Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: November-Dezember 2025

Schwerpunkt

Von Mut und Synodalität

Synodalität in Bewegung: Der Synodale Weg hat einen Kulturwandel angestoßen, der nun in Gemeinden und Diözesen sichtbar wird. Foto: Synodaler Weg/Jochen Reichwein

Synodalität vor Ort — Erfahrungen und Umsetzung

Ein Dorf wandelt seinen Kirchenraum — und wächst als Gemeinschaft. Erfahrungen aus einer Gemeinde und Einblicke in das Monitoring des Synodalen Weges zeigen, wie Beteiligung wirkt und wo Hürden liegen.

Die Pfarrkirche in meinem Dorf wurde in den 1960er Jahren erbaut, ein quadratischer Bau aus Beton, im Westen ein erhöhter Bereich mit 3 Stufen und darauf der Altar, auf dem Terracottaboden davor die langen Kirchenbänke aus Eichenholz, Richtung Osten eine Fensterfront.

Als Gemeinde haben wir uns in diesem Kirchenraum immer wohl gefühlt. Bis wir erlebten, dass viele Plätze in dieser eh nicht so großen Kirche beim Gottesdienst leer blieben und sich die Anwesenden vereinzelt in langen Bänken verteilten und Distanzen spürbar größer wurden.

Das war der Beginn eines längeren Prozesses. Der Weg verlief nicht stolperfrei und erforderte etwas Mut. Viele waren für Veränderungen, einige hatten Bedenken und wollten das Gewohnte nicht aufgeben. Letztlich haben wir eine längere Zeit des Übergangs ermöglicht, immer wieder nachgefragt, Ideen integriert. Wir haben das Äußere verändert und damit einen Wandel im Inneren ermöglicht.

Wir haben die Kirchenbänke abgebaut. Wir sitzen jetzt mit Stühlen auf dem Terracottaboden in einem Kreis. Die Stühle lassen sich an den Bedarf anpassen und sind alle besetzt. Die alten Kirchenbänke hat ein örtlicher Schreiner abgeschliffen und daraus einen neuen Altar gebaut. Den haben wir in die Mitte geholt, ebenerdig, womit sich für alle ein neuer Raum eröffnet. Und der Altar ist nach Osten ausgerichtet, dorthin wo das Licht in die Kirche fällt.

Es ist enorm, was diese wenigen Veränderungen ausmachen. Es ist nicht nur theologisch eine wertvolle Erfahrung, dass wir uns mit dem Blick ins Licht wieder viel bewusster an die Auferstehung erinnern, auch das Gemeinschaftsgefühl untereinander ist gewachsen, man sieht sich gegenseitig, nimmt die anderen wahr, die Verbindungen sind wieder stärker geworden. Als wir die Osternacht in diesem Jahr gefeiert haben, hat sich der Raum gefüllt mit Leben und Gesang, und bei der Agape-Feier stand die ganze Gemeinde mit Brot und Wein zusammen mitten im Kreis um den Altar.

Daran muss ich denken, wenn es um Partizipationsmöglichkeiten vor Ort geht. Es macht einen Unterschied, wenn Menschen aus der Mitte der Gemeinde heraus mitgestalten, ihre Ideen einbringen, Risiken benennen und gemeinsam beraten und entscheiden.

Der Synodale Weg als Rückenwind

Für all dies fühle ich mich gestärkt durch den Synodalen Weg, dem großen Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland. Ich bin davon überzeugt, dass der Synodale Weg einen Kulturwandel in Deutschland begründet hat. Wir haben ein synodales Miteinander, das in vielen Diözesen längst gute Praxis ist, auch deutschlandweit eingeübt und – gemeinsam als Laien und Bischöfe – überregionale Beschlüsse gefasst für die Zukunft unserer Kirche. Wir haben uns über die Grundlagen unseres Handelns verständigt (hiervon zeugen die verabschiedeten 3 Grundtexte, ein Orientierungstext und eine Präambel) und haben in 10 Handlungstexten konkrete Umsetzungsschritte beschlossen.

Wie weit sind wir mit der Umsetzung dessen gekommen? Den Auftrag zur Rechenschaftslegung darüber, wie die Bistümer und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) die bisherigen Beschlüsse des Synodalen Weges umgesetzt haben, hat der aktuell amtierende Synodale Ausschuss in die Hände einer Kommission für „Monitoring & Evaluation“ gelegt. Sie hat ihre Arbeit im Juni 2024 aufgenommen. Ihr gehören 10 gewählte Mitglieder an, die Geschäftsführung liegt in den Händen von Charlotte Dietrich und geleitet wird sie von Bischof Franz Jung und mir.

Die Kommission hat zwei zentrale Aufgaben. Die eine Aufgabe ist das Monitoring der Beschlüsse des Synodalen Weges - mit den Fragen, ob das, was wir beschlossen haben, umgesetzt wurde, was bei der Umsetzung helfen kann und welche Beispiele und Erfahrungen sich in der Praxis bewährt haben. Die zweite Aufgabe ist die Evaluation des hinter uns liegenden Synodalen Weges mit den Fragen, wie wir - im Rückblick auf diesen Prozess – die Weichen für ein bundesweites synodales Gremium der Zukunft stellen wollen.

