Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: September-Oktober 2025

Informationen

Musik in Bayern: Was die Ausstellung in Freyung bietet

Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

Bayerische Landesausstellung 2026 im Überblick

Von Hannes Bräutigam, Redaktionsleiter

Die Bayerische Landesausstellung 2026 widmet sich dem Thema Musik in Bayern. Sie findet von 25. April bis 8. November 2026 in Freyung statt und soll ein breites musikalisches Spektrum abbilden – von Volksmusik bis Punk, von Klassik bis Pop.

Der Stellung und dem Wert der Musik in der Pfarreiarbeit haben wir eine eigene Ausgabe von Gemeinde creativ gewidmet (siehe Heft vom Juli – August 2024). Nun widmet sich die Bayerische Landesausstellung 2026 ebenfalls diesem Thema unter dem Titel Musik in Bayern und wird vom Haus der Bayerischen Geschichte zusammen mit der Stadt Freyung veranstaltet. Sie will zeigen, welche Rolle Musik in der bayerischen Kultur spielt und wie vielfältig musikalische Ausdrucksformen in Bayern und in ihren Gemeinden sind. Thematisiert werden traditionelle Volksmusik, Punk, Rock, Pop, Klassik, Orchester, Festspiele, Musikkabarett und vieles mehr. Damit sollen nicht nur historische Entwicklungen sichtbar gemacht, sondern auch aktuelle Strömungen und regionale Besonderheiten vorgestellt werden.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist der interaktive Ansatz. Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur hören und sehen, sondern auch selbst aktiv werden können. Dafür stehen neben klassischen Ausstellungsbereichen auch Mitmachstationen zur Verfügung.

Ausstellungsort und Region

Hauptausstellungsort ist das TonYversum im Zentrum Freyungs. Dieses Gebäude dient 2026 als Ausstellungsort und wird ab 2027 als Science Center genutzt. Dort können Besucherinnen und Besucher jeden Alters Klang, Schall, Musik und Hören experimentell erforschen. Die Ausstellung bleibt aber nicht auf den Innenraum beschränkt. In der gesamten Region Freyung sowie im angrenzenden bayerisch-böhmisch-österreichischen Dreiländereck sind während der Ausstellungszeit Konzerte, Musikveranstaltungen und weitere Programmpunkte geplant.

Die Stadt Freyung sieht die Ausstellung als Chance, die kulturelle Lebendigkeit der Region zu zeigen. Bereits seit 2019 befindet sich hier die Volksmusikakademie in Bayern. Die Landesausstellung soll diesen Standort stärken und darüber hinaus neue Akzente setzen.

Plakatmotiv und Gestaltung

Ein zentrales Element der Ausstellungsvorbereitung ist das Plakatmotiv, das im Sommer 2025 vorgestellt wurde. Es wurde vom Salzburger Büro wir sind artisten in Zusammenarbeit mit dem Ausstellungsgestalter Fritz Pürstinger entworfen. Das Motiv zeigt etwa 20 Musikerinnen und Musiker aus der Region als Silhouetten mit unterschiedlichen Instrumenten. Hervorgehoben sind eine Violinistin und ein Ziehharmonikaspieler, die stellvertretend für die Vielfalt der bayerischen Musiklandschaft stehen.

Das Plakat greift mit mäandernden Notenlinien ein grafisches Element auf, das auch in der Ausstellung selbst vorkommen wird. Farblich setzt es auf ein poppiges, kontrastreiches Design, um eine breite Zielgruppe anzusprechen, darunter ausdrücklich auch ein jüngeres Publikum.

Veranstalter und Organisation

Veranstalter der Landesausstellung ist das Haus der Bayerischen Geschichte, eine Einrichtung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Das Haus ist seit vielen Jahren für die Organisation der Bayerischen Landesausstellungen verantwortlich und entwickelt diese zusammen mit regionalen Partnern. Die Stadt Freyung übernimmt als Projektpartner unter anderem die Organisation von Begleitprogrammen.

Die Landesausstellung 2026 versteht sich nicht nur als museale Präsentation, sondern als regionales Großereignis. Geplant sind daher nicht nur Führungen, sondern auch Konzerte, musikalische Mitmachangebote, Veranstaltungen auf Marktplätzen, in Kirchen oder in der Natur. Damit soll die musikalische Vielfalt nicht nur gezeigt, sondern auch erlebbar gemacht werden.

