Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Januar-Februar 2024

Schwerpunkt

Seele und Batterie aufladen

Kirchen mit einem Photovoltaik-Dach wirken erst einmal gewöhnungsbedürftig, doch die Akzeptanz bei den Menschen und in den Gremien wächst. Foto: Energievision eG

Kirchliche Genossenschaft für regenerative Energien

2012 gegründet ist die Energievision als kirchliche Energiegenossenschaft seitdem eine Erfolgsgeschichte. Seit ihrem Start konnte sie bereits viele Photovoltaikanlagen auf kirchlichen Dächern umsetzen und ist dabei inzwischen auch bundesweit aktiv.

Die Genossenschaft ist zu einem Instrument geworden, das gerade dort zum Einsatz kommen kann, wo Kirchenstiftungen oder kirchliche Einrichtungen nicht selbst aktiv werden können. Denn nicht überall kann aus eigenen finanziellen Möglichkeiten geschöpft werden, um Photovoltaikanlagen (PV) zu realisieren. Anderen wiederum fehlt das Know-How, um solche Anlagen über einen langen Zeitraum gut managen zu können.

Bevor einige Engagierte aus dem kirchlichen Ehren- und Hauptamt 2012 die Energiegenossenschaft „Energievision“ gegründet haben, gab es einige Versuche, mit Hilfe von professioneller Beratung Gemeinden zu unterstützen, selbst aktiv zu werden und Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern zu installieren. Die Idee entstand aus der Arbeit des Dekanatsrats für das Dekanat Neuburg-Schrobenhausen, der sein Engagement für die Umwelt intensivieren und mit den Gemeinden Projekte regenerativer Energieversorgung umsetzen wollte. Der Erfolg war nicht nur minimal, er war gleich Null. Damit war klar, dass Beratung nicht ausreicht. Der Gedanke wurde fast schon wieder fallen gelassen, da entstand die Idee, selbst für die Umsetzung zu sorgen. Zusammen mit einem professionellen Partner aus der Branche, der das nötige Know-How mitbrachte, war es schließlich möglich, einen Dienstleister zu gründen, der Anlagen selbst finanziert, baut und betreibt. Dazu wurde auf die Unternehmensform einer Genossenschaft zurückgegriffen, die es ermöglichte, mit einigen kirchlichen Einrichtungen und vielen affinen Einzelpersonen ein gemeinsames Engagement für die Schöpfung zu starten.

Inzwischen sind mehr als 100 Mitglieder zu verzeichnen, die durch ihre Beteiligung und/oder Nachrangdarlehen die Umsetzung der Idee unterstützen. Darunter finden sich viele Ehrenamtliche, Hauptberufliche, Priester, aber auch kirchliche Organisationen wie Stiftungen, soziale Einrichtungen, ein Kloster oder auch eine Frauenbund-Gruppe. Auch eine evangelische Gemeinde ist schon Mitglied.

Der Schwerpunkt der Energievision eG als Dienstleister liegt dabei auf kirchlichen Einrichtungen. Die Genossenschaft soll diesen ermöglichen, Anlagen regenerativer Energiegewinnung beispielsweise auf dem eigenen Dach zu installieren. Inzwischen konnten einige Anlagen auf Pfarrheimen, Schulen, Kirchen und andere umgesetzt werden.

Welche Projekte kommen in Frage?

Insgesamt sind alle Projekte regenerativer Energieversorgung denkbar. So wurden auch schon Windkraftanlagen in den Blick genommen. Mit einer Kommune zusammen gab es bereits konkretere Überlegungen zu einem Nahwärmenetz. Auch Blockheizkraftwerke sind denkbar und zeitnah möglicherweise Wasserstoff. Konkret sind darüber hinaus zwei Elektrotankstellen in Planung.

Grundsätzlich wird jedes Dach angeschaut. Die Regelungen bezüglich Denkmalschutz werden gelockert. Foto: Energievision eG

Der Fokus liegt momentan klar auf Sonnenstrom. Grundsätzlich werden alle Dächer in den Blick genommen, auf die aufmerksam gemacht wird. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um ein Flach- oder Schrägdach handelt. Für beide Varianten gibt es Lösungen. Die Ausrichtung in der Himmelsrichtung spielt keine Rolle, lediglich die Ausrichtung nach Norden ist schwierig. Bisher ist nahezu kein Dach belegt worden.

