Ausgabe: November-Dezember 2025
InformationenFür eine Zukunft ohne Armut und Umweltzerstörung
Adveniat-Weihnachtsaktion 2025: „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“
Von Philipp Lichterbeck, freier Korrespondent für Lateinamerika
Ökologische Landwirtschaft, Seifenproduktion aus altem Fett, Recycling, alternative Medizin – Adveniat-Partnerin Schwester Elis Santos engagiert sich in der Amazonas-Metropole Manaus für ein Netzwerk des solidarischen Wirtschaftens.
Furchtlos balanciert Schwester Elis Santos über die wackeligen Holzstege. Rechts und links stehen schiefe Holzhäuser auf Stelzen. Darunter fließt eine stinkende Brühe aus ungeklärtem Abwasser und Müll. Die Schwester vom Orden der Heiligen Vorsehung ist unterwegs in einem besonders armen Teil von Zumbi dos Palmares. In dem Stadtviertel am Stadtrand von Manaus, der Millionenmetropole im brasilianischen Regenwald, leben rund 40 000 Menschen.
Sie leben praktisch in einer Kloake. Es ist feuchtheiß und wimmelt von Moskitos. Außerdem wird das Viertel von einer Drogenbande beherrscht.
„Ich will mit den Menschen ins Gespräch kommen und sie in unser gemeinsames Haus einladen“, sagt Elis. Die 37-Jährige hat in ihrer Gemeinde im Stadtteil Zumbi dos Palmares die Casa Amazônica aufgebaut, das Amazonas-Haus. Dort lebt und arbeitet sie mit drei weiteren Ordensschwestern. „Unser Amazonas-Haus ist ein Ort der Begegnung und das Zentrum einer ökologischen und sozialen Erneuerung im Viertel“, sagt Elis. „Wir wollen eine bessere Zukunft für die Menschen hier gestalten – ohne Armut, Vereinzelung und Umweltzerstörung.“ Unterstützt werden Schwester Elis und die Casa Amazônica vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.
Solidarische Ökonomie mit Frauen im Zentrum
In der Casa Amazônica hat Schwester Elis verschiedene Projekte ins Leben gerufen, in denen die Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam kreativ und produktiv sein können: Sie bewirtschaften einen großen Gemeinschaftsgarten, produzieren Seife aus recyceltem Fett und stellen alternative Medizinprodukte her. Es sind vor allem Frauen, die mitmachen. Elis’ Arbeit basiert auf den Ideen der Solidarischen Ökonomie, die Papst Franziskus während der Amazonas-Synode 2019 forderte. Die Idee: auf der Grundlage kollektiver Zusammenarbeit, fairen Handels und des Respekts gegenüber der Natur gemeinschaftlich wirtschaften.
Schwester Elis gehört dem indigenen Volk der Mura an. Voller Tatendrang will sie die vielfach bedrückende Wirklichkeit der Menschen in Zumbi dos Palmares verändern.
Etwa 60 Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels haben sich bereits in Schwester Elis’ Projekten zusammengefunden. „Die Menschen sehnen sich nach Gemeinschaft, Austausch und sinnvoller Beschäftigung“, sagt sie. Im ärmsten Teil des Viertels begeistert sie die Menschen für die Arbeit im Gemeinschaftsgarten, in dem sie ihre eigenen, gesunden Lebensmittel anbauen können. „Gerade in Manaus, der Stadt mitten im Amazonas, gibt es kaum Grünflächen und saubere Flüsse. Es mangelt an Bewusstsein, vor allem bei der Politik“, sagt Elis.
Lernen, kompostieren, staunen
Betreuerinnen kompostieren die Küchenabfälle im angrenzenden Garten. Die Kinder blühen mit Elis zwischen Pfefferminze, Rosmarin, Tomaten und Papayas förmlich auf, lachen und tollen herum. „Dank des Kurses können wir ihnen jetzt ein Bewusstsein für Pflanzen und die Umwelt vermitteln“, sagt die Leiterin des Kindergartens.
Am nächsten Morgen betritt Elis Santos eine Industriehalle. Dort hat die Vereinigung der Müllsammlerinnen und Müllsammler von Manaus mithilfe des Erzbistums einen Recyclinghof aufgebaut. Elis möchte sie in ihr Netzwerk der Solidarischen Ökonomie holen. Der Müll — vor allem Kunststoffe, Metall und Papier — stammt von Supermärkten sowie einigen Kirchengemeinden, die ihn sammeln und zum Industriehof schicken, dort wird er getrennt, gebündelt und verkauft.
