Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: November-Dezember 2025

Schwerpunkt

Rückblick auf die PGR-Periode und Ausblick

Ehrenamt prägt das Gesicht der Pfarrei — Projektarbeit und Kooperationen stärken Beteiligung vor Ort. Grafik: Kampagne zur PGR-Wahl

Pfarrgemeinderäte im Wandel

Nach der Wahl ist vor der Wahl – was für die Politik gilt, gilt auch bei den Pfarrgemeinderäten, obwohl hier die Kandidierenden meist nicht mehr Schlange stehen, um dieses Ehrenamt auszuüben.

Die letzte Wahl im Jahr 2022 fand noch unter dem Eindruck der Corona-Pandemie statt. Etliche haben dies als Anlass genommen, sich aus dem Ehrenamt zurückzuziehen und sich anderen Themen zuzuwenden. Dagegen hat es auch viele gegeben, die sich (wieder) zur Wahl stellten, da ihnen die Kirche vor Ort wichtig ist. Sie wissen, dass Kirche nur durch die Engagierten lebendig wird und glaubwürdig in die Praxis umgesetzt werden kann. Die gewählten Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte sind sich bewusst, dass sie sich verpflichtet haben, vier Jahre in der Gemeinde aktiv zu sein. Nur die wenigsten geben ihr Amt vorzeitig zurück.

In den vergangenen vier Jahren hat sich ein Trend verstärkt, der auch schon vorher beobachtbar war: Es gibt viele Engagierte, aber die Spielregeln, nach denen sich eingebracht wird, sind andere. Sie treten selbstbewusster auf und wollen auch mitbestimmen. Sie sind keine Befehlsempfänger, sondern wollen mitgestalten. Auch der Trend weg vom „lebenslangen Ehrenamt“, sprich: wenn man eine Aufgabe einmal übernommen hat, dann macht man das auch jahrzehntelang, ist auch bei den Pfarrgemeinderäten spürbar. Nach ein bis zwei Wahlperioden möchte man nicht mehr kandidieren und sucht sich etwas anderes aus. Manche, die erstmals im Pfarrgemeinderat sind, sind auch ein wenig ernüchtert, da es zum Teil trotzdem „harte Arbeit“ ist und man auch manche Anfeindungen erleben muss. Wie in vielen anderen Bereichen zu beobachten, sind Kritiker immer schneller zur Hand, ohne dabei einen konstruktiven Vorschlag zu machen. Pfarrgemeinderäte geben der Kirche ein Gesicht und sind somit angreifbar. Sie müssen nicht nur für die Fehler in der eigenen Pfarrei einstehen, sondern auch für die großen Verfehlungen, die in den vergangenen Jahren ans Licht gekommen sind, obwohl sie hier keine Verantwortung zu tragen haben.

Veränderungen mitgestalten

Zunehmend wird die Abkehr von der „Volkskirche“ zu einer „Kirche im Volk“ sichtbar, was auch komplett neue Herausforderungen mit sich bringt. Dabei findet vieles nicht gleichzeitig statt. In manchen Großstädten sind Christinnen und Christen (nicht nur Katholikinnen und Katholiken) schon in der Minderheit, in manchen ländlichen Gemeinden ist die Welt noch (scheinbar) in Ordnung. Wenn etwas nicht mehr selbstverständlich ist, braucht es viel mehr Erklärungen nach dem „Warum“. Dies gilt natürlich für den Glauben und das allgemeine kirchliche Engagement, aber noch mehr für den Pfarrgemeinderat (PGR), der von Außenstehenden gerne als „Abnickgremium“ oder „Aktivkreis“ gesehen wird. Innerkirchlich stellt er ein synodales Gremium dar. Er bringt das gemeinsame Unterwegssein aller Gläubigen, Amtsträger wie Laien, zum Ausdruck, das im gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen seine Grundlage hat. Ein kluger Pfarrer wird auf „seinen“ PGR hören und kluge Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte werden die Anregungen des Pfarrers aufnehmen, wenn sie aktiv werden. Gerade dieses gute Miteinander — und nicht Gegeneinander — wird dann attraktiv und glaubwürdig für Außenstehende, denn „bei euch aber soll es nicht so sein“ (Mk 10,43).

Gerade die Pfarrgemeinderäte wollen diese Veränderungsprozesse auch mitgestalten, da ihnen das konkrete Glaubensleben vor Ort ein Anliegen ist. Sie haben sich für vier Jahre bereit erklärt, sich aktiv in Pfarrei und Kirche einzubringen. Sie wissen, dass das hauptamtliche pastorale Personal nur den Grundbedarf des kirchlichen Vollzugs abdecken kann, aber das Gemeinde- und Glaubensleben – vor allem in kleinen Orten – nur durch die Ehrenamtlichen lebendig gehalten werden kann. Dennoch muss man auch realistisch sein: so wie die Zahl der Katholikinnen und Katholiken geringer wird, gehen auch die Zahlen der Engagierten zurück und manches, was im Pfarrleben bisher selbstverständlich war, kann nicht mehr durchgeführt werden. Viele merken erst dann, wenn etwas nicht mehr vorhanden ist, wie wichtig es ihnen eigentlich ist. Hier besteht die Hoffnung, dass dadurch neue Initiativen entstehen. Andererseits wird dadurch auch manches, das überholt ist, beendet.

