Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: November-Dezember 2025

Kommentar

Gemeinsam gestalten

Foto: privat

Am 1. März 2026 ist es wieder soweit: Die Katholikinnen und Katholiken in Bayern wählen neue Pfarrgemeinderäte. Für mich als Vorsitzende des Pfarrgemeinderates einer kleinen, wachsenden Pfarrei im Münchner Westen, die mit der Nachbargemeinde eine Pfarreiengemeinschaft bildet, beginnt nun die Zeit der Formulare. Diese lassen sich auf den Seiten der Erzdiözese München und Freising online ausfüllen, was eine große Erleichterung darstellt. Der wichtigste Teil im Vorfeld der Wahlen ist jedoch die Kandidatinnen- und Kandidatensuche. Zunächst gilt es zu klären, wer aus dem bestehenden Pfarrgemeinderat nochmals kandidieren möchte.

In einem solchen Gremium treffen verschiedene Talente aufeinander: Da gibt es die jahrzehntelangen Mitglieder, bestens mit den Abläufen vertraut („Fronleichnam wird in jeder Pfarrei gefeiert“ und „die Sektgläser sind unter dem Billardtisch“) und tragende Säulen der Pfarrei. Eine weitere Gruppe stellen die meist neueren Mitglieder dar, die Strukturen hinterfragen („Warum feiern alle Pfarreien Fronleichnam nicht gemeinsam?“). Sie bringen frischen Wind und Gesprächsstoff in die Sitzungen, die dann statt zwei Stunden auch vier Stunden dauern.

Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass ihnen das aktive Pfarreileben am Herzen liegt: Entweder soll Bewährtes bewahrt werden — oder es sollen neue Akzente gesetzt werden. Ohne die „Traditionalistinnen und Traditionalisten“ käme es zu endlosen Diskussionen, ohne die „Erneuerinnen und Erneuerer“ würde die Pfarrei in verkrusteten Strukturen erstarren. Das Leben in einer aktiven Pfarrei ruht auf beiden Säulen.

Beiden ist auch gemeinsam, dass sie einander nicht nur ertragen, sondern sogar schätzen und offenbleiben: offen für Neues, etwa neue Gottesdienstformen. So wurden auf Anregung aus der Mitte des Pfarrgemeinderates Wortgottesfeiern zur Entlastung des Pfarrers eingeführt. Dass diese positiv aufgenommen wurden, lag an zwei Dingen: Zum einen wurde darauf bestanden, dass sie mit Kommunionspendung gefeiert werden. Zum anderen wäre ohne die Unterstützung der Hauptamtlichen dieser Schritt nicht möglich gewesen. Ein vertrauensvoller Umgang zwischen Pfarrgemeinderat und Hauptamtlichen, insbesondere mit dem Pfarrer, ist nötig, sodass eine Balance zwischen Neuerungen und Traditionen möglich ist und die Anliegen verschiedener Gruppen Gehör finden.

Der Hauptgrund für die Motivation jedes Mitglieds des Pfarrgemeinderates, viel Zeit und Mühen zu investieren, ist die Erfahrung: Hier lässt sich etwas bewirken; hier wird Kirche vor Ort in vielfältigen Formen gestaltet — in Gottesdiensten und Festen, aber auch durch kirchenpolitische Aktionen, etwa mit einem Banner mit Jesu Worten: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“.

Dennoch stellen die Wahlen des Pfarrgemeinderates im kommenden Jahr eine Herausforderung dar: Einige bisherige Mitglieder werden aus Altersgründen nicht mehr kandidieren, daher müssen neue Kandidatinnen und Kandidaten gefunden werden. Gerade Familien ziehen aufgrund großer Bauvorhaben in den Münchner Westen. Diese gilt es für eine Mitarbeit zu gewinnen. Das Motto der Pfarrgemeinderatswahl 2026 bringt es auf den Punkt: „Gemeinsam gestalten“. Gemeinsam kann die Gemeinde sich auf den Weg machen, das Evangelium, das Erlösungswerk Jesu Christi, in die Welt zu tragen und Kirche vor Ort erfahrbar zu machen.

 


Verfasst von:

Katrin Bayerle

Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Martin Untermenzing, München