„Manaus hat ein gigantisches Abfallproblem“, sagt Schwester Elis. Der Müll landet auf einer riesigen Müllkippe — oder direkt in der Umwelt. „Eine Kreislaufwirtschaft existiert kaum“, sagt sie.
Schwester Elis fährt mit dem Team des Recyclinghofs auf einem Pickup zu einer Kirchengemeinde, um den gesammelten Müll abzuholen. In der Gemeinde machen etwa 20 Menschen, überwiegend Frauen, in der Recycling-Gruppe mit. „Durch unser Engagement ist das Viertel schon sauberer geworden“, sagt die Projektleiterin.
„Es ist ein Anfang“, sagt Schwester Elis, „wir werden noch mehr Menschen zusammenbringen, um etwas zu verändern und das „gemeinsame Haus“ Amazonas zu retten.“
Adveniat-Weihnachtsaktion 2025 „Rettet unsere Welt — Zukunft Amazonas“: Unter dem Leitwort „Rettet unsere Welt — Zukunft Amazonas“ ruft Adveniat dazu auf, sich an die Seite der Menschen zu stellen, die für die Bewahrung des Amazonas als „gemeinsames Haus“ und als globale Grundlage für zukünftige Generationen einstehen. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember 2025 in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45.
Weitere Informationen, u. a. zu Online-Spenden, finden Sie hier.
Katholikinnen und Katholiken zu Gast in Würzburg
Zwischen Main und Weinbergen
Von Florian Liebler, Geschäftsführer im Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg
Zu erleben sind Podiumsdiskussionen mit Prominenten und Politikerinnen und Politikern, Werkstätten, in denen Neues ausprobiert werden kann, Gottesdienste in den vielfältigsten Formaten, Open-Air-Konzerte, Ausstellungen, Theater, Kabarett und Kleinkunst.
Vom 13.-17. Mai 2026 findet der 104. Katholikentag in Würzburg und damit erstmals seit 14 Jahren wieder in Bayern statt. Unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ werden tausende Menschen fünf Tage lang gemeinsam diskutieren, feiern, singen und beten. Hier spielen aktuelle gesellschaftspolitische Themen ebenso eine wichtige Rolle wie spirituelle Themen und vielfältige kulturelle Veranstaltungen. Bereits im März 2025 wurde die Werbelinie mediengerecht vor der einmaligen Kulisse der Würzburger Festung auf der alten Mainbrücke präsentiert. „Aufstehen, damit sich etwas verändert! Das ist wichtig“, sagte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Vorsitzende der Katholikentagsleitung, Irme Stetter-Karp. „So wie es Bartimäus im Markusevangelium tut. Er wird von seiner Blindheit geheilt, weil er sich traut, seine Stimme zu erheben.“ „Hier in Würzburg wollen wir mutig und beherzt Zeugnis für unseren Glauben ablegen“, äußerte sich Bischof Franz Jung bei der Vorstellung. „Denn er schenkt uns eine Haltung der Zuversicht, der Hoffnung und der Verbundenheit.“
Gastgeberinnen und Gastgeber vor Ort
Gläubige aus dem Bistum Würzburg freuen sich, viele Gäste aus Bayern und ganz Deutschland zwischen Main und Weinbergen begrüßen zu können. „Wir wollen gute Gastgeber sein“ betont Dominik Großmann, Referent des Bistums Würzburg für den Katholikentag. Er selbst freue sich schon darauf, wenn in der gesamten Stadt Katholikentagsatmosphäre herrschen wird. „Dazu gehört auch Livemusik – in der Stadt, in den Kirchen, unter freiem Himmel.“ Musikerinnen und Musiker aus dem gastgebenden Bistum sind ebenfalls bereits kreativ geworden und komponierten Lieder rund um das Motto „Hab Mut, steh auf!“
Mehr als 600 Bewerbungen wurden bei der Bewerbungsphase für das thematische Programm sowie die Gottesdienste eingereicht. „Insgesamt gibt es Programmvorschläge für alle Generationen. Unter den Bewerbenden sind Pfarreien vor Ort genauso wie Diözesanräte und katholische Verbände und Organisationen aus ganz Deutschland. Auch ökumenische Partner und Initiativen sind zahlreich vertreten. Die Kooperationsmöglichkeit mit nicht-kirchlichen Organisationen wurde ebenfalls genutzt”, so Maritess Vollrath, Abteilungsleiterin Programm beim Katholikentag. Das Programm entsteht aus den eingegangenen Vorschlägen sowie aus den elf Arbeitskreisen, die von der Katholikentagsleitung zu verschiedenen Themenbereichen eingesetzt wurden. Die Arbeitskreise kuratieren das Programm anhand der eingegangenen Vorschläge aus dem Bewerbungsverfahren und ergänzen diese um eigene Veranstaltungen, sodass daraus am Ende ein Gesamtprogramm mit etwa 700 Veranstaltungen entsteht. Das endgültige Programm wird im März 2026 veröffentlicht.
