Ausgabe: November-Dezember 2025
Schwerpunkt - Vor OrtHey ChatGPT, plan doch mal das Kirchenjahr!
Über einen bedachten KI-Einsatz im Pfarrgemeinderat
Brainstorming für neue Veranstaltungen in der Pfarrei: 5 Minuten, Pfarrgemeinderatsprotokoll: 3 Minuten; Werbung für das Pfarrfest in Zeitung und Social Media: 15 Minuten. Aber ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Pfarrgemeinderat wirklich schon so fest verortet?
Seit November 2022 — mitten in der laufenden Amtszeit der Pfarrgemeinderäte — hat ChatGPT große Wellen geschlagen. Viele weitere KI-Anwendungen folgten, die in Sekundenschnelle Texte und Bilder erstellen.
Was hat sich wirklich verändert?
Die Erfahrungen in den Pfarreien sind sehr unterschiedlich. Manche Mitglieder des Pfarrgemeinderats nutzen KI bereits intensiv für die Öffentlichkeitsarbeit. Andere haben KI zwar einmal ausprobiert, sehen aber keinen konkreten Nutzen für ihr Ehrenamt. Die Realität liegt wohl irgendwo dazwischen.
Tatsächlich bietet KI durchaus Chancen für die ehrenamtliche Arbeit: Texte entstehen in Sekundenschnelle und die Nachbereitung von Sitzungen kann effizienter werden. Wichtig dabei: Es braucht Kenntnisse im Umgang mit KI und Bewusstsein für Datenschutz.
Wo die Menschlichkeit unverzichtbar bleibt
KI darf dabei die soziale Intelligenz, die Menschen eigen ist, nicht verdrängen. KI-Anwendungen sind nicht überall geeignet – Fakten stimmen oft nicht und müssen überprüft werden. Zudem haben sie einen großen ökologischen Fußabdruck.
Entscheidend ist: Wo liegt der Charme, wenn Ideen im Pfarrgemeinderat mit KI generiert werden, statt durch gemeinsames, sich gegenseitig motivierendes Brainstorming zu entstehen? Was macht es mit den Mitgliedern des Pfarrgemeinderats, wenn statt eines gemeinsamen Austauschs die Antwort lautet: „Aber ChatGPT sagt..."? Da geht das soziale Miteinander verloren – etwas, das Engagement im Pfarrgemeinderat prägt. Das Gremium kann durch zu viel KI-Einsatz den Charme gegenüber bürokratischer Arbeit verlieren.
KI dort einsetzen, wo sie wirklich hilft
übernehmen – genau dort kann sie entlasten. Keinesfalls sollte KI das ersetzen, was Menschen gerne tun, vor allem keinen sozialen Austausch unterbinden.
Eine Pfarrgemeinderätin aus dem Bistum Regensburg bringt es auf den Punkt: „Wir nutzen KI für Zusammenfassungen und Presseankündigungen, aber unser Brainstorming machen wir weiterhin gemeinsam. Da entstehen die besten Ideen und wir lernen uns besser kennen." Denn auch in einer KI-geprägten Welt ist es wichtig, in Gremien wie Pfarrgemeinderäten in Resonanz mit Menschen zu gehen, kreativ zu sein und so immer wieder Wege zu finden, wie Glaube und Gemeinschaft in einer Gemeinde lebendig werden können. Ohne Menschen, nur mit KI, wird dies sicherlich nicht passieren.
Bewusst über KI-Einsatz entscheiden
In der nächsten Wahlperiode werden KI-Anwendungen noch mehr den Alltag prägen. Eine Fortbildung zu KI, etwa bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), ist eine absolute Empfehlung! So können Sie als Team bewusst entscheiden: Worin möchten wir uns – weil niemand es gerne macht – künftig von KI unterstützen lassen? Dann dauert das Pfarrgemeinderatsprotokoll wirklich nur noch drei Minuten, während das Brainstorming weiterhin in sozialer Resonanz erfolgt und so Kirche lebendig werden lässt.