Langfristige Perspektive

Nach Abschluss der Ausstellung wird das TonYversum nicht wieder geschlossen, sondern in ein Science Center umgewandelt. Dort können Besucherinnen und Besucher sich auch künftig mit den Themen Klang, Schall, Musik und Hören beschäftigen. Dieses langfristige Konzept soll die Region über die Ausstellung hinaus stärken und neue Zielgruppen ansprechen.

Wichtige Fakten zur Ausstellung

  • Titel: Musik in Bayern
  • Zeitraum: 25. April bis 8. November 2026
  • Ort: TonYversum, Freyung, Bayerischer Wald
  • Veranstalter: Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg
  • Partner: Stadt Freyung
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9–17 Uhr, Wochenende und Feiertage 9–18 Uhr
  • Begleitprogramm: Konzerte, Mitmachaktionen, Veranstaltungen in der Stadt und der Region

Weitere Informationen
Haus der Bayerischen Geschichte
Zeuggasse 7
86150 Augsburg
Telefon: 0821 3295-222
www.hdbg.de

Gemeinde creativ hat dem Thema Musik ein eigenes Heft gewidmet: Ausgabe Juli-August 2024: Musik – Gemeinde creativ


Monat der Weltmission 2025

Krieg gegen die Armen

Rowena Panotes hält das Foto ihres Mannes in die Kamera. Rommel Panotes, ihr Mann und Vater ihrer drei Kinder, war 45 Jahre alt, als er im Armenviertel Payatas in Quezon City erschossen wurde. Foto: Jörg Böthling

Von Steffi Seyferth,Redakteurin bei missio

Während der Amtszeit des früheren Präsidenten Rodrigo Duterte starben auf den Philippinen im Kampf gegen die Drogen bis zu 30 000 Menschen.

Rowena Panotes hat fur den Besuch das Foto ihres Mannes von der Wand genommen – es hangt sonst am Fensterrahmen, uber kleinen Kuscheltieren und roten Plastikrosen.Rommel  Panotes, ihr Mann und Vater ihrer drei Kinder, war 45 Jahre alt, als ihn am 2. Oktober 2016 maskierte Männer im Armenviertel Payatas in Quezon City erschossen.
Rowena Panotes, die seit diesem Tag das Vertrauen in Regierung und Polizei verloren hat, zieht einen Ordner mit Dokumenten aus dem Schrank. „Perforierendes Schädeltrauma – mehrere Schussverletzungen am Kopf“, steht auf der Sterbeurkunde. Noch heute ringt Rowena Panotes mit dem, was damals geschah. Warum musste ihr Mann sterben?
Rommel Panotes ist einer von schätzungsweise 30 000 Menschen, die dem sogenannten „Krieg gegen die Drogen“ von Ex-Präsident Rodrigo Duterte zum Opfer fielen. „Wenn ihr jemanden kennt, der drogenabhängig ist, dann tötet ihn einfach selbst – seine Eltern würden es nicht übers Herz bringen“, sagte Duterte am 30. Juni 2016 bei seiner Amtseinführung. Es war ein Freifahrtschein zum Töten. Was folgte, waren sechs Jahre des Schreckens: Polizeieinheiten und selbsternannte Todesschwadronen richteten mutmaßliche Drogendealer oder Abhängige regelrecht hin. Frauen, Männer, Kinder. Manche von ihnen waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Manche wurden von anderen denunziert, ohne je etwas mit Drogen zu tun gehabt zu haben. Die Täter kamen meist auf Motorrädern, die Gesichter vermummt. Getötet wurde auf offener Straße, zu Hause, beim Karaoke-Singen, auf Beerdigungen. Zurück blieben Tausende Kinder und Frauen – traumatisiert, auf sich allein gestellt.