Stadt als Bühne
Die Veranstaltungen werden vor allem in der Innenstadt sowie auf Flächen am Main geplant und damit fußläufig gut zu erreichen sein. Los geht es am Mittwoch, 13. Mai 2026 mit der offiziellen Eröffnung auf dem Unteren Markt. Beim anschließenden „Abend der Begegnung“ präsentieren sich die unterschiedlichen Regionen des gastgebenden Bistums Würzburg auf verschiedenen Plätzen in der gesamten Innenstadt. Dabei werden den Gästen aus nah und fern u. a. kulinarische Köstlichkeiten aus Unterfranken angeboten. Kulturelle Beiträge laden darüber hinaus zum Verweilen ein. Am Donnerstag findet ein Großgottesdienst zu Christi Himmelfahrt unter freiem Himmel statt. Diesem folgen bis Samstag hunderte weitere Veranstaltungen, ehe der Abschlussgottesdienst am Sonntag, 17. Mai 2026, einen letzten Höhepunkt des Großereignisses setzt. Die Gottesdienste zu Christi Himmelfahrt am Donnerstag sowie der Abschlussgottesdienst am Sonntag werden ebenso wie große Konzerte vor der beeindruckenden barocken Kulisse der Residenz, UNESCO-Welterbe, stattfinden.
Kirchenmeile und Tickets
Die Planungen für die Kirchenmeile laufen auf Hochtouren. Etwa 250 Stände sind entlang der Leonard-Frank-Promenade und auf dem Viehmarktplatz direkt am Mainufer vorgesehen. Dort können Organisationen und Einrichtungen mit Katholikentagsbesucherinnen und -besuchern sowie Laufpublikum in Kontakt kommen. Neben der mehrtägigen Teilnahme mit Dauerkarte ist Würzburg dank guter Zuganbindung und zentraler Lage auch für Tagesausflüge attraktiv. Für alle, die nicht persönlich teilnehmen können, ist geplant, einen Teil der Veranstaltungen zusätzlich digital anzubieten. Tickets gibt es auf der Website unter katholikentag.de/karten. Besonders für junge Teilnehmende bis 25 Jahren gibt es mit dem sogenannten „Mutmach-Ticket“ ein attraktives Angebot: Das für alle Tage geltende Dauerticket kostet 25 €.
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Zukunft der Landwirtschaft 2
Mit dem Werkbrief Zukunft der Landwirtschaft 2 legt die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) eine Fortsetzung vor, die zentrale Zukunftsfragen der Landwirtschaft in den Blick nimmt. Themen wie der Generationswechsel in den Betrieben, die psychische Gesundheit von Landwirtinnen und Landwirten sowie das Zusammenwirken von Natur, Wald und landwirtschaftlicher Nutzung werden aufgegriffen. Dabei geht es nicht nur um die ökonomischen Rahmenbedingungen, sondern auch um die Bedeutung der Familie, politische Weichenstellungen und die Verantwortung für die Naturkreisläufe.
Verfasst vor allem von Mitgliedern der KLJB, besticht der Band durch persönliche Erfahrungen, Fachwissen und spürbare Leidenschaft. Wie bereits im ersten Teil darf auch diesmal eine theologische Mitmach-Gruppenstunde nicht fehlen, die sich am Ende des Heftes findet und zur Auseinandersetzung mit Glauben und Landwirtschaft anregt. (hb)
Katholische Landjugendbewegung (2025), Zukunft der Landwirtschaft 2. Ein Werkbrief mit Expertise. 88 S., 11,00 EUR.
