Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: März-April 2026

Katholisch in Bayern und der Welt

Die Welt des Säkularen als gemeinsames Wirkungsfeld

„Action“ Brüssel: 18 leitende Verantwortliche der Katholischen Aktion Österreich aus verschiedenen Bereichen waren auf „Lern- und Begegnungsreise" in Brüssel im Rahmen des Schwerpunkts "Demokratie leben und gestalten". Das Kennenlernen der EU-Institutionen und einzelner handelnder Personen war das Ziel. Foto: Katholische Aktion Österreich

Christliches Engagement in anderen Laiengremien

Seit 75 Jahren beschäftigt sich das Landeskomitee der Katholiken in Bayern mit der Frage, was es bedeutet, in einer säkularen Gesellschaft christlich zu sein. Aber was verstehen andere Verbände darunter? Was sind ihre Themen und Schwerpunkte? Drei Perspektiven aus dem Landeskatholikenausschuss in Niedersachsen, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Katholischen Aktion Österreich.

„Eine echte christliche Identität schafft keine Berührungsängste gegenüber Andersdenkenden. Sie sieht das Gute, das in säkularer Gestalt lebendig und vielfältig da ist“, sagte der österreichische Kardinal Christoph Schönborn in einem Vortrag in der Oberbank Linz am 3. Mai 2017. Diesen Gedanken möchte sich Egbert Biermann zum Orientierungspunkt und Ansporn für seine Arbeit als Vorsitzender des Landeskatholikenausschuss in Niedersachsen (LKA) nehmen. „Die Welt des Säkularen ist unser Wirkungsfeld“, sagt Biermann. „Ein Auftrag an Christen lautet, die Welt zu gestalten. Ein Teil der Welt ist die menschliche Gesellschaft. Wichtige Bereiche sind Politik und Zivilgesellschaft. Ein vielstimmiger Chor, in dem aber die Stimme der katholischen Laien nicht fehlen darf.“ Das II. Vatikanische Konzil hat die Rolle, die Aufgaben und die Bedeutung der Laien für Biermann in ein neues Licht gestellt: „Die voranschreitende Säkularisierung hat daran keinen Deut verändert. Schon vor mehr als sechzig Jahren beschrieb das Konzil gleich zu Beginn in seinem Dokument zum Laienapostolat, dass diese Entwicklung den Einsatz der Laien vermehrt erfordert.“ Damit sei sowohl die Aufgabe jedes Einzelnen gemeint, aber auch die der notwendigen Gremien, die im fünften Kapitel des Konzilsdekret genannt werden. In dieser Tradition stehe auch der LKA in Niedersachsen, der katholischen Positionen seit 1968 in Stellungnahmen, Statements, Veranstaltungen, Gesprächen sowie Veröffentlichungen eine Stimme geben und sie in den Dialog mit anderen Akteuren einbringen möchte.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken im Dialog

Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im Mai 2025 in Paderborn. Foto: ZdK/Peter Bongard

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) tut Ähnliches bereits seit 1848. Aus einer Bewegung für Religionsfreiheit und gesellschaftliche Teilhabe wurde ein großer Dachverband katholischer Verbände, Räte und Einzelpersonen. „Christsein in säkularer Gesellschaft bedeutet für das ZdK heute, dass die Vollversammlung aus mehr als 200 Ehrenamtlichen aktuelle Themen diskutiert, Beschlüsse fasst und Positionen öffentlich macht. Wer in der Vollversammlung sitzt, ist in dieses Parlament der Katholikinnen und Katholiken demokratisch gewählt. Das gehört zu unserem Selbstverständnis“, sagt die Pressesprecherin des ZdK und der Deutschen Katholikentage, Britta Baas. Zwischen diesen Vollversammlungen ist das ZdK ebenfalls öffentlich präsent – vor allem durch sein Präsidium. Die Präsidentin des ZdK, Irme Stetter-Karp, ihre vier Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten und der Generalsekretär, Marc Frings, positionieren sich zum Zeitgeschehen und tragen auf vielfältige Weise zum Dialog zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft bei. „Kurz: Das ZdK vertritt die Anliegen der katholischen Gläubigen in Deutschland und versteht sich als eine katholische Stimme in der Zivilgesellschaft, die Haltung zeigt, wo Haltung nötig ist: für den Erhalt unserer Demokratie, gerechte Teilhabe in Kirche und Gesellschaft, für die Würde jedes Menschen und für ökologische Nachhaltigkeit“, fasst Baas zusammen.

Katholische Soziallehre als Grundlage für das Engagement

„Wir leisten den uns möglichen Beitrag, um beispielsweise auf Grundlage der Prinzipien der katholischen Soziallehre zu konkreten Herausforderungen wie etwa dem Arbeitsplatzverlust etwas zu sagen“, beschreibt Egbert Biermann das Engagement des LKA. „Oder durch Veranstaltungen wie der zur Enzyklika Laudato sí, die wir zusammen mit der Katholischen Akademie des Bistums Hildesheim durchführen werden, um unkonventionelle katholische Überlegungen im Diskurs zu halten.“ Der Studientag „Klima, Wirtschaft, Konsum“ findet am 11. April 2026 zum Thema Schöpfungs- beziehungsweise Klimagerechtigkeit in Hannover statt und möchte nach dem 10-jährigen Jubiläum der Enzyklika Laudato sí von Papst Franziskus nicht nur die sozial- und ökoethischen, sondern auch klima-, wirtschafts- und industriepolitische Aspekte behandeln, die in der Enzyklika eine Rolle spielen und dabei bewusst auch den ganzheitlichen Ansatz, den Papst Franziskus für die sozial-ökologische Transformation verfolgt, thematisieren.

Ungewöhnliche Verbindungen sind dagegen das Markenzeichen der KAÖ, wie beispielsweise das „Bündnis für Demokratie und Respekt“, die Teilnahme am „Armutsnetzwerk“ oder die Allianz für ein „Klimaschutzgesetz“ oder strenges „Lieferkettengesetz“. Im kirchlichen Bereich sieht Ferdinand Kaineder im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit und einer neuen synodalen Kirchenverfassung großen Handlungsbedarf.


Verfasst von:

Sarah Weiß

Freie Autorin