Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: März-April 2026

Schwerpunkt

Ein Grund zum Feiern

Das Evangelium ist eine Überwindung der Grundangst des Menschen – der Angst vor dem Tod. Diese und alle anderen Ängste wandeln sich in Hoffnung und Zuversicht hin auf die Zukunft, in neuem Licht. Foto: ASTRANOVA / Adobe Stock

Die Gründungsväter des Landeskomitees sahen vor 75 Jahren die Notwendigkeit, sich als engagierte Laien in die Gesellschaft einzubringen und sich zu aktuellen und grundlegenden Themen auf Basis des christlich-biblischen Menschenbildes zu Wort zu melden. Sie wollten die Stimme der Gläubigen in Bayern gegenüber Staat, Amtskirche und Zivilgesellschaft sein. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern ist der Zusammenschluss der bayerischen Diözesanräte, der auf Landesebene tätigen katholischen Verbände und Organisationen sowie von Einzelpersönlichkeiten. Wir verstehen unsere Arbeit in Kirche und Gesellschaft im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Würzburger Synode. Gemäß des Konzilsdekrets über das Apostolat der Laien (Nr. 26) soll neben der pfarrlichen und zwischenpfarrlichen Ebene eine interdiözesane Ebene eingerichtet werden, „… die die apostolische Tätigkeit der Kirche im Bereich der Evangelisierung und Heiligung, im caritativen und sozialen Bereich und in anderen Bereichen bei entsprechender Zusammenarbeit von Klerikern und Ordensleuten mit den Laien unterstütz[t].“ Die Freisinger Bischofskonferenz hat das Landeskomitee anerkannt als Gremium zur Koordinierung der Kräfte des Laienapostolats und zur Förderung der apostolischen Tätigkeit der Kirche in Bayern.

In dieser Konstellation und mit dieser Verankerung in Kirche und Gesellschaft ist das Landeskomitee als landesweite Organisation einzigartig in Deutschland. Auf den Punkt gebracht lässt sich sagen: was das Zentralkomitee der deutschen Katholiken auf der Bundesebene ist, das ist das Landeskomitee für Bayern. In anderen Bundesländern gibt es keine derartig strukturierte und institutionalisierte Laienvertretung auf Landesebene. Das ist vor allem historisch bedingt, aber auch dadurch, dass es in Bayern mit der Freisinger Bischofskonferenz ein amtskirchliches Gegenüber gibt. Die Grenzen des Freistaats Bayern stimmen mit denen der sieben bayerischen (Erz-)Diözesen überein, was das Landeskomitee als Zusammenschluss der ehrenamtlichen Strukturen dieser sieben Diözesen gegenüber der bayerischen Staatsregierung, den Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden in die Position eines Ansprechpartners auf Augenhöhe bringt. Das gibt es so sonst nirgendwo in Deutschland.

Die Mitglieder aller Gremien im Landeskomitee arbeiten ehrenamtlich, aus ihrem Glauben heraus, daran, dass die apostolische Tätigkeit der Kirche in unserer Gesellschaft eine Zukunft hat. „Wir treten ein für eine offene, tolerante Kirche, in der alle Menschen Heimat und Gemeinschaft finden und in der niemand diskriminiert oder ausgegrenzt wird. Begegnungen im guten, konstruktiven Miteinander sind für uns selbstverständlich“ – heißt es im 2023 veröffentlichten Leitbild des Landeskomitees, welches die ideelle Grundlage für unsere Arbeit bildet. Und dafür stehen wir ein. 

Motivation

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“ – so beginnt die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, Gaudium et Spes. Auch lange Jahre nach Konzilsende sind diese Zeilen nach wie vor prägend und wegweisend für die Arbeit des Landeskomitees. Christinnen und Christen in der Gesellschaft sollen dadurch Möglichkeiten haben, dass ihre Belange und Interessen gehört werden und sie mitgestalten können in den Dingen, die sie selbst betreffen.