Stille Nacht, aufgewacht
Mit seinem neuen Buch Stille Nacht, aufgewacht legt Ludwig Pritscher eine Sammlung aufmunternder und zugleich provozierender Texte vor, die helfen wollen, Weihnachten nicht zu verschlafen. Der Autor – langjährig in der Seelsorge, im Religionsunterricht und als Pastoralreferent tätig – verbindet theologische Tiefe mit griffiger Sprache, Humor und einer Prise Provokation.
Pritscher beklagt, dass das Wunder der Heiligen Nacht im jährlichen Festtagsrummel oft übersehen wird. Seine Texte laden dazu ein, neu auf das Kind in der Krippe zu blicken und so das eigene Leben und die Welt mit frischem Glanz wahrzunehmen. Damit eignet sich das Buch nicht nur für die private Lektüre, sondern auch als Anregung für Predigten oder Lesepredigten in Wort-Gottes-Feiern während der Weihnachtszeit. (hb)
Pritscher, Ludwig (2025), Stille Nacht, aufgewacht. Aufmunternde und provozierende Texte, damit wir Weihnachten nicht verschlafen. 120 S., kartoniert, Verlag Friedrich Pustet, 14,95 EUR.
Trauercafés – Orte des Trostes in Bayern
In ganz Bayern gibt es katholische Trauercafés, die Menschen nach dem Verlust eines Angehörigen einen geschützten Raum eröffnen. Sie werden von Caritas, Hospizvereinen und Pfarreien getragen und sind vielerorts fest im Gemeindeleben verankert. Bei Kaffee und Kuchen entsteht die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen zu teilen und neue Kraft zu schöpfen. Geschulte Ehrenamtliche und Seelsorgerinnen sowie Seelsorger begleiten die Treffen einfühlsam.
Die Angebote sind offen für alle – unabhängig von Konfession oder Weltanschauung. Charakteristisch für die katholischen Trauercafés ist, dass sie Gespräch, Ritual und geistliche Impulse miteinander verbinden. So wird Trauerbewältigung mit christlicher Hoffnung verknüpft.
Für die Pastoral vor Ort bedeutet dies: Trauercafés schaffen offene Türen in die Gemeinde und zeigen, dass Kirche gerade in schweren Zeiten ein Ort des Trostes sein kann. Wer ein Angebot in seiner Nähe sucht, wird bei Caritasverbänden, Hospizvereinen oder im Pfarramt fündig. (hb)
Weitere Informationen zu Trauercafés:
- Trauercafé | Bistum Passau
- Trauercafe Palling
- Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung e.V.:
- Erzbistum München – Angebote für Trauernde
- Trauer-Café - KEB Amberg-Sulzbach
- Übersicht Seelsorge Stadtkirche Nürnberg
- Seelsorge Angebote Regensburg
Adventsfenster, die Hoffnung schenken
Adventszeit heißt, Gemeinschaft sichtbar werden zu lassen. Verschiedene Pfarreien zeigen, wie das geht:
In Stockheim (Oberfranken) öffnet sich ab dem 1. Dezember täglich um 18:30 Uhr ein liebevoll gestaltetes Adventsfenster. Vereine, Familien oder Geschäfte übernehmen die Gestaltung, oft mit Bewirtung. Der Erlös kommt einem guten Zweck zugute – eine Aktion, die den ganzen Ort verbindet.
In Pöcking bei Passau lädt seit 2010 die Stiftung für Pöcking zum Lebendigen Adventskalender ein. Jeden Abend im Dezember öffnet sich ein anderes Fenster oder eine Tür im Ort. Familien, Vereine oder Initiativen gestalten die Begegnungen mit Liedern, Geschichten und adventlichen Impulsen – Licht und Gemeinschaft in der dunklen Jahreszeit.
In Merching im Bistum Augs- burg lädt die Gemeinde zu den Merchinger Adventsfenstern ein. Jeden Abend öffnet sich an einem anderen Haus oder in einer Einrichtung ein geschmücktes Fenster, begleitet von kurzen Impulsen, Musik und Begegnung im Freien. Familien, Gruppen und Vereine gestalten die Abende gemeinsam, um die Adventszeit bewusst und gemeinschaftlich zu erleben.
Solche Aktionen sind leicht in Pfarreien umsetzbar – als Adventsimpuls, als Begegnungsort und als sichtbares Zeichen von Hoffnung. (hb)