Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Januar-Februar 2024

Informationen

„Interessiert mich die Bohne“

So lautet das Leitwort der kommenden Fastenaktion von Misereor. Das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit lädt unter diesem Motto dazu ein, sich gemeinsam mit Misereor-Projektpartnerinnen und Projektpartner aus Kolumbien für eine nachhaltige Landwirtschaft und eine gesunde Ernährung zu engagieren.

Die Fastenaktion, bei der zwischen Aschermittwoch und Ostern nicht zuletzt um Spenden für die Arbeit von Misereor gebeten wird, dient auch der Selbstreflexion: Woraus lebe ich? Wie kann ich die Fastenzeit zur persönlichen Umkehr und zu individuellem Engagement nutzen? Was können wir teilen? Misereor richtet damit den Blick auf die schwierige Situation von Kleinbäuerinnen und -bauern im globalen Süden. Deren Existenz ist vielfach bedroht. So bekommen sie über Wetterextreme und zurückgehende Ernten die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren. Obwohl sie den größten Teil aller Nahrungsmittel produzieren, beherrschen wenige große Konzerne den Weltagrarmarkt. Misereor will zudem das Bewusstsein dafür schärfen, dass etwa 830 Millionen Menschen weltweit mangelernährt sind und gleichzeitig jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden.

Sehnsucht nach einer gerechteren Welt

Bei der Fastenaktion kommen Bäuerinnen und Bauern aus Kolumbien bei vielen Veranstaltungen in ganz Deutschland zu Wort. Sie sprechen von ihrer Gemeinschaft und Naturverbundenheit, aber auch ihrer Unsicherheit und Existenzangst. Das Leitwort „Interessiert mich die Bohne“ verweist darauf, dass Kaffeebohnen und Hülsenfrüchte in Kolumbien wichtige Handelsgüter und landestypische Grundnahrungsmittel sind. „Mit der Fastenaktion teilen wir die Sehnsucht nach einer gerechteren Welt ohne Hunger, wie sie im UN-Nachhaltigkeitsziel 2 formuliert wurde“, sagt Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor. „Und wir bringen unser Anliegen vor, einer ausgewogenen Ernährung mehr Wertschätzung entgegenzubringen – mit Bildungs- und politischer Arbeit, Aktionen in Deutschland sowie durch Unterstützung unserer Partnerinnen und Partner weltweit.“ Eine gute Ernährung für alle benötige Vielfalt vom Acker bis auf den Teller und eine gerechtere Verteilung von Lebensmitteln, so der Misereor-Chef. „Deshalb setzen wir uns für die Rechte von Bäuerinnen und Bauern ein. Sie brauchen Zugang zu und Verfügung über Land, Wasser und Saatgut. Und sie müssen die Möglichkeit erhalten, ihre Produkte lokal zu vermarkten“, so Spiegel. In Deutschland wirbt Misereor für nachhaltigeren Konsum. Hierzu bedürfe es auch systemischer Veränderungen und angepasster politischer Rahmenbedingungen. Es gelte, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass insbesondere die industrielle Landwirtschaft zu viele Ressourcen verbrauche.

Ideenreiche Spendenaktionen

Die Fastenaktion 2024 wird am Sonntag, 18. Februar, in Ludwigshafen im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes, der live im ARD-Fernsehen übertragen wird, eröffnet. In der Fastenzeit wird Misereor, das in 86 Ländern Afrikas und des Nahen Ostens, Asiens und Ozeaniens, Lateinamerikas und der Karibik mit Partnerorganisationen zusammenarbeitet, über seine Projektarbeit informieren und um Spenden bitten. Durchgeführt wird die Aktion von Gruppen in Pfarreien, Schulen, Verbänden und darüber hinaus mit Bildungs-, Lobby- und Advocacy-Arbeit sowie ideenreichen Spendenaktionen. Am 17. März, dem 5. Fastensonntag, werden dann in allen katholischen Kirchengemeinden Deutschlands für die Arbeit von Misereor Spenden gesammelt.

