Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Juli-August 2025

Katholisch in Bayern und der Welt

Der Landesausschuss der Katholik*innen (LKA)

Egbert Biermann, Vorsitzender des Landesausschusses der Katholik*innen in Niedersachsen (LKA). Foto: privat

Eine Stimme der katholischen Laien in Niedersachsen

 Der Landesausschuss der Katholik*innen in Niedersachsen (LKA) steht für eine einzigartige Form der überdiözesanen Zusammenarbeit. Trotz sinkender Zahlen der Mitglieder in der Kirche und wachsender Herausforderungen will er als kirchliches Sprachrohr in Politik und Gesellschaft wirken.

 

Bayern und Niedersachsen haben ganz unterschiedliche Ausgangsbedingungen für die Arbeit einer Vertretung der katholischen Laien. Laut Statistik leben in Niedersachsen etwa 1,2 Millionen Katholikinnen und Katholiken, in Bayern mehr als das Vierfache, nämlich 5,5 Millionen. Im Jahr 2024 waren von 1 000 Einwohnerinnen und Einwohnern in Bayern etwa 418 katholisch, in Niedersachsen nur 148.

In Niedersachsen bestehen die Bistümer Hildesheim und Osnabrück sowie der Offizialatsbezirk Oldenburg, der Teil des Bistums Münster ist. In Bayern gibt es sieben Bistümer, mehr als doppelt so viele. Zu den niedersächsischen Bistümern gehören auch Teile des Landes Bremen.

Die Welt in den Blick nehmen

Die Problemlagen sind in Niedersachsen und Bayern jedoch vergleichbar, wenn auch mit graduellen Unterschieden.
Die Säkularisierung der Gesellschaft schreitet voran. Viele Menschen treten aus der Kirche aus. Die Distanz zum kirchlichen Leben nimmt zu. Den Dialog mit anderen Akteuren der Zivilgesellschaft gilt es gerade deshalb zu pflegen und auszubauen.
Das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen zu führen, ist weiterhin eine große Herausforderung. Politische Beschlüsse haben Folgen: Entscheidungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments wirken sich in Bund, Land und Kommunen aus. Und aus Sicht der Kommunen fühlen sich diese von den staatlichen Ebenen zu häufig mit ihren Problemen alleingelassen.

Im Netzwerk der kirchlichen Gremien gilt dies auch: Alles hängt mit allem zusammen. Und die Informationslage wird gleichzeitig von einigen als zu gering und von anderen als überbordend wahrgenommen. Die Fragen lauten: Wie viel innerkirchliche Kommunikation ist erforderlich und wie kann sie gestaltet werden, um Position nach außen zu beziehen? Und umgekehrt: Wie kann die Kommunikation nach außen intensiviert und diese nach innen transportiert werden? Beim LKA in Niedersachsen stehen auch diese Fragen im Raum.

Grundlagen der Arbeit in Erinnerung behalten

Die vor 50 Jahren beendete Würzburger Synode hat sich mehr als der Synodale Weg mit der gesellschaftlichen und politischen Rolle der Kirche befasst. Aber auch schon damals ging es um die innere Verfasstheit der katholischen Kirche in Deutschland. Das Zweite Vatikanische Konzil und dessen Dekret Über das Laienapostolat förderte Gremien der Laien, so auch in Niedersachsen. Dort konstituierte sich der Landeskatholikenausschuss am 9. Dezember 1968.

Im Beschluss Verantwortung des ganzen Gottesvolkes für die Sendung der Kirche der Würzburger Synode wird die Wichtigkeit der überdiözesanen Zusammenarbeit in den Ländern der Bundesrepublik wie folgt unterstrichen:
„3.4.8 Die Katholikenräte der Diözesen eines Landes sollen zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben zusammenarbeiten.“
(in: Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Beschlüsse der Vollversammlung, Offizielle Gesamtausgabe I, S. 672)

Seit Gründung des LKA gab es strukturelle Veränderungen und manche Kontinuität. Der damalige Elan hat aber wohl mit den Jahren nachgelassen: Verbände und Laiengremien sind nicht mehr jedermanns Sache.

Die Arbeit des LKA neu beleben

Auch der Landeskatholikenausschuss Niedersachsen hat in den vergangenen Jahren an Schwung verloren. Manches wird der „Corona-Zeit" zuzuschreiben sein, aber auch ohne diese Pandemie dürfte ein Rückgang des Engagements eingetreten sein. Nach dem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 2018 entstand eine langwierige, nicht zum Abschluss gebrachte Debatte um das Selbstverständnis dieses Kreises.

