Ausgabe: März-April 2026
75 Jahre LandeskomiteeDurch Worte und Taten überzeugen
Es ist ein schöner Zufall, dass der 75. Jahrestag der Gründung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern in das Jahr fällt, in dem der Deutsche Katholikentag nach zwölf Jahren erstmals wieder in Bayern stattfinden wird. Im Mai 2026 könnte in Würzburg also eine grandiose Geburtstagsparty mit Gästen aus ganz Deutschland gefeiert werden.
Man kann gespannt sein, wie viele Besucher sich auf den Weg zur größten Zusammenkunft katholischer Christen in Deutschland machen. Waren es Anfang der 1980er Jahre noch an die 200.000 Menschen, konnte man vor zwei Jahren in Erfurt nur noch etwa 40.000 und im Jahr 2022 in Stuttgart nach der Corona-Pandemie weniger als 30.000 Besucher begrüßen. Aber wollen wir das bejammern? Oder …? - „Hab Mut, steh auf" – so ist das Motto des geplanten Katholikentags. Das Leitwort könnte einen wichtigen Impuls geben in Zeiten, in denen sich viele Menschen angesichts der unzähligen Krisen, aber auch der krisenhaft erlebten gesellschaftlichen und technologischen Veränderungsprozesse bedroht und ohnmächtig fühlen. In der Bibelstelle von der Heilung des blinden Bettlers Bartimäus, aus der das Motto für den Würzburger Katholikentag stammt, wird dem Verzweifelten Mut zugesprochen. Er soll auf Jesus zugehen: „Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.“
Tatsächlich spendet die Orientierung an Jesus Mut. Sie gibt uns gläubige Zuversicht, Tag für Tag. Wir wissen aus Untersuchungen und stellen es an uns selbst fest, dass religiöse Überzeugungen eine wertvolle Ressource für die Bewältigung des individuellen Lebens wie auch gesellschaftlicher Krisen darstellen. Sie können Halt geben, Sinn stiften und das psychische Wohlbefinden stärken. Der Glaube bezieht sich aber nicht allein auf die eigene Person, sondern er fördert in ganz besonderem Maße die Hilfsbereitschaft, die Solidarität und die Motivation der Einzelnen, sich in Gemeinschaft für das Gemeinwohl einzusetzen. Dieses gemeinsame christliche Engagement stützt sich auf geteilte Werte, wie etwa Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Würde und Verantwortung, und findet nicht zuletzt seinen Ausdruck auch in der konkreten Arbeit von Christinnen und Christen in ihren Kirchengemeinden. Genau diese Arbeit der Laien vor Ort ist eine Wurzel der „Katholischen Aktion“, auf die das Landeskomitee in seiner heutigen Ausprägung zurückgeht. Hier begegnen sich Kirche und Welt, hier drückt sich der Gedanke aus, dass Glaube nicht Rückzug, sondern Sendung bedeutet.
Im Landeskomitee der Katholiken in Bayern treffen Gleichgesinnte aufeinander. Man teilt die Weltsicht und spricht die gleiche Sprache. Das ist gut und es stärkt. Aber: Besteht nicht die Gefahr, dass wir uns hier eine Blase konstruieren? Wir uns stets selbst verstärken und sich Grenzen zu anderen Weltsichten verhärten? Hier sehe ich eine Herausforderung. Religion ist nicht überholt, rückständig und überflüssig. Erst recht nicht in einer unübersichtlichen, von Polarisierung geprägten Welt. Wir sollten nicht aus einer Defensive heraus agieren und uns nicht in selbstbezügliche Diskurse zurückziehen, um dann den öffentlichen Dialog den sogenannten Christfluencerinnen und -fluencern und anderen polarisierenden Kräften zu überlassen. Wir können, dürfen und sollen uns mit unserem Glauben im Alltag zeigen, unsere Position zu Gehör bringen und durch unsere Worte und Taten überzeugen. „Hab Mut, steh auf!“ – Das Landeskomitee kann Katalysator sein. Das ist attraktiv – ich bin dabei.
Verfasst von:
Birgit Schaufler
Präsidentin der Katholischen Stiftungshochschule München. Einzelpersönlichkeit im Landeskomitee der Katholiken in Bayern