Ausgabe: März-April 2026
EditorialWas betrifft mich das?
Liebe Leserin, lieber Leser,
1951 bis 2026 – 75 Jahre Landeskomitee der Katholiken in Bayern – das ist nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch eine Einladung, über die Bedeutung von Kirche und Laienarbeit in einer sich wandelnden Gesellschaft nachzudenken. Für die Pfarrgemeinderäte vor Ort ist dieser Blick nach innen ebenso wichtig wie der Blick nach außen. In einer Welt, die immer säkularer wird, in der kirchliche Bindungen schwinden und religiöse Themen zunehmend an Bedeutung verlieren, bleibt die Frage: Was bedeutet es, heute Christ zu sein?
Die Herausforderung besteht darin, Christsein in einer Welt zu leben, die zunehmend nach anderen Antworten sucht. Christliche Werte – Nächstenliebe, Solidarität, Gerechtigkeit – sind auch heute noch von größter Bedeutung, auch wenn sie nicht mehr immer den gesellschaftlichen Mainstream widerspiegeln. Für die Pfarrgemeinderäte heißt das, diese Werte aktiv zu leben, nicht nur in den heiligen Hallen der Kirche, sondern vor allem im Alltag der Menschen.
Das Landeskomitee war und ist dabei eine wichtige Stimme – und es hat uns immer wieder gezeigt, wie wichtig es ist, als Laien eine aktive Rolle zu spielen. Dabei geht es nicht nur um die große Politik, sondern um das tägliche Engagement vor Ort. Der Pfarrgemeinderat ist mehr als nur ein Verwaltungsorgan – er ist der Ort, an dem der Glaube konkret wird.
Das Heft, das Sie gerade in den Händen halten, soll nicht nur eine Rückschau auf die Jubeljahre sein. Es ist auch ein Versuch, Antworten zu finden – Antworten darauf, wie wir als Katholikinnen und Katholiken für Menschen in unserer Gesellschaft, wie auch immer diese ausgestaltet sein mag, wichtig sein können. Ja, auch wenn wir gelegentlich den Eindruck haben, dass wir in der gesellschaftlichen Diskussion eher wie ein leiser Beipackzettel erscheinen – vielleicht liegt genau hier unsere Chance, die Welt mit christlicher Haltung und praktischer Tatkraft zu verändern.
In den kommenden Jahren wird sich die Frage weiter stellen: Wie können wir den Glauben lebendig halten, ohne uns in einer „kirchlichen Blase“ zu isolieren? Wie schaffen wir es, Brücken zu bauen zwischen der Institution Kirche und den Menschen, die nicht mehr sonntags in der Kirchenbank sitzen? Einfacher wäre es, sich zurückzuziehen und statt 75 Jahren Landeskomitee ein nettes internes Kaffeekränzchen zu veranstalten. Doch das sind wir der Gesellschaft und vor allem uns selbst schuldig: dass wir den Mut haben, uns auf die Suche nach Antworten zu machen und Verantwortung zu übernehmen – für eine Kirche, die lebendig ist und in der Welt von heute eine klare Stimme hat.
Viel Freude beim Lesen und gute Anregungen für Ihre kirchliche Arbeit wünscht Ihnen
Hannes Bräutigam, Redaktionsleiter