Kinderfastenaktion mit dem Jungen Alexis

Parallel zu diesem Thema findet die Kinderfastenaktion statt. Im Blickpunkt steht hier die Figur Rucky Reiselustig, die auf eine spannende Reise nach Kolumbien geht und dort den zehnjährigen Alexis trifft. Zahlreiche Materialien rund um die Themen nachhaltige Landwirtschaft und Wertschätzung guter Lebensmittel laden Gemeinden, Schulen und Gruppen von Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren zum Mitmachen ein. (pm)

Sie stehen unter www.kinderfastenaktion.de zum Download bereit. Allgemeine Informationen zur Fastenaktion finden Sie auf www.misereor.de.

 


Tagung zum kirchlichen Aufbau und Integration der Vertriebenen in den 1950er Jahren

Links: Prof. Dr. Hans-Georg Aschoff, der in seinem Vortrag den im Bistum wirkenden Vertriebenenseelsorger Georg Wengler vorstellte. Rechts: der Moderator dieser Arbeitseinheit Dr. Thomas Scharf-Wrede, Vorsitzender der Bundeskonferenz der kirchlichen Archive in Deutschland. Foto: Markus Bauer

Nach Vertreibung in der Diaspora

Von Markus Bauer, freier Journalist

Sozusagen an seinen früheren Sitz – nach Regensburg – kehrte vom 18. bis 20. September das Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa e.V. mit der jährlichen Arbeitstagung zurück. Diese befasste sich im Runtingersaal mit der Thematik „Kirche im Wandel. Organisatorische und institutionelle Grundlagen der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen 1945-1963“. Circa 30 Personen, darunter Institutsmitglieder und weitere Interessenten nahmen daran teil.

Ein Aspekt für die Wahl dieses Tagungsortes war die Beschäftigung mit Neutraubling, einer der vier bayerischen Vertriebenenstädte. Hierher führte auch eine Exkursion mit Vortrag, Rundgang und Konzert. Im Gros der Vorträge ging es um Themen beziehungsweise Beispiele aus Norddeutschland: Vertriebenenseelsorger Georg Wengler im Bistum Hildesheim, die Einbeziehung des ostdeutschen Kirchenliedguts dort, die Kirche St. Ansgar in Seevetal-Hittfeld, Vertriebenen-Wallfahrten – zum Teil Neugründungen und bisweilen auch ohne Unterstützung des örtlichen Pfarrers. Immer wieder wurden dabei auch die Themen „Ökumene“ und „Diaspora“ deutlich – Letzteres in der früheren DDR sogar zweifach: Diaspora-Situation oft in mehrheitlich protestantisch geprägten Regionen und zudem gegenüber einem zunehmend antikirchlich agierenden Staatsapparat. Auch wurden weitere Vertriebene und Flüchtlinge in katholischen Gebieten angesiedelt, trafen dort aber auf andere Glaubens- und Frömmigkeitsformen und Traditionen, so dass es zu Abgrenzungs- und Austauschprozessen kam.

Gemeindebildungen mit Notkirchen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bzw. Referentinnen und Referenten der Tagung am Eingang der Neutraublinger Pfarrkirche St. Michael. Foto: Markus Bauer

In zwei Vorträgen wurden auch die Gemeinde(neu)bildungen in den von den Deutschen verlassenen Regionen – exemplarisch in Böhmen und im Ermland – behandelt und die zunächst häufig entstandenen Notkirchen und -kapellen in ihrer architektonischen und gestalterischen Struktur vorgestellt. Anhand von Beispielen aus dem Erzbistum Bamberg erfuhren die Tagungsteilnehmer interessante Fakten über Wallfahrtsziele und neue Kirchenpatrozinien, die mit Herkunftsorten der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zusammenhängen. Ebenso wurde exemplarisch die Flüchtlingshilfe der Caritas im Bistum Rottenburg-Stuttgart vorgestellt.

