Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Juli-August 2025

Schwerpunkt

Begleitung bis zur Trauerfeier

Auch Kinder setzen sich mit dem Tod auseinander – meist beim Tod von Großeltern oder Urgroßeltern. Die Idee des Trostkoffers lohnt sich, um Familien beim Thema „Sterben und Tod“ zu unterstützen. Foto: Martin Kienast

Pastorale Wege

Im Dekanat Rosenheim gibt es seit Mai 2024 eine eigene Stelle für Beerdigungspastoral. Ziel ist es, Trauernden Raum für einen würdigen Abschied zu geben – unterstützt von Ehrenamtlichen, Bestattern und Friedhofsmitarbeitern.

Seit Mai 2024 bin ich eingesetzt auf der neu eingerichteten Stelle „Beerdigungspastoral“ im Dekanat. Aufgaben sind genannt mit Übernahme von Beerdigungen und Schulung und Begleitung Ehrenamtlicher im Umfeld von Beerdigungen, Sterberosenkranz und alternative Formen.

Abläufe und Kontakte

In meiner täglichen Arbeit wenden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarrbüros nach Rücksprache mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern der Pfarrei an mich und übergeben mir den Auftrag, eine Beerdigung zu übernehmen. Es sind sieben Pfarrverbände, in denen ich Beerdigungen übernehme. Mit den Kontaktdaten wende ich mich an die Angehörigen und bespreche die Inhalte und die Wünsche der Feier. Die Trauergespräche sind oft überraschend anders als erwartet. Habe ich danach schon manchmal Kontakt mit dem beauftragten Bestatter, treffe ich die Mitarbeitenden aber immer am Friedhof, die mich dort mit all ihrer Orts- und Fachkenntnis unterstützen. Meine Aufgabe ist, die Beteiligten zu koordinieren. Ziel ist, dass die Trauernden den Raum bekommen, um vom Verstorbenen Abschied nehmen zu können. In aller Regel verabschiede ich mich von den Angehörigen nach der Feier, und meine Aufgabe ist beendet.

Mein Arbeitsumfeld

Meine Kommunikationspartner sind neben meinem Vorgesetzten, Dekan Thomas Schlichting, die Pfarrbüros sowie die Mitarbeitenden der Bestattungsunternehmen und der Friedhöfe. Nach 26 Jahren in der Kinderpastoral bin ich sehr positiv überrascht, was sich in dieser Zeit in der Bestattungskultur verändert hat.

Der Friedhof

Eine deutliche Veränderung finde ich bei den Angestellten vor, die am Friedhof arbeiten. Die Betriebe achten darauf, dass die Mitarbeitenden gut angezogen sind und den Angehörigen und Kolleginnen und Kollegen gegenüber freundlich und zugewandt auftreten. Die Mitarbeitenden, die im Mangfalltal beschäftigt sind, kennen sich untereinander und gehen kollegial anerkennend miteinander um. Es sind die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, die sich darum bemühen, dass auch Sonderwünsche ermöglicht werden, oder gemeinsam beraten wird, wie besondere Beerdigungen außergewöhnlich gestaltet werden können. Ich kann mich auf ihr Expertenwissen verlassen.

Friedhöfe sind sehr unterschiedlich. Neben den traditionellen Orten und Gräbern entscheiden sich viele Menschen für ein Urnenbegräbnis. Urnengräber können ganz anders gestaltet werden, weil sie zunächst viel weniger Platz brauchen. Neben den Urnenwänden haben viele Friedhöfe Wiesen oder Raum um Bäume für die Urnengräber gestaltet. In Au bei Bad Aibling hat ein Bestattungsunternehmen einen Park gestaltet, in dem die ganze Anlage und die Gräber wie ein Park von fest angestellten Gärtnern gepflegt werden. Dadurch erhält dieser Ort eine ganz einzigartige Ausstrahlung. Bestattungen im Wald oder an anderen Orten sind in meiner Region nicht üblich, nur ausnahmsweise begleite ich solche Feiern in Dietramszell.

Die Bestattungsunternehmen

Die große Veränderung in der Welt der Beerdigungen kommt von den Bestattungsdiensten. Am sichtbarsten ist dabei der neue Ausbildungsberuf „Bestatter“ seit 2003 beziehungsweise 2007. Die Mitarbeitenden kümmern sich um die Angehörigen einfühlsam und versuchen, auf die individuellen Bedürfnisse und Situationen bestmöglich einzugehen und zu antworten. Sie engagieren sich in der Regel, den Abschied sehr würdevoll zu organisieren und der persönlichen Trauer den Raum zu geben, den die Angehörigen brauchen. Sie kümmern sich aber auch um all die anderen Dinge, die infolge eines Todes zu regeln sind. Deshalb bieten die Bestatter die Dienste der Kirche an und müssen sich folglich auch auskennen in unseren unterschiedlichen Formen und Feiern.

