Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: Januar-Februar 2026

Meditation

Brachzeit

Foto: photomat (pixabay)

Nach einem langen Arbeitstag gehe ich hinaus ins Freie. Es ist kalt. Nur ein paar Schritte, und ich bin zwischen Feldern und Wald. Ich atme tief durch. Ich spüre so richtig die kalte Luft. Ich schaue mich um, heute fällt mein Blick auf ein Feld. Es liegt leichter Schnee darauf. Es wirkt unbestellt. Wurde es vergessen, bevor der Winter kam? Oder liegt es absichtlich brach? Was ist überhaupt Brache? Auf meinem Nachhauseweg mache ich mich im Internet schlau: Eine Brache ist ein Ackerboden, der für einen bestimmten Zeitraum nicht genutzt wird, um die Regeneration des Bodens und die Biodiversität zu fördern. Dort, wo es die Dreifelderwirtschaft gibt, bleibt ein Drittel der Flur nach der Ernte liegen und wird erst im Jahr darauf im Sommer neu vorbereitet. Das macht mich nachdenklich. Am Abend, bei einer heißen Tasse Tee, frage ich mich, ob ich in meinem eigenen Leben Brachzeiten kenne? Ist das nicht Zeitverschwendung? Ich habe meinen Tages-, Wochen- und Jahresplan. Es gibt so viel zu erledigen, wenn ich da nicht effizient bin, komme ich ins Strudeln. Und was würden meine Kollegen und Kolleginnen denken, wenn ich mehr auf meine Überstunden achte oder öfter „nein“ sage?

Zugleich fühle ich mich oft müde und ausgelaugt. Ausgelaugt? Wie ein Boden, der ohne Pause fruchtbar sein muss? Ich merke, dass das Bild der Brache in der Landwirtschaft eine Botschaft für mich sein kann. Brach liegen, keine Fruchtbarkeit erzwingen, geschehen lassen. Das ist ein passiv-aktives Geschehen. Ich nehme meinen Kalender in die Hand und streiche mir mit grüner Farbe die Zeiten an, die ich mir freihalten möchte. Fürs Nichtstun. Fürs einfache Dasein. Wie das Feld im Winter. Ich atme auf.

Foto: Erol Gurian

Sr. Stefanie Strobel (*1970) studierte Theologie in München. Sie ist Mitglied in der ignatianischen Ordensgemeinschaft der Kongregation der Helferinnen. Als Pastoralreferentin in der Erzdiözese München und Freising war sie in Pfarreien tätig und ordensintern für Ausbildung und Leitung zuständig. Seit Juni 2023 arbeitet sie als Geistliche Direktorin am Institut für publizistische Ausbildung (ifp) in München.


Verfasst von:

Sr. Stefanie Strobel sa

Geistliche Direktorin am Institut für publizistische Ausbildung (ifp) in München