Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Mai-Juni 2024

Gesichter des Landeskomitees

Begeistert sein

Kirchliches Engagement hat viele Gesichter

Foto: Richard Pircher

Gabriele Triebel ist Mitglied des bayerischen Landtags und seit 2019 Mitglied im Landeskomitee. Sie engagiert sich seit mehr als 20 Jahren bei den Grünen, besonders für die Themen Chancengerechtigkeit für unsere Kinder und Demokratiebildung. Besonders am Herzen liegt ihr die Bewahrung der Schöpfung und somit unserer Lebensgrundlagen. 

 Warum sind sie religionspolitische Sprecherin?

Als Sprecherin für Religion und Weltanschauung sehe ich mich als aktives Bindeglied der Politik zu den Religions- und Weltanschauungsvertreterinnen und -vertretern. Mein Hauptantrieb dafür ist, dass ich bei aller Unterschiedlichkeit das Verbindende der Religionen/Weltanschauungen sehe. Zudem haben Religionen/Weltanschauungen neben ihrem eigenen konfessionellen und spirituellen Wirken eine wichtige Bedeutung in unserer Gesellschaft. Es geht hier um die Frage, nach welchen Werten wir zusammenleben. Diese Frage ist für eine funktionierende Demokratie grundlegend. Ich sehe es als meine Aufgabe, diese Brücke zwischen den Kirchen und der politischen ‚grünen‘ Landschaft zu schlagen, denn die Anliegen der Kirchen müssen ebenso Gehör finden wie die der sonstigen Weltanschauungsgemeinschaften. Die Kirchen sind auch heute noch bedeutende Akteure in der Meinungsbildung und im öffentlichen Diskurs. Gerade in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft zunehmend auseinanderzudriften scheint, ist ihre Rolle relevanter denn je. Damit die Kirchen diese Aufgabe noch wirksam wahrnehmen können, braucht es Ansprechpersonen im gesamten demokratischen Spektrum. Für mich ist es dabei wichtig, mit meinem Engagement das Ohr auch ganz nah an der Basis zu haben, um deren Anliegen zu kennen und weiterzutragen.

 Was beschäftigt Sie im Moment?

Nach dem verheerenden PISA-Ergebnis hat die Staatsregierung beschlossen, dass es künftig in der Grundschule mehr Deutsch und Mathestunden geben wird. Dafür sollen die Fächer Musik, Kunst und Werken gekürzt werden. Diese Entscheidung geht für mich in die völlig falsche Richtung. Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte brauchen Freiraum, Luft zum Atmen – pädagogisch und zeitlich. Bei dieser aktuellen Diskussion wurde auch gefordert, den Religionsunterricht zu kürzen, der mit je drei Unterrichtsstunden in der dritten und vierten Klasse stattfindet. Diese Diskussion sollte nach meiner Meinung aber nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion um Stundenkürzungen vermischt werden. Um den Religionsunterricht zukunftsfähig zu gestalten, braucht es eine umfassendere Diskussion mit allen Beteiligten. Denn der Umfang und die Ausgestaltung des Religionsunterrichts in der jetzigen Form bedarf einer Weiterentwicklung, da sind sich Expertinnen und Experten aus der Religionspädagogik, Lehrerinnen und Lehrer und auch Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter einig. Es geht also um die grundlegenden Fragen: Wie lernen Kinder über ihre eigene religiöse Identität und wie über Toleranz, Respekt und den Austausch mit Menschen anderer Konfessionen? Wie lernen Kinder, über die eigene Religion und eigenen Werte miteinander und nicht übereinander zu sprechen? Zu diesen Fragen sind wir mit den Kirchen, den Lehrerverbänden und der Wissenschaft im Austausch. Das gemeinsame Ziel ist ein guter, zukunftssicherer Religionsunterricht für alle Schülerinnen und Schüler.

Was wollen Sie bewegen?

Der Synodale Weg, der sich als Folge aus den Ereignissen um die sexualisierte Gewalt im kirchlichen Umfeld gebildet hat, ist ein wichtiges Momentum, um notwendige Reformen innerhalb der Kirche in Deutschland voranzutreiben. Wenn Kirche weiterhin ein Ort des Vertrauens für die Menschen sein kann, ein Ort, an dem man zusammenkommt und den gemeinsamen Glauben lebt, muss sie im 21. Jahrhundert ankommen, und zwar im Gesamten und nicht nur in einzelnen Gemeinden. Umso mehr schmerzt es mich, dass der deutsche Synodale Weg von Rom ausgebremst wird. Trotz aller Widrigkeiten bleibe ich persönlich Mitglied in meiner Kirche und sehe vor allem in Maria 2.0 eine Bewegung, die mir Hoffnung für die Zukunft der Kirche gibt.

Kirchliches Engagement hat Zukunft, weil…

wir weiterhin Orte brauchen, die uns in einer immer schnell lebigeren Welt mit ihren multiplen Krisen einen optimistischen Halt geben. Halt kann Kirche aber nur geben, wenn sie glaubwürdig ist und die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abholt. Deswegen ist meiner Meinung nach eine Demokratisierung innerhalb der Kirche und ein transparenter Umgang und eine transparente Aufarbeitung des eigenen Fehlverhaltens dringend notwendig.

 


Verfasst von:

Gemeinde Creativ

Das Redaktionsteam