Ausgabe: Juli-August 2025
InformationenLetzter Halt: Bahnhofsmission
Kirche am Bahnhof
Von Annette Bieber und Adelheid Utters-Adam, Öffentlichkeitsarbeit sowie Vorsitzende bei IN VIA Bayern e.V.
Es sind alarmierende Entwicklungen: Die Kontaktzahlen in den Bahnhofsmissionen steigen weiter, fast jeder dritte Gast ist psychisch belastet. Da ist viel ehren- und hauptamtliches Engagement gefragt.
Der verstorbene Papst Franziskus hat die Kirche immer wieder ermahnt, an die Ränder zu gehen. Gemeint sind die Ränder der Gesellschaft – Menschen, die in Armut leben, ausgegrenzt werden und keine Lebensperspektive haben. Die Bahnhofsmissionen sind kirchliche Institutionen, die diesem Auftrag in besonderer Weise gerecht werden. Sie sind am Bahnhof ein Ort christlicher Nächstenliebe.
Für immer mehr Menschen in besonderen Nöten sind die Bahnhofsmissionen die letzte Anlaufstelle – für jene, die in Armut leben, verzweifelt, psychisch erkrankt oder suchtkrank sind. Und für viele, die einsam sind. Im vergangenen Jahr verzeichneten die bayerischen Stationen mehr als 500 000 Kontakte – etwa 85 000 oder 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders auffällig ist dabei: Die Zahl psychisch belasteter Menschen nimmt seit Jahren zu – zuletzt noch einmal um gut 50 Prozent. Laut Statistik leidet damit fast ein Drittel der Gäste an seelischen oder abhängigkeitsbedingten Erkrankungen. In Passau sind es laut der Leiterin Angelika Leitl-Weber sogar etwa 70 Prozent.
„Es gibt praktisch keine anderen passenden Angebote in der Region“, sagt sie. „Zu uns können die Betroffenen einfach kommen und bleiben.“ Ein Stück Brot, eine Tasse Tee – für viele sei das nicht nur ein Angebot, sondern eine Notwendigkeit. „Sie brauchen eine Stärkung und einen Platz, um zur Ruhe zu kommen.“
Einfach da sein – eine neue Erfahrung
Auch in Würzburg zeigt sich die Entwicklung deutlich. „In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl psychisch auffälliger und abhängigkeitserkrankter Gäste bei uns mehr als verdreifacht“, berichtet Johanna Anken, die fachliche Leitung der Bahnhofsmission Würzburg.
„Für viele ist unsere Einrichtung lebensnotwendig – weil sie selbst entscheiden dürfen, wann sie kommen, ob sie reden oder einfach nur einen Tee trinken möchten.“ Die Bahnhofsmission ist ein letzter Anker, wenn Andocken andernorts nicht mehr möglich ist: niederschwellig, anonym, einfach da.
Auch für den Würzburger Bischof Franz Jung, der regelmäßig in der Bahnhofsmission mitarbeitet, war es eine neue Erfahrung, einfach da zu sein:
„Man will hilfreiche Angebote machen. Aber das Gegenüber entscheidet, ob es das Angebot annehmen will oder das Angebot überhaupt als Option für sich betrachtet – oder auch nicht. Diese Erfahrung zeigte mir, dass es nicht darum geht, für andere etwas zu tun, sondern dass man es immer mit ihnen tun muss. Der Mensch, der mir begegnet, entscheidet frei darüber, was für ihn gut ist und was nicht. Das musste ich akzeptieren lernen. Eine gute Schule. Sie lehrte mich, zuerst einmal zuzuhören und zu verstehen, was den anderen umtreibt.“
Bahnhöfe als Lebensraum
Bahnhöfe sind nicht nur Verkehrsknotenpunkte, sie sind seit jeher auch Lebensraum für Menschen ohne Halt, Perspektive oder Zuhause. Darunter finden sich Menschen mit psychischen Erkrankungen, Suchterkrankte, Einsame oder Armutsbetroffene. „Ihre Situation hat sich durch die Krisen der vergangenen Jahre noch einmal verschärft“, so Hedwig Gappa-Langer von der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen und zuständige Referentin vom Frauenfachverband IN VIA Bayern: „Die Bahnhofsmissionen werden für sie zunehmend zur letzten erreichbaren Zuflucht.“ Einer der Gründe: Sozialpsychiatrische Dienste (SPDIs) beispielsweise seien oft überlastet und für andere Hilfsangebote sei die Schwelle meist zu hoch.
