Ausgabe: Januar-Februar 2026
Schwerpunkt - Vor OrtEin Ort der Begegnung und Gemeinschaft
Vorzeigeprojekt ländlicher Entwicklung
Im Herzen des Bayerischen Waldes, in der Gemeinde Prackenbach (Landkreis Regen), ist ein besonderer Ort entstanden: Dort, wo einst ein baufälliges, marodes Wirtshaus stand, finden heute Menschen aller Generationen Raum zum Treffen, Feiern und Miteinander.
Das neue Bürgerhaus mit integriertem Pfarrheim ist aber weit mehr als nur ein Gebäude – es ist ein lebendiges Zentrum, das das soziale und kirchliche Leben der Gemeinde auf vorbildliche Weise verbindet und beispielhaft zeigt, wie sich das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Niederbayern dafür einsetzt, den ländlichen Raum für künftige Herausforderungen zu wappnen.
Bürgermeister Andreas Eckl erinnert sich noch genau an das Jahr 2019, als die Gemeinde einen wegweisenden Entschluss fasste: Sie wollte das damals leerstehende Wirtshaus, dessen Teile bis ins Jahr 1920 zurückreichen, neu gestalten. „Modrig, dunkel, sanierungsbedürftig“ beschreibt Eckl den damaligen Zustand des kircheneigenen Gebäudes. Die Kirche nutzte es zwar weiterhin als Pfarrheim, eine umfassende Sanierung war jedoch aus finanziellen Gründen nicht möglich. „Früher oder später wäre das Gebäude wohl zum Schandfleck geworden“, vermutet Eckl.
Ein echter Glücksfall war damals die neu eingeführte Initiative „Innen statt Außen“ der Verwaltung für Ländliche Entwicklung in Bayern: Mit einer großzügigen Förderung von 1,5 Millionen Euro konnte der Umbau zum Dorfgemeinschaftshaus realisiert werden – eine Summe, die die Gemeinde niemals hätte alleine stemmen können. Dabei war es eine wichtige Voraussetzung, das historische Gebäude behutsam zu erhalten und zu sanieren. „Das haben anfangs nicht alle gutgeheißen, viele hätten das Gebäude am liebsten einfach abgerissen“, gibt Bürgermeister Eckl offen zu. Doch als das sanierte Haus schließlich fertig war und die Skeptiker das attraktive, moderne Gebäude betraten, änderte sich die Meinung schnell. Alt und Neu sind harmonisch verbunden, das ursprüngliche Gemäuer ist sensibel integriert und bleibt an vielen Stellen bewusst sichtbar.
Zuwachs an jungen Menschen
Dass ein solches Dorfgemeinschaftshaus – neben Faktoren wie bezahlbarem Wohnraum und Arbeitsplätzen in der Nähe – dazu beitragen kann, junge Menschen zum Bleiben in Prackenbach zu bewegen, ist Bürgermeister Eckl sicher. Die Gemeinde verzeichnet sogar einen jährlichen Einwohnerzuwachs.
„Attraktive Kommunen brauchen eine vitale Ortsmitte, in der das soziale und gesellschaftliche Leben pulsiert. Gebäude, die identitätsstiftend sind, tragen wesentlich zu einer hohen Lebensqualität im Dorf bei“, ist man am ALE Niederbayern überzeugt. Die Förderinitiative „Innen statt Außen“ gehört zu den zentralen Instrumenten der Behörde – neben Dorferneuerung, Flurneuordnung und Integrierter Ländlicher Entwicklung (ILE). Ziel ist stets, den ländlichen Raum zu stärken und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen.
Auch Pfarrer Dr. Werner Konrad, zuständig für die Gemeinde, bezeichnet das Projekt als „Musterbeispiel für gelungene Zusammenarbeit von Kirche und Kommune“ und hebt zugleich die überregionale Bedeutung hervor: „Dieses Bürgerhaus mit Pfarrheim hat Modellcharakter für andere Pfarreien. Künftig wird es nicht mehr in jeder kleinen Gemeinde ein eigenes Pfarrheim geben – das lohnt sich finanziell und organisatorisch oft nicht mehr. Deshalb ist es wichtig, sich mit der Kommune zusammenzuschließen, Synergien zu nutzen und gemeinsam Orte zu schaffen, die kirchliches und kommunales Leben verbinden.“
So steht das Bürgerhaus mit integriertem Pfarrheim in Prackenbach beispielhaft für ländliche Entwicklung, die auf Gemeinschaft, Tradition und zukunftsweisender Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinde basiert. Ein Vorzeigeprojekt, das Mut macht und zeigt: Wo Menschen zusammenhalten, entsteht ein Zuhause für alle.