Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: November-Dezember 2025

Aus dem Landeskomitee

Kontakte gefestigt, Netzwerk ausgebaut

Von links: Alexandra Hofstätter, Michael Wolf, Katharina Vogt, Bischof Stefan Oster SDB und Christian Gärtner. Foto: Susanne Simperl / PBP

Hinter dem neugewählten Präsidium des Landeskomitees liegt ein Herbst voller Antrittsbesuche – das Team um den Vorsitzenden Christian Gärtner hat sich mit unterschiedlichen Personen aus Politik, Wirtschaft und Kirche getroffen, um sich über aktuelle Themen und Standpunkte auszutauschen.

Den Auftakt in einer Reihe von Gesprächen mit den bayerischen Bischöfen machte im September ein Treffen mit dem Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer. Im Zentrum dieses Treffens stand ein Austausch über aktuelle gesellschaftspolitische Themen sowie innerkirchliche Entwicklungen in Bayern.

Im Gespräch mit Bischof Rudolf Voderholzer informierten sich die Mitglieder des Präsidiums ausführlich über aktuelle Prozesse im Bistum Regensburg. Von links: Michael Wolf, Christian Gärtner, Bischof Rudolf Voderholzer und Katharina Vogt. Foto: Dr. Dr. Stefan Groß / Bistum Regensburg

Bischof Rudolf Voderholzer ermutigte die Mitglieder des Präsidiums, sich als engagierte Laienvertretung weiterhin bei gesellschaftlich relevanten Themen einzubringen und die Stimme der Gläubigen zu sein. Beide Seiten betonten die Bedeutung eines offenen und kontinuierlichen Dialogs. Bischof Voderholzer wies darauf hin, dass das Landeskomitee eine Brücke zwischen kirchlichen und politischen Themen schlagen könne – auf Landes-, Bundes- und Europaebene. In einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft sei es wichtig, die Fundamente des christlichen Glaubens in die Gesellschaft zu tragen. Zudem informierten sich die Präsidiumsmitglieder über aktuelle Prozesse im Bistum Regensburg, wie etwa die „Pastorale Entwicklung 2034“ und die Katechistenausbildung.

Finanzfragen

Mit Domkapitular Alfred Rottler, der für die Zeit der Bischofsvakanz im Bistum Eichstätt zum Diözesanadministrator gewählt wurde, hat sich das Präsidium intensiv über die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt sowie das Thema „Kirchenfinanzen“ ausgetauscht. Die Katholische Universität sei ein Leuchtturmprojekt mit großer Strahlkraft, darin war man sich einig. Sie habe ein hervorragendes Renommee, sowohl bei Studierenden wie auch bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Auch in Zeiten zurückgehender finanzieller Spielräume müsse dieses Projekt weitergeführt werden.

Andererseits müsse man die Realität stinkender Kirchensteuereinnahmen erkennen und Maßnahmen ergreifen. Der Vorsitzende des Landeskomitees, Christian Gärtner, machte anhand einiger Beispiele der vergangenen Jahre deutlich, dass diese Maßnahmen nicht immer zielführend seien. Vielfach habe man in jüngerer Vergangenheit bei den Sparplänen der Diözesen das Augenmerk auf die Zuschussempfänger gerichtet. Mit Kürzungen der Zuschüsse an Verbände und ähnliche Einrichtungen ließe sich jedoch lediglich ein minimaler Prozentsatz am Gesamthaushaltsvolumen sparen. Gleichzeitig führten diese Maßnahmen bei Ehrenamtlichen und Gläubigen vor Ort zu viel Frust, weswegen er dies für den falschen Weg halte, so Christian Gärtner. Ähnliche verhalte es sich bei pauschalen Kürzungen für die Pfarrgemeinden. Größere Einsparpotentiale werden dagegen im Verwaltungsbereich bei den Ordinariaten gesehen. Hier müsste man diözesanübergreifendes Zusammenarbeiten der einzelnen Abteilungen noch stärker in den Blick nehmen.

„Hab Mut, steh auf“

Mit Würzburgs Diözesanbischof Franz Jung warfen die Mitglieder des Präsidiums einen Blick voraus in den Mai 2026, wenn mit dem 104. Deutschen Katholikentag ein großes Glaubensfest in der Metropole am Main stattfinden soll. Das Motto „Hab Mut, steh auf“ sei gut gewählt. Gerade in unserer Gegenwart mit all ihren Herausforderungen und Sorgen können Christinnen und Christen, getragen von ihrer christlichen Hoffnung, Zeichen setzen und Leitfiguren sein für andere.

Mutig zu sein und aufzustehen, gegen Populismus und für eine gerechte, solidarische Gesellschaft, das gelte es auch bei den bevorstehenden Wahlen im Jahr 2026: wenn am 1. März 2026 die neuen Pfarrgemeinderäte gewählt werden ebenso wie am 8. März 2026, wenn es um den Einzug in die Lokalparlamente geht. Die Mitglieder des Präsidiums betonten in diesem Kontext, dass das Papier der deutschen Bischöfe Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar bei den engagierten Gläubigen positiv aufgenommen worden sei. Gerade mit Blick auf die gesellschaftliche Situation und die bevorstehenden Wahlen begrüßten viele Ehrenamtliche an der Basis in den Pfarrgemeinden das Papier, das im vergangenen Jahr von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossen worden sei.