Ausschließlich in Bayern und Niedersachsen gibt es diese Form der Zusammenarbeit. In anderen Ländern wird nach Kenntnis des Autors im lockeren Austausch der Vorstände der Diözesan- bzw. Katholikenräte zusammengearbeitet.

Die institutionalisierte Zusammenarbeit in einem eigenen Gremium unter Einbeziehung der Verbände ist also etwas Besonderes. Dies hat in Niedersachsen damals zu der Frage geführt, ob eine solche Arbeit noch notwendig ist, wenn nur in zwei von 16 Ländern ein solches Gremium besteht. In der Debatte ging es auch um die Frage, ob nicht auch ein eher nach innen gerichtetes Netzwerken ausreichend sei, das im jährlichen Wechsel von einem anderen Rat auf Bistumsebene geleitet sowie gemanagt wird und punktuell auf die Politik sowie die zivilgesellschaftlichen Organisationen zugeht.

Diese Ausgangslage war auch zu Beginn dieser Amtsperiode im Dezember 2023 virulent. Vehement wurde diesmal aber auch die Position beschrieben, dass Gewicht in der Zivilgesellschaft und in der Politik nur erreicht werden kann, wenn auch über eine längere Zeit personelle Kontinuität gewährleistet sei. Nach mehreren Diskussionsrunden haben wir seit März 2025 eine neue Satzung. Deren Kontinuität besteht darin, dass der politische Auftrag weiterhin enthalten ist. Der LKA ist ein nach außen gerichtetes Gremium, das auch dem internen Austausch dient. Es bleibt bei einem mindestens für eine Amtsperiode gewählten Vorstand. Der Name wurde geändert, um noch deutlicher zu zeigen, dass der Landesausschuss der Katholik*innen in Niedersachsen (LKA) die Stimme der katholischen Mitglieder der Kirche in Niedersachsen ist.

Weiterhin sind die landesweit tätigen katholischen Verbände und Organisationen Teil des LKA. Sie sind eine zentrale Säule der Kirche. Sie in ihrer politischen Arbeit zu unterstützen, ist auch eine Aufgabe des LKA.

Kamen die Verbände in der Vergangenheit nur einmal alle vier Jahre zusammen, wurde in der Satzung nun festgelegt, dass das „Forum der Verbände“ mindestens einmal im Jahr tagt. Dies soll das Gewicht der Verbände stärken, aber ihnen auch vermehrt die Möglichkeit geben, eigene Anliegen allen anderen nahezubringen.

Der LKA in Niedersachsen besteht aus neun Stimmberechtigten, je zwei von den Räten und drei vom „Forum der Verbände“ gewählte Personen. Beratend gehören die Geschäftsführungen der Räte und das Katholische Büro Niedersachsen dazu. Das Budget zur Finanzierung unserer Aktivitäten erhalten wir von den Bistümern und dem Offizialatsbezirk.

Den Diskurs mit der Zivilgesellschaft entwickeln

Ein zentrales Anliegen ist die Teilnahme am zivilgesellschaftlichen Dialog. Es gibt vielfältige Organisationen, die die Zivilgesellschaft ausmachen: zum Beispiel Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, verschiedene Sozialverbände oder die Verbände des Breitensports. Wie kann in diesem Konzert die katholische Stimme gestärkt werden? Eine Bündelung der katholischen Stimmen könnte helfen: beispielsweise durch ein Schwerpunktthema, das alle berührt; oder alle Verbände werden nicht gleichzeitig mit ihrem Anliegen aktiv, sondern nacheinander vertreten alle das Anliegen eines Verbandes, was dem Ganzen mehr Gewicht verleihen könnte.

Ebenso könnten Positionen, wie sie in Enzykliken stehen, durch Aktivitäten (z. B. knappe Erklärungen, umfangreiche Kampagnen, kleinere oder größere Veranstaltungen) in die heutige Zeit konkretisiert werden.

Ein weiteres Feld ist der Kontakt zu den Mitgliedern des Landtages und zur Landesregierung sowie Stellungnahmen zu deren Vorhaben oder Vorschläge für politische Initiativen vorzulegen.

In beiden Feldern ist in Niedersachsen noch Luft nach oben. Aber erste Ansätze sind vorhanden: Aufrufe zur Europa- und Bundestagswahl sowie eine Erklärung zum Jubiläum des Grundgesetzes und zum Tag der Arbeit.

Weitere Informationen zum LKA finden Sie hier.


Verfasst von:

Egbert Biermann

Vorsitzender des Landesausschuss der Katholikinnen und Katholiken in Niedersachsen