Eine verlässliche Konstante in der Krise
Allen Herausforderungen zum Trotz bleibt das Versprechen der Bahnhofsmissionen bestehen: offen für alle.
„Für viele Gäste sind die Bahnhofsmissionen die letzte Hoffnung“, sagt Hedwig Gappa-Langer, „gerade die Niedrigschwelligkeit ist für Menschen mit psychischen Erkrankungen essenziell. Doch das fordert unsere Mitarbeitenden stark.“
Auch Sabine Ortloff von der Bahnhofsmission Augsburg unterstreicht: „Der Zeit- und Kraftaufwand ist enorm – und ohne ein funktionierendes Team mit unseren Ehrenamtlichen nicht zu stemmen.“
An den zwölf bayerischen Bahnhofsmissionen engagieren sich derzeit etwa 400 Ehrenamtliche – gemeinsam mit den hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen leisten sie jeden Tag wertvolle Arbeit. Es werden laufend Ehrenamtliche gesucht – sowohl für den Dienst in der Bahnhofsmission als auch um neue Angebote wie etwa die Reisebegleitung durchführen zu können.
„Es sind lohnende Erfahrungen, die mein Leben bereichern“, so berichten Ehrenamtliche immer wieder.
7 gute Gründe sich bei der Bahnhofsmission ehrenamtlich zu engagieren
- Sie sind da, wenn Menschen Hilfe, Trost oder einfach ein offenes Ohr brauchen.
- Sie helfen, wo es sonst oft keine Unterstützung mehr gibt.
- Sie handeln direkt, flexibel und ohne bürokratische Hürden.
- Sie geben christlicher Nächstenliebe ein Gesicht – mit Herz und Verstand.
- Sie begegnen allen Menschen auf Augenhöhe – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebenslage.
- Sie arbeiten im Team – mit fachlicher Begleitung und regelmäßiger Schulung.
- Sie erwartet ein sinnstiftendes und abwechslungsreiches Ehrenamt: Kein Dienst ist wie der andere.
Digitalisierung im Vereinswesen
E-Rechnung – was bedeutet die neue Pflicht für Vereine?
Von Franz-Martin Schäfer und Veikko Bartel, Leiter für juristische Beratung bei der die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) sowie Justiziariat DSEE
Seit dem 1. Januar 2025 gilt eine neue Pflicht zur elektronischen Rechnung. Viele Vereine fragen sich nun: Müssen auch wir das umsetzen? Wer ist betroffen – und was bedeutet das konkret?
Ein gemeinnütziger Sportverein beantragt eine Förderung von der Stadt, zum Beispiel für die Renovierung des Vereinsheims. Die Stadt bewilligt den Zuschuss unter der Bedingung, dass alle Rechnungen für die bezuschussten Leistungen digital und strukturiert – also als elektronische Rechnungen (E-Rechnung) – eingereicht werden müssen. Der Verein beauftragt daraufhin eine Malerfirma. Nach Abschluss der Arbeiten schickt die Firma dem Verein eine strukturierte, elektronische Rechnung im Format „XRechnung“, weil sie weiß, dass diese später bei der Stadt eingereicht werden muss. Der Verein prüft die Rechnung, speichert sie digital und reicht sie über das elektronische Rechnungsportal des Landes bei der Stadt ein – und der Förderbetrag fließt schnell zurück.
So oder ähnlich könnten viele Sportvereine bereits Kontakt mit der elektronischen Rechnung gehabt haben. Was eingeführt wurde, um Umsatzsteuerhinterziehung zu bekämpfen und Bürokratie abzubauen, entpuppt sich in der Anfangsphase jedoch für viele Vereine als zusätzliche Last. Gilt die neue Pflicht auch für uns? Welche Software brauchen wir dafür? Gibt es Ausnahmen oder Übergangsregelungen? Zahlreiche solcher Fragen haben seit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2025 die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt erreicht.
Was ist eine elektronische Rechnung eigentlich genau?
Die elektronische Rechnung ist ein standardisiertes, maschinenlesbares Rechnungsformat. Zulässig sind Rechnungen im reinen Extensible Markup Language (XML)-Format oder in hybrider Form – also XML-Daten mit zusätzlich eingebetteter Portable Document Format (PDF)-Datei. Zwei Formate setzen sich derzeit durch: „XRechnung“ als rein strukturiertes Format und „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland“ (ZUGFeRD) als hybrides Format. Wichtig: Eine einfache PDF-Rechnung per E-Mail ohne strukturierten XML-Datensatz ist keine elektronische Rechnung!