Integration im Fokus

Beim Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx ging es neben der aktuellen Debatte um das Thema „Wehrpflicht“ auch um Fragen nach Migration und Integration, die das Landeskomitees bei seiner diesjährigen Herbstvollversammlung vertieft hat. Man war sich einig darin, dass es gelingen müsse, ein positives Narrativ von Migration und Integration zu zeichnen. Kardinal Reinhard Marx fasste dies in fünf Punkten zusammen: alle Geflüchteten seien menschenwürdig zu behandeln, man müsse ihnen ein faires Verfahren ermöglichen und dürfe sie nicht zurückschicken in Länder, in denen ihnen politische oder religiöse Verfolgung drohten. Das Mittelmeer dürfe kein „Meer der Toten“ werden. Fluchtursachenbekämpfung müsse verstärkt werden.

Um das Senden positiver Botschaften gehe es laut Kardinal Reinhard Marx auch beim Thema „Synodalität“. Zu den Ergebnissen des Synodalen Wegs in der deutschen Kirche sagte Marx: „Ich würde mir wünschen, dass wir diesen ersten Prozess nicht mit einer 20-seitigen Ansammlung von Forderungen an den Papst beenden, sondern mit einem Bekenntnis, was wir sein wollen, was wir beitragen wollen. Wir können nicht ständig Listen aufstellen, was andere tun sollen.“ In Rom werde derzeit noch diskutiert, ob es in Deutschland ein überdiözesanes synodales Gremium geben dürfe. „Wenn Rom einverstanden ist, habe ich die Bitte und die Hoffnung, dass wir auch mit den Bischöfen, die den Weg jetzt nicht mitgegangen sind, wieder zusammenkommen und zu einer Übereinkunft kommen“, so der Kardinal, „es stimmt nicht, dass wir gespalten sind“.

Zu Gast im Landtag

Um ethische Fragen wie den § 218 StGB und die Situation der Kommunen ging es beim Gespräch mit Florian Streibel (FW). Von links: Silvia Wallner-Moosreiner, Christian Gärtner, Florian Streibl MdL, Michael Wolf und Katharina Vogt. Foto: Landeskomitee

Neben den bayerischen Bischöfen hat sich das Präsidium auch intensiv mit den religionspolitischen Sprecherinnen und Sprechern der demokratischen Fraktionen im Bayerischen Landtag ausgetauscht. Bei den Gesprächen mit Katja Weitzel und Doris Rauscher (SPD), Thomas Huber (CSU) und Florian Streibel (FW) ging es unter anderem um die Idee, einen Landesbetroffenenbeirat für Bayern zu installieren, um das neue bayerische Ladenschlussgesetz, um Integration und die Zusammenarbeit von Staat und Kirchen.

Die Mitglieder des Präsidiums machten deutlich, dass kirchliche Organisationen zwar in besonderer Verantwortung stünden, was die Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch angehe, dass sich dieses Thema jedoch nicht auf die Kirchen beschränke. Aus diesem Grund habe man sich mit der Petition „Gewalt an Kindern und Jugendlichen entschlossen entgegentreten!“, die neben der Einrichtung eines Landesbetroffenenbeirats auch die Einsetzung einer bayernweiten unabhängigen Aufarbeitungskommission, eine Ombudsstelle und einen Landesbeauftragen für Missbrauchsfragen fordert, intensiv befasst. Missbrauch sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Deswegen sehe man auch den Staat in der Verantwortung, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Von links: Alexandra Hofstätter, Michael Wolf, Katharina Vogt, Bischof Stefan Oster SDB und Christian Gärtner. Foto: Susanne Simperl/pbp

Aktuelle gesellschaftspolitische Fragen – etwa wie KI unser Leben verändert und wie diese neuen Technologien auch für kirchliche Organisationen im Sinne der Menschen eingesetzt werden können – standen im Fokus des Gesprächs mit dem Passauer Diözesanbischof Stefan Oster SDB. Das Medienapostolat und die Frage, wie junge Menschen Hoffnung im Glauben finden können, sind laut Bischof Stefan Oster SDB zwei große Schwerpunkte für ihn. Im Gespräch mit dem Präsidium des Landeskomitees konnte man vielseitig dort anknüpfen. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer, dass mit der KI eine technologische Revolution gekommen sei, wie man sie seit langem in der Geschichte nicht erlebt habe. Es gelte nun, die neuen Möglichkeiten zum Wohle der Menschen einzusetzen, die Gefahren zu reflektieren und Antworten zu finden, die den Menschen und ihr Menschsein in den Mittelpunkt stellten. So könne ohne weiteres KI in der Telefonseelsorge eingesetzt werden. Dies sei jedoch nicht der richtige Weg, so Bischof Oster. Gerade die Menschen, die sich an die Telefonseelsorge wandten, erwarteten echte menschliche Ansprache, aufrichtiges Zuhören und Mitfühlen. KI-generierte Antworten seien eher das Gegenteil. Gerade mit Blick auf immer mehr neue technische Möglichkeiten und Medienplattformen müsse Medienbildung intensiviert und Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche noch stärker in den Blick genommen werden, so die Mitglieder des Präsidiums.


Verfasst von:

Alexandra Hofstätter

Geschäftsführerin des Landeskomitee der Katholiken in Bayern