Ausgabe: Juli-August 2025
SchwerpunktPerspektiven der Trauerpastoral
Was folgt nach dem Abschied am Grab? Ein Blick auf die begleitende und weiterführende Seelsorge sowie liturgische Entwicklungen in der katholischen Beerdigungskultur.
Die Trauerseelsorge endet in der Regel nicht nach der Trauerfeier. Meist biete ich an, dass ich zu den Angehörigen noch einmal Kontakt aufnehme – sinnvoll nach etwa einem halben Jahr. Auch manche Pfarreien bieten mit einer Karte ein Seelsorgegespräch allen Angehörigen an.
In der Trauerseelsorge kann ich auf viele Kolleginnen und Kollegen in der Kranken- und der Seniorenpastoral verweisen, die unterschiedliche Gesprächsformen anbieten: Einzelgespräche, Trauergruppen und Trauercafés, offene Treffen, geschlossene Gruppen, Gruppen, die ein spezieller Anlass verbindet – der Tod eines Menschen, der sich suizidiert hat, der Tod eines Geschwisterkindes, der Tod eines eigenen Kindes oder ein Sternenkind.
Ausblicke
Das „Handwerkszeug“ für die Seelsorge bei Beerdigungen sind das Rituale (2009) und das Manuale von 2012/2018. Traditionell wird bei einer Beerdigung der Text vorgetragen und das Ritual am Grab vollzogen. Viele Menschen erwarten es genau so.
Die Menschen, die ich beerdige – beziehungsweise ihre Familien – haben aber selten einen lebendigen Kontakt zu kirchlichen Ritualen und deren Sprache. Hier ist es sinnvoll, nach „Übersetzungen“ und neuen Formulierungen zu suchen, ohne dabei „flach“ zu werden. Auch die unterschiedlichen Orte wie Gedenkwaldgarten oder Wald (Waldruh) machen es erforderlich, Texte und Rituale zu verändern und anzupassen. Formen des Abschiednehmens, wenn Urne oder Sarg erst später bestattet werden, müssen neu gefunden werden. Insbesondere die Urnenbestattung mit ihren Texten wird derzeit diskutiert (Zeitschrift Gottesdienst, Nr. 22/2024).
Die Tatsache, dass bei Bestattern Schritte zur individuellen Betreuung und Anpassung stattgefunden haben, erfordert auch in der Liturgie individuellere, vielfältigere Gestaltungen und Formen.
Viele Menschen kommen mit der christlichen Botschaft oft nur noch am Grab in Berührung, weil sie sonst keinen Gottesdienst besuchen. Deshalb ist es wichtig, dass sie nicht immer die gleichen Texte und dieselbe Ansprache hören. Daher ist es gut, wenn die Fülle an biblischen Texten auch bei Beerdigungen verkündet wird – gerne auch in Bezug zum Kirchenjahr. Unter dem Aspekt des Lebensendes und der Auferstehung finden sich auch andere Ansätze zur Deutung als an den Sonntagen.
Meines Erachtens ist das „immer Gleiche“ neben einer lieblosen Gestaltung der wichtigste Grund, warum Menschen bewusst die Alternative eines freien Redners wünschen.
In Zukunft werden auch in der Erzdiözese München und Freising Ehrenamtliche ausgebildet, die zur Beerdigung beauftragt werden. Darin besteht die große Chance, dass für die Gestaltung der Beerdigungen mehr Zeit zur Verfügung steht.