Dabei sind die folgenden Punkte nicht zu unterschätzen, wenn es um die Machbarkeit geht:

  • Eine Grenze könnte an vielen Stellen der Denkmalschutz sein, auch wenn sich das vor Kurzem deutlich gelockert hat. Davon sind kirchliche Gebäude häufig betroffen, insbesondere die Kirchen selbst. Aber auch Pfarrhäuser oder andere Gebäude können denkmalgeschützt sein. Hier steht die Genossenschaft regelmäßig in Austausch mit zuständigen Behörden, so dass dies relativ schnell abgeklärt werden kann.
  • Gebäude, die einer Stiftung gehören, brauchen möglicherweise für die Planung einer Photovoltaikanlage auch die Rückkoppelung mit der Aufsichtsbehörde, die dort mit ihren Vorgaben Beachtung finden muss.
  • Ansonsten braucht es für solche Dächer eine gewisse Weitsicht, die Dächer sollten in einem guten Zustand sein, so dass die Photovoltaikanlage über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren laufen kann. Die Statik muss selbstverständlich geeignet sein. Natürlich muss auch der Einspeisepunkt geeignet sein, was man aber durch die Genossenschaft abklären lassen kann.

Was haben die Gemeinden vor Ort davon?

Die Pfarrgemeinde profitiert vom Eigenumsatz und der Einspeisevergütung, auch nahegelegene Gebäude haben die Möglichkeit zu einer eigenen Leitung. Foto: Energievision eG

Grundsätzlich kann der so produzierte Strom zunächst im Gebäude oder in unmittelbarer Umgebung verwendet werden (sogenannte Überschusseinspeisung). So wurde der kirchliche Kindergarten in Penzberg, der in unmittelbarer Nähe zur Kirche steht, auf dem die PV-Anlage installiert wurde, gleich mit einer eigenen Leitung angeschlossen und kann jetzt direkt mit Sonnenstrom versorgt werden. Das bedeutet für die Kirchengemeinde auch einen wirtschaftlichen Vorteil, denn der Strom kann vom Kindergarten deutlich günstiger bezogen werden. Neben einer kleinen Pacht erhält so die Kirchenstiftung vor Ort einen Einsparungseffekt bei den Stromkosten.

Wichtig erscheint der Genossenschaft immer auch eine gewisse Identifikation der Menschen vor Ort und in den Kirchengemeinden. Dazu gehört selbstverständlich die Akzeptanz in den verantwortlichen Gremien, aber auch eine Akzeptanz in der Breite sowie die Möglichkeit, dass sich Interessierte beteiligen können. Die Genossenschaft in ihrer Form bietet solchen Menschen eine offene Tür an, die die Grundideen mittragen und die Anteile zeichnen wollen.

Wie geht die Umsetzung?

Die Energievision übernimmt als Dienstleister sämtliche Schritte, sie mietet das Dach an, finanziert, baut und betreibt die Anlage. Nach der Laufzeit verpflichtet sie sich, die Anlagen auch wieder abzubauen.

Auf diese Weise kann die Genossenschaft ein relevantes Dach anmieten und in Zusammenarbeit mit einem regionalen Fachmann die Voraussetzungen beispielsweise des Einspeisepunktes klären, bevor die Anlage gebaut und schließlich in Betrieb genommen werden kann.

Die Energievision verfolgt auch karitative Zwecke. So hat sie sich verpflichtet, jährlich einen Anteil zu spenden. Insgesamt versucht sie möglichst wenig Kosten zu produzieren, um den Nutzen möglichst auch vor Ort zu belassen.

Die Photovoltaikanlagen haben eine lange Lebensdauer, so dass man von Laufzeiten deutlich mehr als 20 Jahren ausgehen kann. Entsprechend sind die Mietverträge gestaltet, damit ein Dach bis zu 30 Jahre genutzt werden kann.

Wer kann mitmachen?

Insgesamt ist das ein guter und spannender Weg, um gemeinsam und kontinuierlich regenerative Energieprojekte umsetzen zu können. Die Energievision will aktiv für den Erhalt der Schöpfung beitragen. Es gibt aktuell viele Anfragen für den Bau weiterer Anlagen. Jede kirchliche Einrichtung, die sich für das Thema interessiert und es nicht selbst bewerkstelligen will oder kann, kann Kontakt mit der Energievision aufnehmen.

Bei Interesse melden Sie sich gerne bei Energievision eG, Im Tal 9, 86529 Schrobenhausen, 0170-3329793, info@energievision-eg.de (www.energievision-eg.de).


Verfasst von:

Thomas Wienhardt

Vorstandsvorsitzender Energievision eG, Referent für Gemeindeentwicklung im Bistum Augsburg