gemeinsamen Gebet von Frauen. Hier liegen die Wurzeln zur Weltgebetstagsbewegung. Und wer sich immer schon mal gefragt hat, was es mit dieser Bewegung auf sich hat, der ist hier in diesem Beitrag genau richtig.

Immer am ersten Freitag im März findet der Weltgebetstag statt, an dem zusammen für Frieden und Gerechtigkeit gebetet und gehandelt werden soll. Der nächste Weltgebetstag steht somit unmittelbar bevor, nämlich am Freitag, 3. März 2023. Vorbereitet wurde er diesmal von Frauen aus Taiwan. Das bedeutet, dass Taiwan im aktuellen Jahr den Länderschwerpunkt bildet und dass die dortige Lebenssituation der Frauen beleuchtet wird. Das zugehörige biblische Thema lautet: „Glaube bewegt“. Zum Weltgebetstag eingeladen sind übrigens nicht nur Frauen, sondern ebenso Männer, Jugendliche und Kinder.

Größte Basisbewegung christlicher Frauen weltweit

Der Weltgebetstag will den Blick schärfen für Herausforderungen rund um den Globus. In den Gottesdiensten ergreifen diejenigen Frauen das Wort, die ansonsten nicht so viel Gehör bekommen. Frauen setzen sich beim Weltgebetstag dafür ein, dass Mädchen und Frauen weltweit ein Leben in Frieden, Gerechtigkeit und Würde führen können. Was nach dem Vorstoß aus Boston vor vielen Jahren in den USA und in Kanada seine Anfänge genommen hat, erwuchs zu einer größer werdenden Bewegung im Zeichen von Frauensolidarität. Ab wann genau es den Weltgebetstag gibt bzw. ab wann er als solcher gilt, das sei nicht ganz einfach zu sagen, wie man vom deutschen Komitee erfährt. Verständigt habe man sich aufs Jahr 1927 als Geburtsjahr für den (seinerzeit noch firmierend unter) „Weltgebetstag der Frauen“, weil es da erstmals weltweit zu einem ökumenischen Gebet gekommen sei. Zuvor habe es natürlich Vorläufer gegeben wie mit den Frauen aus Neuengland, zurückgehend aufs Jahr 1812 mit Mary Webb aus Boston – das sei der allererste Schritt gewesen, woraufhin im Jahr 1818 bereits 97 Gesellschaften miteinander in Verbindung gewesen sind und sich am Gebet beteiligten. Damit war der erste Schritt zum öffentlichen gemeinsamen Gebet von Frauen getan.

Laut eigenen Angaben handelt es sich beim Weltgebetstag um die größte Basisbewegung unter christlichen Frauen auf der ganzen Welt. Christliche Frauen eines immer anderen Landes bereiten den Weltgebetstag vor, schreiben bzw. suchen passende Texte, Gebete, Lieder. Das wiederum wird weiter aufbereitet von Frauen vor Ort – sie entstammen unterschiedlichen christlichen Konfessionen, sind etwa baptistisch, evangelisch, katholisch, methodistisch. Schließlich werden dann rund um den Globus Gottesdienste gefeiert, dies in achtundachtzig Sprachen in mehr als hundertacht Ländern (diese Angaben beziehen sich aufs Jahr 2018). Allein in Deutschland gibt es circa eine Million Besucher für die Gottesdienste und Veranstaltungen rund um den Weltgebetstag.

