Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: März-April 2026

75 Jahre Landeskomitee

Gemeinsam Kirche gestalten

Von links nach rechts: Silvia Wallner-Moosreiner, Pater Alfons Friedrich SDB, Christian Gärtner, Katharina Vogt, Michael Wolf. Foto: Daniel Köberle

Stimmen des amtierenden Präsidiums zum Jubiläum

75 Jahre gelebte Synodalität

Von Christian Gärtner, Vorsitzender

75 Jahre Landeskomitee der Katholiken in Bayern, das sind 75 Jahre gelebte „Synodalität“, auch wenn dieser Begriff noch lange nicht prägend für das Selbstverständnis der engagierten katholischen Gläubigen war.

„Synodalität“ heißt: Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens auf Basis der Botschaft des Evangeliums.

„Synodalität“ heißt, miteinander differenzierte Lösungen suchen, weil wir wissen, dass es keine einfachen Antworten auf die mannigfaltigen Krisen unserer Zeit gibt.

„Synodalität“ heißt, in einer Haltung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe miteinander den Weg in die Zukunft finden.

„Synodalität“ ist der gemeinsame Weg des Ringens um die richtigen Lösungen für die vielfältigen Probleme, die sich jeder Generation immer wieder neu stellen. Diesen gemeinsamen Weg in die Zukunft möchten wir als Landeskomitee auch in den kommenden Jahrzehnten weiter gehen, zusammen mit allen Menschen guten Willens in Bayern.


Christsein im alltäglichen Handeln

Von Silvia Wallner-Moosreiner, stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees

Viel wird in diesen Tagen von Synodalität gesprochen. Allerdings ist es oft schwierig, das Thema in den Pfarreien bewusst zu machen. 

Vor fünfzig Jahren hatte die Würzburger Synode mehr Sprengkraft für die Kirche. Nach dem Konzil warteten viele Menschen in den Pfarrgemeinden auf die Beschlüsse und deren Umsetzung. Auch fünfzig Jahre danach erscheint es mir lohnend, einen Blick in die Abschlusstexte zu werfen. Und ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Klarheit, Weitsicht und welchem Optimismus von der Zukunft der Kirche gesprochen wird. Und dabei, ohne die Realität, die auch vor fünfzig Jahren schon herausfordernd war, aus dem Blick zu verlieren oder sie schön zu reden.

Aus einer Gemeinde, die sich pastoral versorgen lässt, muss eine Gemeinde werden, die ihr Leben im gemeinsamen Dienst aller und in unübertragbarer Eigenverantwortung jedes Einzelnen gestaltet, lesen wir im Beschluss „Dienste und Ämter“ der Würzburger Synode 1975.

Christsein in der Welt war also damals und ist heute eine Herausforderung. Glaube ist heute für viele Menschen eine persönliche Entscheidung. Christinnen und Christen stehen vor der Aufgabe, ihren Glauben in einer Gesellschaft zu leben, die von Vielfalt, religiöser Neutralität und oft auch Distanz gegenüber kirchlichen Institutionen geprägt ist, und damit auch vor der Frage, wie ihr Glaube im Alltag sichtbar und relevant bleiben kann, ohne anderen aufgezwungen zu werden.

Christsein zeigt sich nicht nur im Gottesdienst, sondern vor allem im alltäglichen Handeln: im respektvollen Umgang miteinander, im offenen Dialog mit Menschen anderer Überzeugungen und in der Bereitschaft, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen und so der „unübertragbaren Eigenverantwortung jedes Einzelnen“ gerecht zu werden. Nicht weniger hat uns die Würzburger Synode zugetraut und aufgetragen.


75 Jahre weltliche Expertise

Von Michael Wolf, stellvertretender Vorsitzender des Landeskomitees

75 Jahre, das ist so etwa ein ganzes Menschenleben. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern könnte man als bayerische Sonderlösung betrachten, als Gegenüber zur Freisinger Bischofskonferenz, die ja in Deutschland auch eine Besonderheit ist. Also, so könnte man denken, wieder einmal ein bayerischer Sonderweg – aber, wie ich meine, ein weitsichtiger und ein schon damals zukunftsweisender. Das Landeskomitee ist die Plattform für die Vernetzung der katholischen Organisationen und der Diözesanräte der Bistümer in Bayern. Es ermöglicht heute den Laien, sich überdiözesan auszutauschen, gemeinsame Positionen zu definieren und, soweit möglich, gemeinsam zu handeln.

Nicht zu vernachlässigen ist dabei auch, dass die entsandten Vertreterinnen und Vertreter neben dem katholischen Glauben auch weltliche Expertise aller Art mitbringen, die gewinnbringend für Kirche und Gesellschaft eingesetzt werden könnte. Hier erschließt sich ein nicht zu vernachlässigendes Potential für eine innerkirchliche und auch gesellschaftliche Zusammenarbeit.

