Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Mai-Juni 2024

Schwerpunkt

Orte der Begegnung und der Bildung

Unbestritten ist Lesen die älteste und wichtigste Kulturtechnik, die Schlüsselqualifikation für lebenslanges Lernen und der Schlüssel für selbstbestimmte und souveräne Mediennutzung. Foto: Gordon Welters

Kirchliche Büchereiarbeit verbindet Kirche und Gesellschaft

Treffpunkt Bücherei – von Bilderbüchern, Zeitschriften, Spielen, Tonies bis zum E-Book bieten sie ein sorgfältig ausgewähltes und nachhaltiges  Medienangebot sowie Veranstaltungen für alle Altersgruppen. Darüber hinaus sind sie verlässlich geöffnete, nichtkommerzielle  Begegnungsorte, an denen sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft auf Augenhöhe begegnen und über das aktuelle Medienangebot  ins Gespräch kommen können.

Die Vielfalt der kirchlichen Bildungsangebote in den Blick nehmen, da lohnt ein genauerer Blick etwa in die Arbeit der Mitgliedsbüchereien des Sankt Michaelsbundes, der mehr als 1.000 Büchereien in kirchlicher und kirchlich-kommunaler Trägerschaft in Bayern berät.

Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, Wertevermittlung

Zu den Zahlen: 1.007 Büchereien in den sieben bayerischen Bistümern konnten 2022 über zwölf Millionen Entleihungen und über 4,3 Millionen Besuche verzeichnen. Mehr als 11.000 überwiegend ehrenamtliche, meist weibliche Mitarbeiterinnen leisten wöchentlich durchschnittlich über 22.000 Arbeitsstunden, um die Büchereien verlässlich geöffnet zu halten und darüber hinaus ein reichhaltiges Veranstaltungsangebot zu organisieren und durchzuführen. 

Neben den Angeboten für Kinder bis zum Grundschulalter bieten viele Büchereien auch Medien in Leichter und Einfacher Sprache für (junge) Erwachsene an und vermitteln diese etwa an Schulen. Foto: Birgitt Kulka

Neben Büchern haben viele Büchereien Zeitschriften, Hörbücher, Tonies, Spiele und auch E-Medien im Angebot. Schwerpunkt im Angebot ist die Förderung von Kindern und Familien, gerade im Bereich der Leseförderung und Elternbildung bieten die Büchereien ein sorgfältig ausgewähltes Angebot, beginnend mit dem Bilderbuch in dicker Pappe für die Kleinsten über das Erstlesebuch, sowie Kindersachbücher, die beispielsweise auch die Erstkommunion- und Firmvorbereitung begleiten. Damit sind Büchereien eine perfekte Ergänzung zu weiteren pfarrlichen Angeboten, auch neben den Eltern-Kind-Programmen, die in vielen Pfarreien angeboten werden. Das ist eine weitere Qualität unserer Büchereien: Sie sind Partner vor Ort. Vorlesen, Bilderbuchkinos, Büchereiführerscheine für Vorschulkinder, literarisch-kulinarische Veranstaltungen, Vorträge mit den Bildungswerken – all das sind vielfältige und aktuelle Beiträge zur Wertevermittlung und Werteorientierung, getragen vom christlichen Wertebild.

