Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Juli-August 2025

Schwerpunkt

Immer häufiger die bessere Wahl

Trauerfeiern werden immer stärker individualisiert, das erfordert auch mehr Aufwand und Engagement von den Beteiligten. Foto: ENCIERRO / Adobe stock

Freie Trauerredner mehr gefragt als der Geistliche vor Ort

Es war durchaus ein großes Wagnis, das ich eingegangen bin, mich eines Tages selbständig zu machen. Zunächst mal als Kleingewerbe, weil ja keiner abschätzen konnte, wie ich einen Fuß in diese Schiene bringen würde. Bis zum Jahresende 2023 hatte ich dann Aufträge für 22 freie Trauerfeiern und zwei freie Trauungen erfüllt.

Mein Name ist Matthias Fischer, geboren 1972 in der nördlichen Oberpfalz. Nach fünf Jahren Studium an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen wurde ich 1998 zum Priester geweiht. Nach knapp 25 Jahren Einsatz als Priester in der Diözese Eichstätt habe ich mein Amt als Pfarrer im Frühjahr 2023 aufgegeben und mich zum 1. August 2023 selbständig gemacht – als christlicher freier Redner.

Immer mehr Angehörige treten an freie Redner heran, um eine persönliche Trauerfeier für ihre Verstorbenen zu bekommen. Foto: Jens Dürnberger

25 Jahre Dienst als Priester haben mich immer wieder mit den Wünschen der Angehörigen konfrontiert, denen ich als Priester nicht oder nur bedingt nachkommen konnte. Als freier Redner nutze ich nun die Gelegenheit, genau dies zu tun: Ich höre hin – ich nehme mir Zeit – ich frage nach. Gemäß meinem Leitspruch: „Mit und für die Menschen“ gestalte ich die Feiern individuell nach den Wünschen der Angehörigen.

MIT ODER OHNE RELIGIÖSE ELEMENTE

Nach den ersten fünf Monaten als freier Redner interessierte mich, wie viele meiner Trauerfeiern für Menschen nach Kirchenaustritt waren? Es waren gerade einmal drei. Nur bei einer Trauerfeier war der Wunsch, sie ohne religiöse Elemente zu gestalten. Das Minimum an christlichen Elementen war das Vaterunser-Gebet und ein Segensgebet. Andere wollten auch ein Gebet oder einen Psalm oder einen biblischen Text in der Feier haben.

Die Angehörigen sind oftmals verwundert, dass es möglich ist, als freier Redner religiöse Elemente in eine Feier mit einzubringen – noch mehr dann, wenn der oder die Verstorbene doch aus der Kirche ausgetreten ist. Für mich als freien Redner ist es nicht ausschlaggebend, ob jemand Mitglied einer Kirche oder Religionsgemeinschaft war. Auffallend ist, dass ich bisher noch keine Beerdigung einer Person aus anderen Religionen hatte.

GESPRÄCHE

Die Gespräche mit den Angehörigen der Verstorbenen waren immer beeindruckend. In den fast 25 Jahren als Priester hatte ich selten so intensive und persönliche Gespräche, wie ich dies nun erleben durfte und darf. Dabei spielen für mich Jahreszahlen oder nach Tagen getaktete Lebensläufe keine große Rolle. Ich trenne zwischen Person – den Fakten zum Verstorbenen – und der Persönlichkeit, also dem, was den Verstorbenen ausmacht, bis hin zu kleinen Anekdoten, die mir die Angehörigen über den Verstorbenen erzählen und die ich gerne in eine Traueransprache wieder mit einfließen lasse.

MUSIK

Immer wieder bemerkenswert sind die Musikwünsche der Angehörigen. Diese sind oft Lieblingslieder des oder der Verstorbenen oder auch persönliche Wünsche der Angehörigen. Da gehören Schlager wie „Amoi seh' ma uns wieder“ von Andreas Gabalier genauso dazu wie ein „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer. Es kam aber auch schon vor, dass zum Absenken der Urne das Lied „Highway to Hell“ gewünscht wurde.