Verbands- und Pastoralarbeit

Schließlich ging es um die Verbands- und Pastoralarbeit im Kontext der Vertriebenen: die Flüchtlingsseelsorge im Erzbistum München und Freising in den 1950er Jahren am Beispiel der oberbayerischen Vertriebenenstadt Waldkraiburg, die Integration der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen durch Initiativen von Verbänden, Organisationen und heimatvertriebene Priesterpersönlichkeiten im Bistum Passau, die Arbeit von Orden in der Vertriebenenseelsorge sowie der kirchlichen Hilfsstelle Frankfurt am Main am Beispiel der Siedlung und katholischen Kirchengemeinde Sankt Stephan bei Darmstadt 1947 bis 1949 für Deutsche aus Ungarn.

Nicht zu vergessen die Exkursion in die Vertriebenenstadt Neutraubling, die zudem ein besonderes Jubiläum feiern konnte. Denn am 4. Oktober 1953, also vor 70 Jahren, wurde der Grundstein für die Pfarrkirche St. Michael gelegt. Die aus eben dieser Stadt stammende und seit vielen Jahren am Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa in Freiburg tätige Elisabeth Fendl schilderte anhand zahlreicher Fotos die Geschichte Neutraublings bis in die frühen 1960er Jahre und zeigte bei einem Rundgang Relikte aus dieser Zeit beziehungsweise auch den Jahren zuvor.

Historische und aktuelle Fragestellungen

Mit dem überaus breiten Themenspektrum wurden gleichermaßen kirchenhistorische bzw. historische wie architekturgeschichtliche, kunsthistorische und volkskundliche und nicht zuletzt auch aktuelle Fragestellungen aufgeworfen.

Mitveranstalter der Tagung waren die Bundeskonferenz der kirchlichen Archive in Deutschland, der Historische Verein Ermland, das Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europas, die Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg sowie die Katholische Erwachsenenbildung in der Stadt Regensburg.


Bildungsschätze heben und teilen

Der neue Bildungsblog www.bildung-praktisch.de bietet Bildungsakteurinnen und -akteuren zahlreiche Bausteine der Bildungsarbeit übersichtlich präsentiert.

Der Blog ist eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Katholische Erwachsenenbildung München und Freising e.V., der Hauptabteilung Außerschulische Bildung der Erzdiözese München und Freising und der Domberg-Akademie. Alle drei Institutionen engagieren sich in der Erwachsenenbildung, bieten einen langjährigen Erfahrungsschatz, praktisches Bildungs-Know-How, gemeinsame Standards und Qualitätsansprüche und eine breite Vernetzung in der Bildungslandschaft am Puls der Zeit.

So können sich beispielsweise Bildungsbeauftragte in den Pfarreien, Bildungsreferentinnen und Bildungsreferenten in den Verbänden oder den katholischen Bildungswerken übertragbare Bildungsangebote, Unterstützungsideen und viele inspirierende Impulse für die Arbeit vor Ort holen.

Der Blog umfasst aktuell die Themenfelder "Digitale Bildung", "Kultur" sowie "Religion und Spiritualität". Eine Erweiterung auf "Familienbildung" ist in Planung. Die Best-Practice-Beispiele in den Blog-Beiträgen werden in einem Downloadbereich durch konkrete Bildungsmaterialien ergänzt. (pm)

Hier geht’s zum Blog: bildung-praktisch.de

 


Selbstvertrauen wächst

Foto: Katholischer Männerfürsorgeverein München e.V.

