Ausgabe: Januar-Februar 2026
Gesichter des LandeskomiteesBegeistert sein
Kirchliches Engagement hat viele Gesichter
Bernhard Stiedl (55 Jahre) engagiert sich seit 4 Jahren als Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern. Nach seiner ersten Amtszeit ist er 2026 für weitere vier Jahre zum bayerischen DGB-Chef gewählt worden. Ihm liegt besonders am Herzen, dass jeder Mensch in Würde leben und arbeiten kann — unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Lebenssituation. Seit Mai 2025 ist er Einzelpersönlichkeit im Landeskomitee.
Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich im kirchlichen Bereich?
Weil Kirche für mich mehr ist als ein Gotteshaus — sie ist auch ein Ort, in dem Menschen zusammenkommen, einander zuhören und füreinander einstehen. Diese Haltung deckt sich stark mit meinen gewerkschaftlichen Werten: Solidarität, Gerechtigkeit, Menschenwürde und denen eine Stimme geben, die sonst oft überhört werden. Im kirchlichen Engagement kann ich Themen einbringen, die mir wichtig sind — soziale Fragen, eine faire Arbeitswelt. Außerdem bietet die Kirche Räume, in denen Werte nicht nur diskutiert, sondern ganz praktisch gelebt werden.
Wie sind Sie zu Ihrem freiwilligen Engagement gekommen?
Ich bin in einer lebendigen Pfarrgemeinde aufgewachsen. Schon als Jugendlicher habe ich mich als Ministrant engagiert. Dabei habe ich in Gruppenstunden und bei Aktionen erlebt, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam etwas zu bewegen. Später, in meinem beruflichen Leben, hat sich diese Haltung wie ein roter Faden fortgesetzt: Engagement ist nichts, das man „irgendwann mal“ beginnt — es wächst mit den Erfahrungen, den Begegnungen und der Überzeugung, dass man selbst Teil der Lösung sein kann. Als sich die Gelegenheit ergab, mich im Landeskomitee einzubringen, war das für mich ein logischer Schritt.
Was beschäftigt Sie im Moment?
Gerade jetzt erleben wir große gesellschaftliche Veränderungen: den Strukturwandel in der Arbeitswelt, die wachsende soziale Ungleichheit, die Herausforderungen der Digitalisierung und die Fragen, wie wir den Klimawandel sozial gerecht bewältigen. Mich treibt besonders um, wie wir verhindern können, dass Menschen in diesen Umbrüchen zurückgelassen werden und sich in der Folge extremen Parteien zuwenden. Kirche und Gewerkschaften können hier wichtige Partner sein: Sie bieten Gemeinschaft, Orientierung und Unterstützung in einer Zeit, in der viele verunsichert sind. Es geht darum, Halt zu geben — und den Mut, sich für die gerechte Sache einzumischen.
Was wollen Sie bewegen?
Ich möchte erreichen, dass Solidarität wieder ein Grundpfeiler unseres Miteinanders wird. Das heißt für mich: gerechte Arbeitsbedingungen, faire Löhne, soziale Absicherung — aber auch Begegnungsräume, in denen Menschen unabhängig von Alter, Kultur oder Religion miteinander ins Gespräch kommen. Kirche kann dabei Brücken bauen und Themen anstoßen, die weit über den sonntäglichen Gottesdienst hinausgehen. Ich will, dass wir gemeinsam Strukturen schaffen, die niemanden ausschließen, und dass Engagement in Kirche, Gewerkschaft und Gesellschaft nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit gesehen wird.
Kirchliches Engagement hat Zukunft, weil...
... es Menschen in einer Zeit der Individualisierung miteinander verbindet. In der Kirche können Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Verantwortung für die Schöpfung konkret werden — nicht als abstrakte Begriffe, sondern als gelebte Praxis. Sie ist ein Ort, an dem jede und jeder die eigenen Fähigkeiten einbringen kann, um gemeinsam etwas zu bewirken. Solange Menschen bereit sind, füreinander einzustehen und Verantwortung zu übernehmen, wird kirchliches Engagement nicht nur eine Zukunft haben, sondern ein wichtiger Bestandteil einer solidarischen Gesellschaft sein.