„Sie haben Unvorstellbares erlebt“

sie hat gelernt, wieder nach vorne zu blicken. „Ich versuche mein Bestes, um für mich und meine drei Kinder zu sorgen“, sagt sie.
Ein paar Straßenecken weiter rattern im Erdgeschoss eines zweistöckigen Gebäudes Nähmaschinen. In einer Ecke steht die Nähmaschine von Rowena Panotes. Gemeinsam mit anderen Frauen näht sie hier Untersetzer, Taschen und Rucksäcke. Die kleine Schneiderei gehört zum Projekt „Solidarity with Orphans and Widows“ – gegründet 2016 von den Vinzentinern. Sie wollten Kindern und Frauen helfen, die im Krieg gegen die Drogen ihre Väter und Ehemänner verloren haben.
„In den ersten drei Jahren ging es vor allem um Traumatherapie. Dann darum, dass die Frauen als Alleinverdienerinnen ein regelmäßiges Einkommen haben“, sagt Carol Daria. Die Psychologin war von Anfang an mit dabei. „Einige Mädchen und Jungen mussten mitansehen, wie ihre Väter zu Hause erschossen wurden“, sagt sie. „Sie haben Unvorstellbares erlebt.“
Die meisten Opfer stammten aus Armenvierteln wie Payatas. Und so wurde der Krieg gegen die Drogen vor allem ein Krieg gegen die Armen.
Ein paar Mal wandte sich Carol Daria an die zuständigen Behörden, drängte auf Suchtprogramme in Payatas. Darauf, den Menschen eine Chance zu geben. Vergeblich.
„Als das Töten immer weiterging, habe ich gewusst, dass die Agenda von Duterte eine andere ist“, sagt sie. Und sie begriff, dass auch sie in Gefahr war. Denn wer Angehörigen von Opfern half, geriet schnell selbst ins Visier. „Lange Zeit hatte ich Angst, dass mir jemand Drogen ins Auto schmuggelt und ich auf dem Heimweg gestoppt und festgenommen werde“, sagt sie.
Inzwischen ist die Angst überwunden, die Arbeit von Carol Daria aber geht bis heute weiter. Noch immer kommt sie regelmäßig nach Payatas, trifft sich mit den Überlebenden. Die traumatisierten Kinder von damals sind zu jungen Frauen und Männer mit großen Träumen herangewachsen.
An diesem Nachmittag haben sich 22 Jugendliche im ersten Stock über der kleinen Kirche versammelt. Zwischendrin sitzt Carol Daria. „Wir wollen heute darüber sprechen, was ihr nach der Schule machen wollt. Wer fängt an?“, fragt sie.
Der 18-jährige Ronald meldet sich: „Ich möchte einmal Anwalt werden und mich für mehr Gerechtigkeit einsetzen.“ Die anderen klatschen. Ronald war gerade einmal neun Jahre alt, als sein Vater Rommel Panotes erschossen wurde.

Monat der Weltmission
Im Oktober begehen Katholikinnen und Katholiken weltweit den Monat der Weltmission. In diesem Jahr stehen die Philippinen im Fokus der Solidaritätsaktion. Das katholische Hilfswerk missio München empfängt philippinische Gäste – darunter auch Carol Daria aus der Reportage –, die in den bayerischen Diözesen und im Bistum Speyer über ihren Einsatz für Menschenrechte und die Arbeit der Kirche in ihrer Heimat berichten. Den feierlichen Höhepunkt bildet der Sonntag der Weltmission am 26. Oktober 2025 im Bistum Augsburg. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 


Leo XIV. – ein Papst mit Signalwirkung

Foto: Patmos

Die Wahl von Leo XIV. hat viele überrascht – und gibt zugleich einen bedeutungsvollen Hinweis. Nicht nur, weil sich der neue Papst damit bewusst von der langen Reihe der Benedikt- und Johannes-Paul-Päpste absetzt. Sondern vor allem, weil er mit dem Namen an Leo XIII. erinnert – jenen Pontifex, der sich als erster entschieden der sozialen Frage widmete und die Kirche zur Welt hin öffnete.

Damals, Ende des 19. Jahrhunderts, bedeutete das einen Aufbruch: weg von rein innerkirchlicher Frömmigkeit, hin zur Auseinandersetzung mit dem Elend der Arbeiterschaft, mit Kapitalismus, Fortschritt und Gerechtigkeit. Dass Leo XIV. nun diesen Namen wieder aufnimmt, kann als Signal verstanden werden – an die Kirche selbst und an die Welt: Die soziale Frage ist aktueller denn je.