Durch diese neue Form der Rechnung können die Finanzbehörden leichter Steuerprüfungen durchführen. In der letzten Ausbaustufe sollen Rechnungen nicht nur dem Rechnungsempfänger, sondern auch unmittelbar dem Finanzamt übermittelt werden.
Welche Vereine sind betroffen?
Bislang gelten für Vereine unterschiedliche Regeln – je nachdem, ob sie Rechnungen empfangen oder selbst erstellen. Grundsätzlich gilt die neue Pflicht nur für Vereine mit einem umsatzsteuerpflichtigen Zweckbetrieb und/oder einem umsatzsteuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Vereine, die weder einen solchen Betrieb unterhalten noch umsatzsteuerpflichtige Leistungen erbringen, sind nicht betroffen.
Auch in bestimmten Fällen müssen keine elektronischen Rechnungen erstellt werden:
- bei Rechnungen an Endverbraucherinnen und Endverbraucher oder Privatpersonen
- bei bestimmten umsatzsteuerfreien Umsätzen (zum Beispiel Seminargebühren)
- bei Rechnungen mit einem Gesamtbetrag von maximal 250 Euro
- bei Rechnungen von ausländischen Rechnungserstellern oder an ausländische Rechnungsempfänger
- wenn die sogenannte Kleinunternehmerregelung greift (Umsatzvolumen bis 25 000 Euro pro Jahr)
Was ändert sich konkret ab 2025?
Seit dem 1. Januar 2025 müssen betroffene Vereine in der Lage sein, elektronische Rechnungen empfangen zu können. Dabei helfen kostenfreie Programme, sogenannte elektronische Rechnungsviewer, mit denen strukturierte Rechnungen lesbar dargestellt werden. Nur die hybriden Formate – etwa ZUGFeRD – lassen sich wie bisher speichern und ausdrucken. Vereine mit rein papiergestützter Buchhaltung sollten perspektivisch auf digitale Lösungen umstellen. Wird eine rein strukturierte elektronische Rechnung ohne PDF-Teil empfangen, kann sie mit dem sogenannten Elster-Viewer sichtbar gemacht werden.
Beim Erstellen von Rechnungen ist der Gesetzgeber großzügiger: Ein Verein, der nicht umsatzsteuerpflichtig ist, darf weiterhin herkömmliche Rechnungen schreiben – aber nur mit Zustimmung der Empfängerin oder des Empfängers. Sofern Übergangsfristen gelten, kann bei Empfängerinnen und Empfängern angefragt werden, ob weiterhin herkömmliche Rechnungen akzeptiert werden. Falls nicht, ist entweder eine strukturierte XRechnung oder ein hybrides Format mit lesbarem PDF-Anteil zu verwenden.
Welche Übergangsregelungen gelten?
Noch bis Ende des Jahres 2026 dürfen Rechnungen auch auf Papier oder als einfache PDF-Datei versendet werden. Unternehmen – und damit auch betroffene Vereine – mit einem Gesamtumsatz von höchstens 800 000 Euro im vorangegangenen Kalenderjahr dürfen sogar bis Ende 2027 auf herkömmliche Rechnungsformate zurückgreifen.
Ab dem 1. Januar 2028 gilt dann generell: Bei inländischen Umsätzen zwischen inländischen Unternehmen sind elektronische Rechnungen verpflichtend – das betrifft dann auch alle umsatzsteuerpflichtigen Vereine.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Zudem steht bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt jederzeit ein kompetentes Team für individuelle Rechtsfragen zur Verfügung.
Das Webinar zum Thema finden Sie hier.
Fair bis zuletzt – Orientierung am Lebensende
Was bedeutet es, fair zu sein – auch in der letzten Lebensphase? Die Broschüre Fair bis zuletzt (ProPraxis Nr. 11) des Landeskomitees der Katholiken in Bayern bietet eine praxisnahe Orientierung zu ethischen Fragen am Lebensende. Sie greift Themen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und palliative Begleitung auf und lädt zur persönlichen Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod ein. Dabei verbindet sie fachliche Informationen mit einer christlichen Perspektive und zeigt Wege auf, wie ein menschenwürdiger Umgang in dieser sensiblen Zeit gelingen kann. Die Broschüre eignet sich für Seelsorge, Bildungsarbeit und persönliche Vorbereitung – auch im Gespräch mit Angehörigen.