Weniger Ressourcen – trotzdem viel erreichen

Dennoch kann man auch mit weniger Ressourcen viel erreichen. Die Pfarreien müssen dazu klare Ziele festlegen und auch Prioritäten setzen. Manches Angebot hat sich überholt und muss kritisch hinterfragt werden. Anderes dagegen gehört zum Markenkern einer Pfarrei und sollte vertieft werden. Dazu gehört auch, dass die Laienbeteiligung ausgeweitet wird und sich möglichst viele einbringen können. Manchmal ist es besser, im Team zu arbeiten oder mit weltlichen Vereinen zu kooperieren. Auch muss es selbstverständlich sein, dass man sich nach einer gewissen Zeit wieder verabschiedet. Die wenigsten wollen heute ein „lebenslanges Ehrenamt“. Somit ist auch ein kurzzeitiges Engagement (oder bei den Pfarrgemeinderäten: nur eine Wahlperiode) förderlich. Auch Schulungen für einen bestimmten Themenbereich können hilfreich für eine Beteiligung sein. In vielen Diözesen werden Pfarreiengemeinschaften oder Seelsorgebereiche gebildet. Hier bietet es sich an, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen und Kooperationen mit den Nachbargemeinden zu bestimmten Themen einzugehen. Auch Schulen können mögliche Kooperationspartner sein. Weitere Kooperation sind auch mit den Kommunen denkbar, wenn es z.B. um Seniorenarbeit geht. Oftmals gibt es Doppelungen, die vermieden werden können. Da auch die finanziellen Mittel begrenzt sind, sollten auch Überlegungen angestellt werden, wie digitale und kostengünstige Formate eingerichtet werden. Newsletter, Social Media, digitale Feedback-Kanäle für Reichweite und Beteiligung sind relativ leicht handzuhaben, ohne hohe Kosten zu erzeugen.

Projektorientierung statt Daueraufgaben

Der Trend geht auch im kirchlichen Bereich hin zu Projekten, die durchgeführt werden. Kleine, klar umrissene Projekte, die klar definiert sind und auch einen konkreten Abschluss haben, sprechen für eine höhere Beteiligung. Dazu gehört eine regelmäßige Evaluierung und Auswertung der Projekte, damit der Aufwand, der in diesem Bereich betrieben wird, auch als sinnvoll festgestellt und dadurch wertgeschätzt wird. Eine Kultur der Wertschätzung sollte in einer Pfarrei selbstverständlich sein. Das betrifft nicht nur die Leitung, sondern auch die Ebene der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander. Jede und jeder, der etwas für das Pfarrleben beiträgt, ist wichtig und wertvoll. Konkurrenzdenken ist hier nicht hilfreich.

Das Thema „Finanzen“ muss von den Verantwortlichen transparent angegangen werden. Regelmäßige Kommunikation über verfügbare Mittel und Bedarfe gerade im Pfarrgemeinderat ist wichtig, um die Geldmittel richtig einsetzen und die Verteilung regeln zu können. Klare Budgetpläne können dafür hilfreich sein. Wenn auch gewisse „Spielregeln“ bei der Verwaltung eingehalten werden müssen, darf nicht vergessen werden, dass Kirche von Begegnung und nicht von Bürokratie lebt. Klare Rollen und kurze Entscheidungswege, die auch allgemein bekannt sind, sind dafür nützlich. Ganz praktisch sollte in Zeiten zurückgehender finanzieller Mittel der Fokus auf die Wiederverwendbarkeit von Materialien und Formaten gelegt werden. Nachhaltigkeit kommt schließlich auch der Umwelt zugute.

Letztendlich braucht es auch in Zukunft im Pfarreileben viel Geduld und eine gesunde Portion Realismus. Veränderungen erfordern Zeit und vieles wird sich erst im Lauf der Zeit entwickeln. Wenn die Grundhaltung stimmt, dass der christliche Glaube trägt, dann wird die Zukunft zwar Veränderungen mit sich bringen, aber diese können auch für die Kirche fruchtbar sein, da sie vielleicht den Fokus wieder auf das Wesentliche lenken.


Verfasst von:

Manfred Fürnrohr

Geschäftsführer Diözesane Räte im Bistum Regensburg