Das bedeutet, dass Feiern, die nicht auf dem Laufzettel abgefragt werden, in Vergessenheit geraten können – wie zum Beispiel die Rituale zum Abschied zuhause, die Aufbahrung, der Sterberosenkranz oder die Totenandacht. Im Mangfalltal sind die Traditionen ziemlich unterschiedlich: In der einen Pfarrei sind Andachten verschwunden, in der anderen gut erhalten. Der Sterberosenkranz zum Beispiel wird mancherorts ganz selbstverständlich gebetet, und viele Menschen nehmen hier Abschied, gerade wenn sie zur Beerdigung untertags wegen ihrer Arbeit nicht kommen können.

Die Bestatter sind herausgefordert zu erklären, welche unterschiedlichen Gottesdienstformen wo gefeiert werden: Ein Requiem findet in der Kirche mit Priester statt, eine Wortgottesfeier kann in der Kirche oder in der Aussegnungshalle mit einem Diakon oder einer Pastoral- oder Gemeindereferentin beziehungsweise einem Pastoral- oder Gemeindereferenten gefeiert werden. Eine Feier zur Beerdigung kann auch nur an der Aussegnungshalle und am Grab stattfinden.

Den „Melder“ schicken die Bestatter an das Pfarramt des letzten Wohnortes des Verstorbenen. So kommen die Anfragen an die Seelsorger.

Das Trauergespräch

Mit den Angehörigen führe ich ein Gespräch. Ich erfrage von den Angehörigen alles, was es mir ermöglicht, passende Gebetstexte, Bibelstellen zu finden und eine Ansprache zu formulieren, die auf die biblische Botschaft eingeht, aber auch an das Leben der oder des Verstorbenen erinnert.

Da die meisten nicht selbst den Lebensrückblick sprechen wollen, brauche ich alle Informationen, damit ich in der Ansprache alles über den oder die Verstorbene sagen kann, was den Trauernden wichtig ist und was sie an die Person erinnert. Hier können auch Inhalte besprochen werden, die die Feier betreffen: biblische Lieblingstexte, Fürbitten, Formen des Abschieds, die die Angehörigen einbringen. Eine Tochter arbeitet zum Beispiel in ihrer therapeutischen Praxis mit Klangschalen und leitete mit dem Ton die Feier ein.

Die Trauerfeier

Die Feier selbst soll den Menschen helfen, die verstorbene Person loszulassen und ins Leben zurückzukehren. Die Rituale unterstützen dabei, die Realität des Todes zu begreifen: „In der Unsicherheit und Hilflosigkeit der Trauersituation bietet die Liturgie einen Halt, in dem das Notwendige vollzogen und so das Handeln der Trauernden gestützt und von der versammelten Gemeinde und der ganzen Kirche mitgetragen wird. Gerade in dieser Situation (…) gibt ein gleichbleibender Ritus Orientierung und festigt den Glauben, dass der Tote in die Wirklichkeit Gottes hineingestellt ist.“ (aus: Die kirchliche Begräbnisfeier, Deutsche Bischofskonferenz, Arbeitshilfen 232)

Die „verkürzten“ Feiern nur am Friedhof bzw. in der Aussegnungshalle und am Grab fordern heraus, dass die Mitfeiernden in der reduzierten Form gut Abschied nehmen können. Wichtig sind der sorgfältige Blick auf die Zeichen und Symbolhandlungen. Damit können Menschen viel ausdrücken und sie individueller interpretieren als über Worte. Deshalb ist wichtig, dass zumindest die Osterkerze neben der Urne oder dem Sarg leuchtet als sichtbares Zeichen der Auferstehung Jesu. Für das Streuen der Blütenblätter, das nach der Coronazeit als sinnenfälliges Zeichen beibehalten wurde, wäre es gut, einen begleitenden Text zu finden.

Auch Kinder setzen sich mit dem Tod auseinander – meist beim Tod von Großeltern oder Urgroßeltern. Die Idee des Trostkoffers lohnt sich, in den Gemeinden umzusetzen, um Familien beim Thema Sterben und Tod zu unterstützen. Informationen dazu bietet die Abteilung Familienpastoral oder die Website: www.trostkoffer.de.

Der Schatz einer katholischen beziehungsweise einer christlichen Beerdigung liegt in unserem Glaubensfundament. Als Christin kann ich die Auferstehung der Toten verkünden. Es ist ein großes Geschenk, dass Christinnen und Christen eine Botschaft haben angesichts des Todes, die es wert ist, 

Angebote der katholischen Pfarrgemeinden von München und Freising finden Sie hier. Dort sind auch die Angebote vom Haus am Ostfriedhof und von Vereinen zum Thema zu finden.

Informationen zum Trostkoffer finden Sie hier.

Weitere Informationen:

  • Pastorale Einführung Nr. 22, Deutsches Liturgisches Institut, Manuale 2012/2018.
  • Zeitschrift Gottesdienst Nr. 22/2024.

 


Verfasst von:

Monika Mehringer

Beerdigungspastoral im Katholischen Dekanat Rosenheim