Wer sich mit dieser Deutung beschäftigen möchte, findet eine erste Einordnung in:

 

Kempis, Stefan von (2024), Leo XIV. – Der neue Papst. 112 Seiten, gebunden, Verlagsgruppe Patmos, Preis 18 EUR. (hb)


Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten

Tyrolia Verlag

Martin Ebner untersucht in seinem Buch, wie sich frühchristliche Gemeinden organisierten. Anhand biblischer Texte wird sichtbar: Diese Gemeinden waren vielfältig strukturiert, orientierten sich an bekannten städtischen Organisationsformen und entwickelten unterscheidend christliche Akzente. Alle Getauften – auch Frauen und Sklaven – konnten ihre Charismen einbringen, mitentscheiden und Verantwortung übernehmen. Leitungsstrukturen waren weniger hierarchisch als später in der Bischofskirche. Ebner analysiert zentrale Bibelstellen, beschreibt die Rolle von Apostel Paulus und arbeitet heraus, welche Prinzipien damals galten: gemeinsame Verantwortung, Teilhabe und Mitgestaltung. Er fragt, was sich aus diesen historischen Erfahrungen für aktuelle Reformprozesse in der katholischen Kirche ableiten lässt und liefert Impulse für die Diskussion um Teilhabe und Leitung in heutigen Gemeinden. (hb)

 

Ebner, Martin (2025), Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten. Wie sich frühchristliche Gemeinden organisierten und was wir daraus lernen können. 152 Seiten, Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien, 15 EUR.


Kult, Kultur und Demokratie

Prof. Dr. Ursula Münch, Kardinal Reinhard Marx und Prof. Dr. Hartmut Rosa (v.l.n.r.). Foto: Dr. Josef Fuchs

Beim ausverkauften Abend im Münchner Bergson Kunstkraftwerk stellte Kardinal Reinhard Marx im Frühjahr 2025 sein neues Buch Kult – Warum die Zukunft des Christentums uns alle betrifft vor. Im Dialog mit Soziologe Hartmut Rosa und unter der Moderation von Politikwissenschaftlerin Ursula Münch wurde deutlich: Christentum ist Kult – und dieser Kult hat gesellschaftliche Relevanz. Marx betont die Unterbrechung des Alltags durch den Sonntag und die Eucharistie als Räume für Menschlichkeit und Freiheit. Rosa ergänzt, Demokratie brauche Religion, um Resonanzräume für Sinn, Zuhören und Gemeinschaft zu schaffen. Der Verlust solcher Rituale, so ein Hinweis auf Byung-Chul Han, bedrohe die seelische Infrastruktur unserer Gesellschaft. Rituale stiften Sinn, geben Halt und verbinden Menschen zu einer Resonanzgemeinschaft. So zeigen Kult, Kultur und Demokratie überraschende Schnittmengen – und ein großes Potenzial für eine lebensdienliche Gesellschaft. (jf)

Marx, Reinhard (2025), Kult – Warum die Zukunft des Christentums uns alle betrifft. 176 Seiten, Hardcover, Kösel-Verlag, München, 20 EUR.


Synodalität einfach machen!

„Synodal-in-Augsburg“-Treffen im Januar 2025. Foto: Elisabeth Weißenhorn-Höfle

Synodal-in-Augsburg“, eine Initiativgruppe aus Mitgliedern von reformorientieren Gruppierungen und Einzelpersonen, hat sich zusammengefunden, um Anregungen, die in der „Synode 2021-2024 – für eine synodale Kirche“ an die Kirchenbasis gerichtet wurden, aufzugreifen und zu leben.
Ein „Ergebnis“, das die Gruppe erarbeitet und veröffentlicht hat, ist ein digitaler „Synodaler Koffer“, ein Padlet, auf das jeder zugreifen kann. Es liegt u.a. auch ein Vorschlag für die Gestaltung eines Workshops in einer Gemeinschaft (z.B. Pfarrei, Pfarrverband oder Verband, …) in Form einer synodalen Übung vor.
Der „Synodale Koffer“ steht bistums- und länderübergreifend zur Verfügung und lebt davon, dass Erfahrungen, Ergänzungen und Aktualisierungen an das Admin-Team zurückgemeldet werden.
Die Gruppe habe aufgrund fehlender Impulse von der Bistumsleitung die Aktivitäten nach dem Motto „einfach machen“ aufgenommen, denn die Informationen wären leider bisher vielerorts weder an der Kirchenbasis noch bei den Amtsträgern und Hauptamtlichen angekommen. Es wäre zu hoffen, dass die erneute, nachdrückliche Aufforderung durch Papst Leo XIV. vom 7. Juli 2025 Wirkung zeige, so die Inititativgruppe: „Gemeinschaft – Teilhabe – Sendung“ geht uns alle an – „Wir sind die Kirche – gestalte sie mit!“. (us)

 Hier geht’s zum Koffer.


Verfasst von:

Gemeinde Creativ

Das Redaktionsteam