Unbestritten ist Lesen die älteste und wichtigste Kulturtechnik oder anders gesagt: Lesen ist die Schlüsselqualifikation für lebenslanges Lernen und: Lesen ist der Schlüssel für selbstbestimmte und souveräne Mediennutzung. Umso erschreckender sind die Ergebnisse der LEO Studie von 2018:  18 Prozent (fast jede fünfte Person) der Bevölkerung kann kurze, zusammenhängende Texte nicht lesen und verstehen. Das sind Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Lesefähigkeit ist die Grundvoraussetzung für Informationskompetenz, das Einordnen von Informationen oder kurz gesagt: der Unterscheidung zwischen Fake und Fakt. Lese- und Medienkompetenz ist als Grundlage der gesellschaftlichen Teilhabe unverzichtbar. Nicht-Lesen-Können bedeutet auch: weniger Bildung, weniger Aufstiegsmöglichkeiten, weniger gesellschaftliche Teilhabe. Leseförderung endet nicht in der Grundschule. Neben den Angeboten für Kinder bis zum Grundschulalter bieten viele Büchereien auch Medien in Leichter und Einfacher Sprache für (junge) Erwachsene an und vermitteln diese etwa an Schulen. Sie achten auch selbst bei ihrer Kommunikation auf Informationen in Leichter Sprache und bieten unter anderem Veranstaltungen in Leichter Sprache an. Hier werden konkret Hemmnisse für die Büchereinutzung abgebaut und nicht nur Büchereiteams, sondern alle Gruppen für die „Leichte Sprache“ und deren vielfältige Zielgruppen sensibilisiert (etwa Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Demenz, Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist).

Hans Tremmel, Ehrenvorsitzender des Diözesanrates der Erzdiözese München und Freising

„Als ehemaliger Diözesanratsvorsitzender und auch persönlich bin ich außerordentlich dankbar für die lebendige kirchlich-öffentliche Büchereiarbeit, die im Erzbistum München und Freising von mehr als 2.400 überwiegend ehrenamtlichen Büchereimitarbeiterinnen und -mitarbeiter in mehr als 200 Büchereien geleistet wird. Unsere Büchereien sind nichtkommerzielle Begegnungsorte, deren Wirkung und Strahlkraft weit über die sonntägliche Gottesdienstgemeinde hinaus reicht. Mit diesem ehrenamtlichen Engagement bietet die Erzdiözese ein kompetentes und niederschwelliges Angebot für eine bunte Vielfalt von Menschen aller Altersstufen, Bildungsschichten, religiöser Überzeugungen und familiärer Situationen. Hier stehen die konkreten Menschen mit ihren spezifischen Interessen im Mittelpunkt. Mit den Büchern und Medien geben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre eigene Freude weiter und erfüllen damit bewusst oder unbewusst einen christlichen Auftrag.“

Orientierung im Medienmarkt

Unter dem Titel „Katholische Büchereiarbeit – Selbstverständnis und Engagement“ hat die Deutsche Bischofskonferenz am 15. Juni 2021 eine Arbeitshilfe zu Profil und Auftrag der Katholischen Öffentlichen Büchereien veröffentlicht. Sie betont die große Bedeutung der kirchlichen Büchereien für den kirchlichen Bildungsauftrag und ordnet die katholische Büchereiarbeit in das weite Feld des kirchlichen Medienengagements ein. Büchereien geben auf christlicher Wertebasis Orientierung im Buch- und Medienmarkt und bringen über Medienausleihe und Literaturveranstaltungen Fragen des Glaubens und des Lebens ins Gespräch. Durch die Leseförderung werden Kinder und Erwachsene an die Welt der Literatur herangeführt. Damit leisten Büchereien einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit und sind zugleich Orte der Begegnung.

Die Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) zur katholischen Büchereiarbeit finden Sie hier

Der Sankt Michaelsbund ist das katholische Medienhaus in der Erzdiözese München und Freising und für die Kirche in Bayern. Als ältester bayerischer Büchereiverband (gegründet 1901) begleitet er mehr als 1.000 kirchliche und kommunale Büchereien in ihrer Bildungsarbeit. Er publiziert Bücher, unterstützt kirchliche Einrichtungen mit individuellen Medien-Dienstleistungen und bietet in der Buchhandlung Michaelsbund in der Münchner Innenstadt und dem dazugehörigen Online-Shop eine große Auswahl an Büchern und Geschenken an.

Näheres zur Büchereiarbeit des Sankt Michaelsbundes finden Sie hier


Verfasst von:

Sabine Adolph

Bibliothekarische Referentin, Diözesanbibliothekarin der Erzdiözese München-Freising