Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Juli-August 2025

Schwerpunkt - Vor Ort

Das haus am ostfriedhof (hao)

Visualisierung des haus am ostfriedhof: Einladender Ort der Trauer, Begegnung und Begleitung mitten in München. Foto: Visualisierung – Lehmann, Tabillion & Castorph Architektur Stadtplanung Gesellschaft mbH, Shutterstock, Westend61

Zentrum für Trauer in München mit Gastronomie

Mit dem haus am ostfriedhof (hao) entsteht in München ein Ort, der Trauer, Austausch und Gemeinschaft neu verbindet – offen für Menschen aller Weltanschauungen, mit Gastronomie und Begleitung.

Die Trauerkultur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert. Immer mehr Menschen suchen nach individuelleren, oft unkonventionellen Wegen des Abschieds. Traditionelle Rituale passen vielfach nicht mehr zur Vielfalt der Bedürfnisse Trauernder.

Das haus am ostfriedhof (hao) reagiert auf diesen Wandel. Es will diesen Entwicklungen nicht nur Rechnung tragen, sondern ihnen auch Raum geben. So zeigt sich das Projekt als zentraler Ort des Miteinanders, des Kontakts und des Austauschs – ein lebendiger Ort, eingebunden in ein offenes Haus mit eigenem Restaurant und Café, mit besonderen Räumen für Gespräche und Gemeinschaft, bis hin zu Sälen für bewirtete Trauerfeiern. Leib und Seele sollen gleichermaßen gestärkt werden.

Ein Ort für alle Menschen

Das hao versteht sich als Haus für Menschen aller Religionen, Glaubensrichtungen und Weltanschauungen. Im Mittelpunkt stehen die existenzielle Begleitung in Zeiten von Verlust und Trauer sowie Austausch und Unterstützung in herausfordernden Lebenssituationen.

Neben der persönlichen Begleitung liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Begegnung. Gesprächskreise, Workshops und Veranstaltungen werden den Austausch mit anderen Betroffenen und Begleitenden ermöglichen. Diese Form der Begegnung unterstützt nicht nur die Verarbeitung von Verlust, sondern stärkt das Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Die Grundidee hinter dem hao ist es, den Trauerprozess in seiner ganzen Komplexität zu unterstützen. Der häufig doppelten Isolation – dem Rückzug der Trauernden und der Unsicherheit des Umfelds – soll durch niederschwellige Angebote entgegengewirkt werden. Deshalb ist die Gaststätte auch an Wochenenden und Feiertagen geöffnet – Zeiten, in denen viele besonders unter Einsamkeit leiden.

Offene Türen für vielfältige Lebenslagen

Nicht nur Trauernde finden hier einen Platz. Auch Menschen in Umbruchsituationen oder solche, die sich nach einer Auszeit sehnen, sind willkommen. Das Haus bietet Raum für Stille und Meditation, für kreative und spirituelle Impulse sowie für Gespräche mit erfahrenen Begleiterinnen und Begleitern.

Während der Öffnungszeiten ist in der Gaststätte stets eine Ansprechperson für persönliche Anliegen vor Ort. Im Vordergrund steht immer die menschliche Erfahrung: das Leben mit seinen Höhen und Tiefen, der Umgang mit Veränderung und die Suche nach Sinn und Hoffnung.

Zugang ohne Hürden

Ziel ist es, allen Menschen Zugang zu Begleitung und Unterstützung zu ermöglichen. Deshalb sind die Angebote so gestaltet, dass keine Hürden entstehen – weder finanzieller noch weltanschaulicher Art. Der Zugang ist frei, die Teilnahme an Gesprächen und Veranstaltungen jederzeit möglich.

Fazit

Dieses Haus ist mehr als ein Ort – es ist eine Einladung. Eine Einladung, sich selbst und anderen mit Offenheit zu begegnen, sich mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen und neue Wege zu entdecken.

Eine Einladung in ein gastfreundliches Haus – allein oder mit anderen. Ein Raum des Vertrauens, der Gemeinschaft und der Hoffnung, in dem jeder Mensch mit seiner Geschichte willkommen ist. 


Verfasst von:

Ulrich Keller

Fachreferent für Trauerpastoral und Traumapastoral im Erzbischöflichen Ordinariat München