Befragungen und Rückmeldungen

Für das Monitoring hat die Kommission in zwei Befragungen am 20. Februar und am 20. Mai 2025 die 27 Diözesanbischöfe, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) angeschrieben und um Rückmeldungen zu folgenden auf dem Synodalen Weg beschlossenen Handlungstexten gebeten:

  1. Verkündigung des Evangeliums durch beauftragte Getaufte und Gefirmte in Wort und Sakrament
  2. Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs
  3. Der Zölibat der Priester - Bestärkung und Öffnung
  4. Segensfeiern für Paare, die sich lieben
  5. Grundordnung des kirchlichen Dienstes
  6. Lehramtliche Neubewertung von Homosexualität
  7. Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt
  8. Frauen in sakramentalen Ämtern – Perspektiven für das weltkirchliche Gespräch
  9. Prävention sexualisierter Gewalt, Intervention und Umgang mit Tätern in der katholischen Kirche

Hierzu sind inzwischen Rückmeldungen eingegangen bzw. angekündigt: aus DBK & ZdK sowie von 23 Bistümern: Aachen, Augsburg, Bamberg, Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Essen, Freiburg, Fulda, Görlitz, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Mainz, München und Freising, Münster, Osnabrück, Paderborn, Rottenburg-Stuttgart, Speyer, Trier, Würzburg. Die (Erz-)Bistümer Köln und Regensburg meldeten zurück, dass keine Beteiligung erfolgen wird wegen eines grundsätzlich anderen Verständnisses von Synodalität, aus Eichstätt und Passau liegen keine Rückmeldungen vor.

Laien-Predigt: Maßnahmen und Hürden

Wie sieht es nun vor Ort aus? Zur Frage der Laienpredigt hat unsere Kommission die o.g. Verantwortlichen gefragt, ob sie, wie im Synodalen Weg beschlossen, „im Verkündigungsdienst die Erhöhung des Frauenanteils und eine größere Vielfalt“ angestrebt haben. Dies wurde zu 100 Prozent bejaht. In der Umfrage wurde eine Vielzahl an Maßnahmen benannt, die hierfür ergriffen wurden, z.B. Initiativen zu Frauenpredigtwochen oder monatlichen Verkündigungen durch Frauen im Pastoralraum (mit Zustimmung von Priesterrat und Pastoralrat unter Vorsitz des Bischofs), Beauftragungen von haupt- und ehrenamtlichen Frauen im Beerdigungsdienst und die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die Empfehlungen zur Qualifikation und Beauftragung nicht ordinierter Personen synodal im Bistum erarbeitet.

Gleichzeitig haben wir die Beteiligten nach Hindernissen für eine Umsetzung gefragt. Eine Antwort verwies auf das geltende liturgische Recht, nach dem die Predigt Priestern und Diakonen vorbehalten ist, andere erwähnten eine fehlende Akzeptanz bei Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern. Es wurde auf die Erfahrung verwiesen, dass die Bereitschaft zur Übernahme des Verkündigungsdienstes nicht überall hoch ist und Ansprüche an die Predigt insgesamt gestiegen sind, dass Ressourcen fehlen zur Begleitung der Ehrenamtlichen und dass die Kultur im Bistum die Umsetzung bremst.

Gute Praxis stärkt

In einem „Freifeld“ konnten alle Adressaten danach Beispiele gelungener Praxis und stärkende Faktoren ergänzen. Hier wurde von diözesanen Frauentagen mit ökumenischer Dialogpredigt berichtet, von der Beteiligung der Erzieherinnen in der Kinderkatechese am Sonntag, von der Erfahrung, dass die Vielfalt der predigenden Laien wertschätzend wahrgenommen wird, dass Fortbildungsbausteine zum Verkündigungsdienst erarbeitet wurden und vorliegen, dass aktive Frauenverbände vor Ort wertvolle Arbeit leisten und dass sich das Zusammenwirken mit Ehrenamtlichen in Diasporagebieten besonders gut eingespielt hat.

Ergebnisse des Monitoring zu den ersten vier Texten haben wir im Mai 2025 beim Synodalen Ausschuss in Magdeburg vorgetragen, der zweite Teil wird im November 2025 in Fulda folgen. Die externe Evaluation zur Auswertung des Prozessgeschehens ist an Prof. Dr. Katharina Karl von der Universität Eichstätt-Ingolstadt vergeben und hat gerade die explorative Phase abgeschlossen. Ihre Ergebnisse werden auf der VI. Synodalversammlung 2026 in Stuttgart vorgestellt.

Ermutigend finde ich ein Fazit der bisherigen Auswertungen, „dass Engagement sich lohnt und Wirksamkeit entfacht“.  

Zum Nachlesen:

  • Birgit Mock. Radikal Menschlich. Von Brüchen und Aufbrüchen in der Kirche. Bonifatius-Verlag 2024.
  • https://www.synodalerweg.de/beschluesse (abgerufen am 7.9.2025)
  • https://www.synodalerweg.de/synodaler-ausschuss (abgerufen am 7.9.2025)
  • Mitglieder der Kommission II „Evaluation und Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges“: Dr. Thomas Arnold, Christian Gärtner, Erzbischof Herwig Gössl, Bischof Dr. Franz Jung, Wolfgang Klose, Dr. Martina Kreidler-Kos, Michaela Labudda, Birgit Mock, Weihbischof Ludger Schepers, Finja Miriam Weber
  • Für Ergebnisse wird hier auf den mündlichen und presseöffentlichen Bericht von Bischof Jung und Birgit Mock bei der Sitzung des Synodalen Ausschusses am 10. Mai 2025 in Magdeburg verwiesen.

Verfasst von:

Birgit Mock

Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)