Selten dagegen wird bei den Trauerfeiern selbst gesungen. Bei den meisten Trauerfeiern werden die Lieder eingespielt oder Instrumentalisten oder Solisten engagiert. Dabei sind die Trauerhallen im städtischen Bereich oft entsprechend ausgerüstet. Im ländlichen Bereich ist es ratsam, dass man als Redner eine entsprechende Musikanlage hat.

Eine weitere Auffälligkeit ist der Teilnehmerkreis bei einer Trauerfeier. Nur in den seltensten Fällen sind es mehr als 30 Teilnehmende. Oftmals sind es zwischen 15 und 20 Personen, meist dann der engste Familienkreis, der zur Feier speziell eingeladen ist.

BESTATTUNGSORTE

Die Bestattungsorte sind weitgehend die örtlichen Friedhöfe. Auf den meisten Friedhöfen gibt es zwischenzeitig verschiedene Möglichkeiten der Beisetzung von Urnen: in einer Urnenwand oder Stele oder auch als Baumgrab, bei dem mehrere Urnen kreisförmig um einen Baum beigesetzt werden können.

Eine nicht unbedeutende Zahl lässt sich im Friedwald oder Ruheforst beisetzen. Die Verstorbenen selbst oder deren Angehörige erwerben dort einen Grabplatz, der fest mit einem bestimmten Baum verbunden ist. Dabei kann noch entschieden werden, ob eine Tafel mit Namen, Geburts- und Sterbedatum angebracht wird.

Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche lehnen anonyme Beerdigungen grundsätzlich ab, denn jeder Mensch hat vor Gott einen Namen – über den Tod hinaus. Und es soll für die Angehörigen einen festen Ort der Erinnerung geben.

In manchen Kleingemeinden – ich kenne es vor allem in Dörfern mir nur einer evangelischen Kirche, wo dann eine katholische Trauerfeier abgehalten wird - ist es üblich, dass erst die Beisetzung und dann anschließend die Trauerfeier stattfindet. Selbst diese Abfolge macht manches Mal schon Probleme.

Nach nunmehr knapp 150 Trauerfeiern und acht freien Trauungen bin ich zur Überzeugung gelangt, dass eine kirchliche (katholische oder evangelische) Trauerfeier mit Beerdigung oder Urnenbeisetzung durchaus gewünscht ist. Aus den Rückmeldungen der Angehörigen und der Bestatter liegt es oft an der Distanz zur jeweiligen Kirche und auch zum zuständigen Pfarrer, die dann zur Wahl eines freien Redners führt.

Aus 25 Jahren Dienst als katholischer Pfarrer weiß ich, dass man als ein solcher eine Vielzahl an Aufgaben zu erledigen hat und dass es durchaus schwierig werden kann, ihn zu erreichen. Dennoch ist es immer wichtig, für Notfälle – und dazu gehören nun mal Trauerfeiern – erreichbar zu sein. Da sollten die Bestatter der Region auch eine private Handynummer haben oder es muss ein Anrufbeantworter geschaltet sein, der eine entsprechende Vertretung nennt.

Ich habe noch zu keinem Augenblick meine Entscheidung bereut. Ich bin zwischenzeitig davon überzeugt, dass ich jetzt als christlicher freier Redner mehr Seelsorger bin und viel näher am Menschen arbeiten kann, als ich dies in 25 Jahren als Priester konnte.

Ebenso bin ich überzeugt, dass es genau der richtige Augenblick war, diesen Schritt zu tun. Immer mehr Angehörige treten an freie Redner heran, um eine persönliche Trauerfeier für ihre Verstorbenen zu begehen und das, obwohl sie eigentlich Kirchenmitglieder wären.


Verfasst von:

Matthias Fischer

Christlicher Freier Trauerredner