Ausgabe: Januar-Februar 2026
Aus dem LandeskomiteeSolidarität statt Abgrenzung
Vollversammlung des Landeskomitees
Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern schärft sein Profil: Vorsitzender Christian Gärtner warb im Rahmen der Herbstvollversammlung für Solidarität statt Abgrenzung, eine an Menschlichkeit orientierte Migrationspolitik und starke Ehrenämter. Mit der Franz-Eser-Medaille für Elfriede Schießleder rückte zugleich die Frauenförderung in Kirche und Gesellschaft in den Fokus.
Im Rahmen ihrer Herbstvollversammlung 2025 in Deggendorf widmeten sich die Mitglieder des Landeskomitees der Katholiken in Bayern unter dem Titel „Menschlichkeit verbindet“ dem Thema „Integration im Licht des christlichen Menschenbildes“.
Zentrale Rolle politischer und kirchlicher Ehrenämter
Das Landeskomitee warnte vor der Tendenz, auf Unsicherheit und soziale Probleme mit Abgrenzung zu reagieren, und stellt gesellschaftliche Solidarität in den Mittelpunkt. Vorsitzender Christian Gärtner rief im Rahmen der Präsidiumsberichte dazu auf, „jeglichen politischen Akteuren, die Abgrenzung als vermeintliche Lösungsstrategie propagieren“, mit der Botschaft zu begegnen, „dass wir alle Teil einer Menschheitsfamilie sind“. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2026 warb er darum, dass engagierte Katholikinnen und Katholiken kandidieren, zur Wahl gehen und sich für gut ausgestattete Kommunen einsetzen. Die zunehmende Gewalt gegen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker dürfe „nicht die Zukunft unseres politischen Diskurses sein“.
Zugleich betonte Christian Gärtner die zentrale Rolle des Ehrenamts: Die Zukunft der Kirche hänge wesentlich davon ab, „ob es gelingt, an möglichst vielen Orten eine kritische Masse von ehrenamtlich engagierten Frauen und Männern zu organisieren, die bereit sind, der Kirche vor Ort ein Gesicht zu geben“. Aus dem Leitgedanken der Solidarität leitete er die Forderung ab, „engstirniges Kathedralturmdenken“ zu überwinden und überdiözesane Zusammenarbeit zu stärken – gerade im Blick auf Verwaltung und Finanzen.
Weitere Beiträge aus dem Präsidium vertieften diese Linie: Sie rückten soziale Notlagen wie Altersarmut und häusliche Gewalt in den Blick, kritisierten symbolische „Stadtbild“-Debatten ohne Blick auf Ursachen, forderten eine faktenbasierte Sozialpolitik und einen sensiblen Umgang mit Menschen jenseits traditioneller Geschlechtsidentitäten. Zugleich wurde betont, dass das Landeskomitee unterschiedliche Stimmen der engagierten Katholikinnen und Katholiken bündele und gegenüber Politik und Kirche einbrächte. Inhaltlich beschloss die Vollversammlung unter anderem einen Antrag zur Wiedereinrichtung einer Arbeitsgruppe für kirchliche Pachtflächen sowie die Bitte an die Freisinger Bischofskonferenz, ein Synodenteam auf Landesebene einzusetzen, das die Umsetzung der Weltsynode in Bayern koordiniert und die Beiträge der Ortskirchen bündelt.
Migrationspolitik als Spiegelbild christlicher Werte
Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern forderte außerdem, Asyl- und Migrationspolitik konsequent an der Menschlichkeit auszurichten. In der Stellungnahme Menschlichkeit verbindet: Integration im Licht einer christlichen Sicht auf den Menschen kritisiert es populistische Debatten, in denen Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten zu Unrecht für Krisen verantwortlich gemacht werden, und warnt vor einer Aushöhlung globaler Gerechtigkeit und Solidarität. Im Text fordert das oberste bayerische Laiengremium ein Festhalten am Asylrecht nach Artikel 16a Grundgesetz sowie einen schnelleren Zugang zu Sprachkursen, Bildung und Arbeit und lehnt die Auslagerung von Asylverfahren außerhalb der EU ab. Rechtssicherheit für gut integrierte und arbeitende Migrantinnen und Migranten, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und das Einhalten von Aufnahmezusagen – etwa für Unterstützungskräfte aus Afghanistan – gelten demnach als Schlüssel gelingender Einwanderungspolitik. Zugewanderte Menschen sollen „als wirtschaftliche Ressource verstanden und gemäß ihren Qualifikationen eingesetzt und gefördert werden“.
Um dies zu ermöglichen, müssten Strukturen vor Ort gestärkt werden: Verwaltung und Bildung ebenso wie die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe, insbesondere in christlichen Verbänden. Katholische Einrichtungen und Organisationen – vor allem die Caritas mit ihren Migrationsberatungsstellen, Sprachkursen und Arbeitsmarktprojekten – leisteten hier seit Jahren wichtige Arbeit. Behörden sollten integrationsfreundlicher, diversitätssensibler und mit weniger Hürden gestaltet werden. Begründet wird das Positionspapier mit dem christlichen Menschenbild und der biblischen Tradition, mit Verweisen auf Papst Franziskus, der in der Enzyklika Fratelli tutti eine global koordinierte Migrationspolitik fordert, sowie auf die Leitsätze der Deutschen Bischofskonferenz zum Engagement für Flüchtlinge. Eine verantwortungsbewusste Ethik, so das Landeskomitee, müsse Maßstab für Migrationsarbeit sein – auch im Blick auf die Stabilität der Demokratie.
Verleihung der Franz-Eser-Medaille
Für ihren herausragenden Einsatz hat das Landeskomitee der Katholiken in Bayern Elfriede Schießleder mit der Franz-Eser-Medaille geehrt. Sie gehörte dem Landeskomitee von 2005 bis 2025 an und war vier Wahlperioden lang, von 2009 bis 2025, stellvertretende Vorsitzende und Mitglied des Präsidiums. Ausgezeichnet wurde ihr „wichtiger Beitrag dafür, dass katholische Verbände in gesellschaftspolitischen Fragen als kompetente Gesprächspartner gehört und anerkannt sind“, so die Preisbegründung, und ihr jahrzehntelanger Einsatz für die Gleichberechtigung und Förderung von Frauen in Kirche und Gesellschaft. Elfriede Schießleder, promovierte Pastoraltheologin, habe „den Wandel des Ehrenamts, die Bedeutung der Verbände für Kirche und Gesellschaft und den Einsatz für frauenpolitische Themen stets zusammengedacht“ und stehe damit „in würdiger Nachfolge von Ellen Ammann, einer der ersten Frauen im Bayerischen Landtag und Gründerin zahlreicher katholischer Initiativen“. Zu ihren zahlreichen Ämtern zählen langjährige Funktionen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und im Katholischen Deutschen Frauenbund, ebenso Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz am Bande und der Bayerische Verdienstorden. Die Franz-Eser-Medaille wird in Erinnerung einen der Gründungsväter des Katholischen Laienapostolats in Bayern seit 2006 regelmäßig an Personen verliehen, die sich in besondere Art und Weise um das katholische Laienapostolat in Bayern verdient gemacht haben.