Gemeinsam sind wir, die Verbände und Diözesanräte, mehr als die Summe der einzelnen Glieder. Gemeinsam können wir unseren Einfluss – auch bei sinkenden Katholikenzahlen – auf Basis des Evangeliums durch Schwerpunktbildung besser zur Geltung bringen, als wenn wir dies einzeln, jeder für sich, allein tun.

Für die Zukunft wünsche ich mir, und natürlich dem Landeskomitee, dass es auf die Fragestellungen der jeweiligen Zeit flexibel, zielgerichtet und effizient reagieren kann. Dafür müssen wir in überdiözesanen Fragen in Bayern mit einer laut hörbaren Stimme sprechen, die – gefragt oder nicht – nicht überhört werden kann. In diesem Sinne wünsche ich dem Landeskomitee: Alles Gute für die nächsten 75 Jahre.


Brückenbauer in einer säkularen Welt

Katharina Vogt, stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees

75 Jahre Landeskomitee bedeuten für mich nicht nur den Rückblick auf eine stolze Tradition, sondern vor allem den Auftrag, das Laienengagement als unverzichtbare Säule einer lebendigen Kirche in der säkularen Welt von heute zu begreifen. In einer Zeit, in der kirchliche Bindungen abnehmen und die gesellschaftliche Relevanz des Glaubens hinterfragt wird, sind wir als engagierte Christinnen und Christen mehr denn je gefragt.

Wir sind nicht bloß die „helfenden Hände“ der Hierarchie, sondern eigenständige Akteure, die ihre Expertise aus Beruf, Familie und Gesellschaft direkt in den kirchlichen Diskurs einbringen. Gleichzeitig ist es unsere Verantwortung, nicht in einer „kirchlichen Blase“ zu verharren, sondern unsere Überzeugungen in unser tägliches, außerkirchliches Leben zu tragen und das, was wir glauben, authentisch vorzuleben.

Für mich als Führungskraft in der Wirtschaft bedeutet dies konkret, Werte wie Verlässlichkeit, Ethik und Menschlichkeit in die Gestaltung meines beruflichen Umfelds und den Umgang mit meinen Mitarbeitenden einfließen zu lassen. Es geht darum, auch in einem ökonomisch geprägten Raum Haltung zu zeigen und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein treffendes Bild ist für mich das des Brückenbauers: Wir schaffen die Verbindung zwischen unserem Glauben und der Welt und tragen Sorge dafür, dass sich beides sinnvoll ergänzt, statt auseinanderzudriften.


Kirche als gelebte Hoffnung

Von Pater Alfons Friedrich SDB, Geistlicher Beauftragter im Landeskomitee

Kirche lebt nicht zuerst von Strukturen, sondern von Menschen. Von Frauen und Männern, die ihr Christsein ernst nehmen – mitten im Alltag, mitten in einer säkularen Gesellschaft. Das Engagement von Gläubigen ist dabei kein bloßes „Mithelfen“, sondern Ausdruck geistlicher Verantwortung. Wer sich einbringt, bringt nicht nur Zeit und Kompetenz mit, sondern Glauben und Zweifel, Erfahrung und Hoffnung.

Entscheidend ist der Austausch untereinander: zuhören, widersprechen dürfen, gemeinsam ringen. Kirche wird dort glaubwürdig, wo unterschiedliche Stimmen Platz haben und niemand meint, fertige Antworten liefern zu müssen. Gerade im Präsidium zeigt sich das: Leitung heißt nicht, alles zu wissen, sondern Räume zu öffnen, Prozesse zu begleiten und Vertrauen wachsen zu lassen. Präsidium ist kein Machtort, sondern ein Dienst an der Gemeinschaft.

Hier hilft Jan Loffelds Ansatz weiter: Christsein heute bedeutet nicht Abgrenzung, sondern Resonanz. Nicht laut gegen die Welt, sondern hörbar in ihr. Der Glaube bewährt sich dort, wo er dialogfähig bleibt, Fragen zulässt und zugleich eine leise, aber klare Hoffnung ausstrahlt.

Ich wünsche mir eine Kirche, die sich etwas zutraut: Geistlich wach, menschlich nah, theologisch ehrlich. Eine Kirche, die nicht aus Angst vor Widerspruch verstummt, sondern aus dem Vertrauen lebt, dass Gott auch im Unfertigen gegenwärtig ist. Denn: „Der Schatz ist in zerbrechlichen Gefäßen“ (vgl. 2 Kor 4,7). Dort, wo Gläubige nicht Funktionsträger sind, sondern Glaubenszeugen, gewinnt Kirche Zukunft – nicht durch Macht oder Perfektion, sondern durch gelebte Hoffnung.


Verfasst von:

Gemeinde Creativ

Das Redaktionsteam