Die Publikation umfasst 32 Seiten im DIN-A5-Format und kann kostenlos über die Website des Landeskomitees als PDF heruntergeladen werden. (hb)
Frei verfügbar hier.
Katholische Freiwilligendienste in Bayern
Sich engagieren, orientieren und aus freien Stücken anderen helfen:
Das können junge Menschen beispielsweise im Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). In einem freiwilligen Jahr ist es möglich, erste Arbeitserfahrungen zu sammeln und die Arbeit im sozialen Bereich kennenzulernen – von der Kindertageseinrichtung über das Krankenhaus oder die Pflege bis zur Jugendarbeit.
Freiwilligendienste sind als Bildungsdienste und als besonderer Teil des bürgerschaftlichen Engagements im Sozial- und Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken. Neben der praktischen Arbeit in der Einsatzstelle sind die begleitenden Bildungsseminare ein wesentlicher Bestandteil jedes Freiwilligendienstes.
Das bayerische Netzwerk aus katholischen Trägern tritt gemeinsam als „Katholische Freiwilligendienste in Bayern“ auf. Unter https://freiwillig.bayern können ganz unkompliziert alle Stellen von Caritas und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Bayern gefunden werden, die als Träger der Freiwilligendienste den Rahmen für die Tätigkeit in einer Einsatzstelle bieten.
Der nächste reguläre Freiwilligendienstjahrgang für junge Menschen startet am 1. September 2025; alle notwendigen Informationen stehen beispielsweise im Internetangebot des BDKJ Bayern zur Verfügung. (mk)
Zukunft lebenswert gestalten. Mit Wissen. Mit Werten. Mit Dir.
Wie kann sozial-ökologischer und religiöser Wandel gedeutet und gestaltet werden? Der Bachelorstudiengang Transformation – Nachhaltigkeit – Ethik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) bietet darauf eine Antwort. Er verbindet Wissen aus verschiedenen Disziplinen – unter anderem Theologie, Philosophie, Ethik, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft, Humangeographie, Kultur- und Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Pädagogik.
Mit seinem Fokus auf partizipative Lehr- und Lernmethoden sowie erfahrungsorientierte Praktika ist der Studiengang ein Novum unter den Angeboten in Bayern. Die ersten beiden Semester dienen als Orientierungsjahr. Danach entscheiden sich die Studierenden für eine von zwei Vertiefungsrichtungen:
- Der Schwerpunkt Transformative Lernprozesse bereitet darauf vor, innovative Bildungsformate in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern umzusetzen.
- Der Schwerpunkt Angewandte Theologie führt die etwa fünfzigjährige Tradition der Religionspädagogik an der KU innovativ weiter. Er verknüpft theologisches Wissen mit pastoraler und gesellschaftlicher Praxis.
Ziel des Studiengangs ist es, Menschen auszubilden, die mutig, kompetent und werteorientiert gesellschaftlichen Wandel mitgestalten. (ms)
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„Breit gestreut“ – Schöpfungstag des Bistums Regensburg
Seit 2005 veranstaltet das Bistum Regensburg einen diözesanen Schöpfungstag. Dieser findet in diesem Jahr am 27. September in Beratzhausen (Landkreis Regensburg) statt und steht unter dem Motto:
„Breit gestreut – Streuobst, Blumen, Gemüse saisonal, Artenvielfalt regional“.
Die Veranstaltung dauert von 9.30 Uhr bis etwa 17 Uhr. Erwartet werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bistum sowie aus weiteren Regionen.
Das zentrale Motto bildet eine thematische Klammer, doch die Workshops, Exkursionen und Infostände greifen viele weitere Aspekte im Kontext von Schöpfung, Umwelt und Nachhaltigkeit auf. Neben örtlichen Vereinen, Verbänden und Unternehmen sind auch überregionale Vereinigungen mit dabei – etwa Organisationen zum Natur- und Bodenschutz, zur Förderung Erneuerbarer Energien sowie zum Klima- und Trinkwasserschutz.
Auch die Land- und Forstwirtschaft wird durch Verbände und Behörden vertreten sein, ebenso der Landschaftspflegeverband, Kolping und die Katholische Erwachsenenbildung.
Redner beim Festakt im Zehentstadel ist Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).
Im Anschluss besteht Gelegenheit zu Gesprächen an den Infoständen beim Zehentstadel und bei der Pfarrkirche. (mb)
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