Es ist die feste Überzeugung des Landeskomitees, dass eine Orientierung an der Botschaft des Evangeliums die Welt zu einer besseren macht. Aus dieser Überzeugung heraus wollen wir die Botschaft Jesu in der Gegenwart erfahrbar machen, die Zeichen der Zeit erkennen und danach handeln. Diskussionen zum Klimawandel, zu den Fragen der sozialen Gerechtigkeit, zu Bildung und Familie, zu den Veränderungen in der Arbeitswelt und neuen Technologien, zu Gesundheit und Medizin, zu ethischen Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens betreffen, zu Krieg und Frieden oder zur Präsenz moderner Medien in unser aller Leben sollen mit Einbeziehung christlicher Werte und Haltungen geführt werden. Diesen in Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Gehör zu verschaffen und gerade auch jenen Menschen eine Stimme zu geben, die sonst eher nicht gehört werden, weil sie am Rande der Gesellschaft stehen, sehen wir als eine unserer zentralen Aufgaben an.

Handeln

Das Evangelium und das christlich-biblische Menschenbild sind Grundlage und Referenz für das Handeln des Landeskomitees. Kirche existiert nicht neben der Gesellschaft, sie ist ein Teil von ihr. Den drängenden Fragen der Gegenwart kann sich weder die Institution noch der einzelne Gläubige entziehen. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern nimmt daher Impulse zu innerkirchlich und gesellschaftspolitisch relevanten Fragen aus Pfarrgemeinden, Diözesanräten und Verbänden auf und speist diese in den gesellschaftlichen Diskurs ein. Das ehrenamtliche Engagement vernetzt sich so im kirchlichen Bereich und darüber hinaus. Als Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter der bayerischen Laien sprechen wir mit Verantwortlichen aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft und vertreten dabei die etwa 5,5 Millionen Gläubigen in Bayern.

Das Landeskomitee bekennt sich außerdem uneingeschränkt zur freiheitlich-demokratischen Verfassung. Hass und Hetze, Extremismus, Populismus, Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art haben in unserem Wirken und Handeln keinen Platz. Nach diesem Grundsatz entwickeln wir unsere Positionierungen für Kirche und Gesellschaft und stehen jenen Menschen zur Seite, die Schutz und Unterstützung bedürfen. 

Verantwortung

Als engagierte Laien wollen wir die katholische Kirche und unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten. Damit dies gelingt, müssen wir selbst Zeugnis abgeben, jeden Tag, in jedem Handeln. Die Menschen haben zurecht einen hohen Anspruch an kirchliches Handeln und ihre Vertreterinnen und Vertreter. Hier darf es nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleiben. Christinnen und Christen sind aufgerufen, als glaubwürdige Vorbilder die Botschaft des Evangeliums selbst zu leben und nach dem Auftrag Jesu Christi handeln. Unser Dienst an den Menschen und an Gottes Schöpfung soll in unserem Handeln sichtbar und deutlich werden.

Nachhaltig soll unser Handeln sein. Es reicht nicht, Themen anzusprechen, wir wollen Lösungen anbieten und suchen diese gemeinsam mit unseren Partnern aus Kirche und Politik. Es geht uns nicht um Klickzahlen oder möglichst polarisierende Überschriften. Uns geht es stets um die Sache. Für manche Themen braucht es einen langen Atem. Den hat das Landeskomitee der Katholiken in Bayern im Lauf der vergangenen 75 Jahre vielfach bewiesen.

Und so ist dieser besondere Geburtstag ein Grund zum Feiern. Wir können stolz sein auf das, was Frauen und Männer in den vergangenen Jahrzehnten auf ehrenamtlicher Basis, mit viel Energie, Leidenschaft und Kompetenz geleistet haben, um dem katholischen Engagement in Bayern Gesicht und Stimme zu geben. Und so wollen wir in diesem Jahr bewusst zurückschauen, auf das, was war, und auf die Menschen, die damit verbunden sind. Denn ohne sie wäre eine Organisation wie das Landeskomitee nicht mehr als eine leere Hülle. Ihre Fußstapfen sind groß, die Herausforderungen der Gegenwart für Kirche und Gesellschaft ebenso. Und so ist es an uns, den Blick stets nach vorne zu richten, denn eines steht fest: unsere Aufgabe in dieser Welt ist noch lange nicht erledigt.


Verfasst von:

Alexandra Hofstätter

Geschäftsführerin des Landeskomitee der Katholiken in Bayern