Zwischen Glasbauten, Auberginen und Melonen finden Menschen eine sinnstiftende Beschäftigung, die ihnen helfen soll, in ihrer Obdachlosigkeit, psychischen Krankheit oder Sucht wieder Struktur in ihren Lebensalltag zu bringen, Kontakte zu anderen Menschen knüpfen und wieder besser am Leben in der Gemeinschaft teilhaben können. Dabei gewinnen sie Lebensfreude zurück und erhalten persönliche Unterstützung bei möglichen Problemen. Zudem verdienen sie etwas zu ihrem Lebensunterhalt dazu und können ihre Arbeitsleistung erproben.

Seit 2012 gibt es im Hans-Scherer-Haus des Katholischen Männerfürsorgevereins im Oberschleißheimer Ortsteil Mittenheim das Landwerk, eine vom Bezirk Oberbayern getragene Institution für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Derzeit bietet das Landwerk Platz für 20 Personen.

Das Landwerk ist eine Naturland-Gärtnerei, die nach ökologischen Richtlinien verschiedene Obst- und Gemüsesorten anbaut. Die Produkte werden direkt im Hofladen oder an auswärtige Kunden verkauft. (pm)

Mehr Infos zum Landwerk Hans Scherer Haus sowie dem Katholischen Männerfürsorgeverein München e.V. finden Sie auf www.kmfv.de.


Neue Broschüre der Kirchen zu Demenz

Etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen leben derzeit in Deutschland. Jedes Jahr erkranken 400.000 Menschen neu. Die meisten von ihnen werden zuhause von Angehörigen betreut. Der Umgang mit dem Verlust von Erinnerungen und Fähigkeiten und den damit einhergehenden Gefühlen und Rollenverschiebungen ist für Betroffene wie Angehörige oft sehr belastend.

In einfühlsamen und leicht verständlichen Texten werben die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz in der neuen Broschüre um Verständnis für die Situation Betroffener und ihrer Angehörigen. Denn als Ebenbild Gottes wohnt jedem Menschen in all seinen Lebensphasen Würde inne.

Hintergrundinformationen über das Leben mit Demenz und einen einfühlsamen Umgang mit betroffenen Menschen, ethische Überlegungen, biblische Impulse, Anregungen für Gottesdienste und weiterführende Links geben einen Überblick und neue Denkanstöße für den Weg zu einer demenzsensiblen Gemeinde. (ub)

Deutsche Bischofskonferenz / Evangelische Kirche in Deutschland (2023), Menschen mit Demenz in der Kirche. Wie kirchliche Angebote gelingen. Broschüre, 1,05 EUR.

Die Broschüre kann auch als PDF gelesen werden.


Die katholische Kirche und die radikale Rechte

Ein neu erschienener Sammelband bietet Analysen und Handlungsperspektiven von namhaften Expertinnen und Experten, wie rechtsradikale Bewegungen christliches Gedankengut nutzen und welche Verbindungslinien zwischen bestimmten christlichen Gruppen und der radikalen Rechten bestehen. Mit fundierten Analysen und Handlungsempfehlungen bietet das Buch Einblicke in den Themenkomplex „katholische Kirche und Rechtsradikalismus“, um demokratische Christinnen und Christen in der Auseinandersetzung mit reaktionären und menschenfeindlichen Positionen zu stärken. Eine unverzichtbare Lektüre für jene, die mit klarer Haltung eine konstruktive Diskussionskultur in Kirche und Gesellschaft fördern möchten.

Entstanden ist das Buchprojekt als Ergebnis einer Tagung zum gleichlautenden Thema des Kompetenzzentrums Demokratie und Menschenwürde (KDM) der Katholischen Kirche Bayern. (pm)

Grillmeyer, Siegfried/Kallbach, Kai/Pfrang, Claudia/Stammler, Martin (Hrsg.) (2023), Die katholische Kirche und die radikale Rechte. 200 Seiten, Taschenbuch, Echter Verlag, 7,00 EUR.

Die Publikation ist beim Echter Verlag Würzburg erhältlich.


Verfasst von:

Gemeinde Creativ

Das Redaktionsteam