Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: September-Oktober 2025

Editorial

Was kommt danach?

Foto: WTTBIRDY / Adobe stock

Liebe Leserin, lieber Leser,

Nichts – eigentlich müsste das in einer zunehmend areligiösen Gesellschaft die folgerichtige Antwort sein. Doch was macht diese Antwort mit uns, mit unserem Verständnis und unserer Sehnsucht nach Sinn, Wahrheit, nach etwas, das für immer gültig und bleibend ist, selbst wenn sich das Universum in seine Einzelteile zerreist?

Wer über das Jenseits nachdenkt, schaut unweigerlich auch auf das Diesseits. Die christliche Tradition kennt hier keinen billigen Trost, sondern eine tiefe Hoffnung: dass Gott alles zum Guten führt, dass Liebe und Gerechtigkeit Bestand haben. Nicht wir sollen uns mühen, in den Himmel zu kommen – vielmehr soll der Himmel schon jetzt in unsere Welt hineinwirken: durch Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Apokalyptische Texte der Bibel werden oft missverstanden. Sie sind keine Drohkulissen, sondern Ausdruck einer unbändigen Sehnsucht nach Veränderung. Sie machen spürbar, was nicht gut ist, und werfen ein Licht auf das, was werden soll: eine Welt, in der kein Leid und keine Ungerechtigkeit mehr herrschen.

Auch die christliche Hoffnung auf Vollendung ist kein Grund zur Furcht. Sie lebt vom Vertrauen darauf, dass Gott niemanden gleichgültig lässt. Am Ende steht Versöhnung, nicht Vergeltung. Es geht darum, was schon jetzt zählt: gelebte Beziehungen, Gerechtigkeit, Liebe.

Besonders berührend bringt das das bayerische Volksstück vom „Brandner Kaspar“ zum Ausdruck. Ein listiger Schlosser und Büchsenmacher trickst den Tod aus, gewinnt Zeit – und findet am Ende im Himmel seine große Liebe wieder. Regisseur Philipp Stölzl beschreibt im Interview das Theater als einen Raum, der wie die Kirche Fragen nach Leben und Tod stellt, zum Lachen, Weinen und Nachdenken einlädt.

Und was tun, wenn Worte an ihre Grenzen stoßen? Kunst kann hier Brücken bauen. Bilder machen das Unsichtbare sichtbar, öffnen Räume für persönliche Fragen, Zweifel, Sehnsucht. Sie schaffen Momente der Stille, in denen wir ahnen können, was „ewiges Leben“ bedeutet.

Das Jenseits bleibt ein Geheimnis. Aber es lähmt nicht – es ruft in die Verantwortung: Wie lebe ich jetzt, wie gestalte ich meine Beziehungen, wie bleibe ich offen für das, was größer ist als ich selbst? Dieses Heft möchte dazu Anregungen geben und die Arbeit in der Pfarrei mit Impulsen, Ideen und Gesprächsanlässen bereichern.

Viel Freude beim Lesen und gute Anregungen für Ihre kirchliche Arbeit wünscht Ihnen

 

 

Hannes Bräutigam
Redaktionsleiter


Verfasst von:

Hannes Bräutigam

Redaktionsleiter