Rund um den Globus

Die Fokusländer haben schon quer durchs Alphabet und über die Weltkarte gereicht – von A wie Afrika über B wie Burma bis hin zu V wie Venezuela. Aber auch seinerzeit die DDR, Frankreich, die USA, Japan, Kanada, Mexiko, Schweden, Indien, die Karibik oder Kenia standen im Fokus des Geschehens. Ab den 2000er Jahren gab es Länder wie Panama, Polen, Paraguay oder auch Chile, Ägypten und die Philippinen. Ebenso die Folgeländer für nach 2023 sind schon geplant mit beispielsweise den Cookinseln, Costa Rica oder Italien. Zu jedem Land gehört auch eine zentrale Bibelstelle mit dazu. Letztere war früher eher als Leitthema formuliert mit „Wachsen – wie ein Samenkorn zum Baum“ (Korea/1997) oder „Zur Versöhnung herausgefordert“ (Rumänien/2002), gefolgt von neuerdings nur der Bibelstelle mit etwa „Begreift ihr meine Liebe?“ (Bahamas/2015). Oder, ganz aktuell, mit „Glaube bewegt“ (Taiwan/2023) – hier im Fokus steht Epheser 1,15–19, woraus übergeordnet dann eben „Glaube bewegt“ als eine Art Kurzlosung entsteht.

Lokal feiern – global denken

Damit die Frauen in mehr als hundertfünfzig Ländern miteinander verbunden sein können, bedarf es einer gewissen Organisation, in die sich der Weltgebetstag gegliedert hat. So gibt es zum einen die nationalen Komitees, zum Beispiel das deutsche, welches die Form eines eingetragenen Vereins hat: „Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e. V.“ mit Sitz in Stein bei Nürnberg. Dieses deutsche Weltgebetstagkomitee wiederum stützt sich auf zwölf kirchliche Frauenverbände und -organisationen aus neun verschiedenen Konfessionen und unterstützt die zahllosen Ehrenamtlichen, die sich deutschlandweit für den Weltgebetstag einsetzen. Zentrale Bereiche sind hier die Kollektenverwendung und Projektarbeit, Materialerstellung, Bildungsveranstaltungen sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Innerhalb der nationalen Komitees will man die Stärken aller am Weltgebetstag beteiligten Frauen bündeln und Vorbereitungen kanalisieren wie die jährlichen Übersetzungen der Gottesdienste in die Landessprachen oder die Entscheidung über die Verwendung der Kollekte. Vertreterinnen dieser nationalen Komitees arbeiten dann auf weltweiter Ebene zusammen im Internationalen Weltgebetstagkomitee, wobei für die verschiedenen globalen Regionen bestimmte Delegiertenanzahlen festgelegt sind, damit die globale Besetzung des Gremiums gesichert ist.

Mehr als nur ein Gottesdienst

Der Weltgebetstag kann das ganze Jahr über als Gottesdienst oder mit anderen Formaten gefeiert werden, kreative Ansätze hierzu gibt es mit Frauenfrühstück oder Themenabenden. Oder bei Pfarrfesten kann ein Stand zum Weltgebetstag angeboten werden. Auf der deutschen Weltgebetstag-Website finden sich für den aktuellen Weltgebetstag „Taiwan“ viele Informationen zum „Mitmachen & Mitfeiern“, es gibt einen Bereich für „Kinder & Jugendliche“, man kann sich „Aktuelles & Bilder“ anschauen und ebenso die kreativen „Materialien & Downloads“ für die eigene Gemeinde und Pfarrei zunutze machen.

Dabei will der Weltgebetstag viel mehr sein als ein Gottesdienst. Getreu seines internationalen Mottos „informiert beten, betend handeln“ will er den Blick für die Welt weiten, neugierig machen auf das Leben und Glauben in anderen Ländern. Und mittels Spenden will er Frauen und Mädchen weltweit unterstützten.

Das, was man in Sachen Gebetstag bislang vielleicht eher mit exotischen Bildern wahrgenommen hat, ist eine gewachsene Bewegung, die Frauen und Mädchen weltweit stärken will. Und er ist mehr als nur ein Gottesdienst im Jahr, denn drumherum gibt es das ganze Jahr über Bildungsarbeit, Spendenaktionen, Projektchöre und vieles mehr.

Alle Informationen zum Weltgebetstag finden Sie unter https://weltgebetstag.de.

Infos für die Kampagne 2023 und zum Beispielland Taiwan, Materialien zum Mitfeiern und Selbstgestalten finden Sie hier.


Verfasst von:

Diana Schmid

Freie Journalistin