Ausgabe: März-April 2026
Informationenzusammenwachsen. damit europa menschlich bleibt
Renovabis-Pfingstaktion 2026
Von Thomas Müller-Boehr, Referent für Dialog- und Partnerschaftsarbeit bei der Osteuropa-Solidaritätsaktion Renovabis
Mit seinem Leitwort „zusammen_wachsen. damit Europa menschlich bleibt“ greift Renovabis in der Pfingstaktion 2026 die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und Zerrissenheit in Europa auf – in den Partnerländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas ebenso wie in Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig: soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, unsichere Arbeitsverhältnisse, steigende Lebenshaltungskosten und ungleiche Bildungschancen, nicht zuletzt auch die Erfahrung von Krieg, Flucht und Migration. Diese Herausforderungen schüren Ängste und treiben politische Polarisierungen voran. Historisch bedingte Spannungen und Konflikte spielen gerade im Osten Europas eine große Rolle – auch zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen. Unterschiedliche politische, religiöse und weltanschauliche Einstellungen wirken sich negativ auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus – besonders, wenn sie sich unvereinbar verfestigen. Populistische und nationalistische Bewegungen gewinnen an Einfluss, das Vertrauen in demokratische Institutionen schwindet. Viele Menschen fühlen sich überfordert.
Gerade in dieser Situation sind Kirche und Caritas gefragt. Das Verb „zusammen_wachsen“ beschreibt das christliche Verständnis von gelingendem Miteinander: Menschen wahrnehmen, verbinden und begleiten – über soziale, kulturelle und politische Grenzen hinweg. In den Partnerländern von Renovabis setzen sich kirchliche Akteure für Dialog, Teilhabe und Versöhnung ein: in der Ukraine, die unter dem russischen Angriffskrieg und seinen Folgen leidet, oder in Serbien, wo gerade junge Menschen ihre Zukunft in einem zunehmend autoritären Staat bedroht sehen. Auch in Deutschland sind Kirchengemeinden und sozial-karitative Dienste gefordert, Räume zu schaffen, in denen Menschen einander begegnen, gehört werden und Hoffnung schöpfen können.
Kirchliche Verantwortung
Die Renovabis-Pfingstaktion ermutigt dazu, den Einsatz für Zusammenhalt als wichtigen Teil kirchlicher Verantwortung zu verstehen. Das Leitwort „zusammen_wachsen“ ist bewusst doppeldeutig: Es geht um ein Aufeinander-Zugehen und Gemeinschaft stiften, um im Miteinander zu wachsen; dadurch soll Not und Herausforderungen besser begegnet werden. Beides gehört zusammen und macht das Motto anschlussfähig auch über kirchliche Räume hinaus. Der Zusatz „damit Europa menschlich bleibt“ zeichnet ein positives Bild: Zukunft entsteht dort, wo Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität nicht nur Worte sind, sondern im konkreten Handeln sichtbar werden.
Die Partner von Renovabis arbeiten genau daran: Sie unterstützen benachteiligte Gruppen, fördern den Dialog der Generationen, initiieren Bildungsprojekte für Minderheiten und engagieren sich für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Die Pfingstaktion 2026 lädt ein, diese Erfahrungen in Verkündigung, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit aufzugreifen – und durch Spenden solidarisch mitzutragen.
Bildungslabor der Domberg-Akademie trägt mit Mitmachaktionen zu Renovabis-Kampagne bei
Ein besonderes Angebot hat die Domberg-Akademie in Freising entwickelt. In Kooperation mit Renovabis trägt sie mit mehreren Mitmachaktionen dazu bei, dass Menschen wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen, Vorurteile abbauen und damit zu einem Zusammenwachsen unserer Gesellschaft beitragen. Zwei Beispiele:
- Das Gesprächsformat „unbubble – raus aus der Blase, rein ins Gespräch“, das Menschen unerwartet miteinander in den Dialog bringt und trotz polarisierender Themen eine konstruktive Atmosphäre schafft.
- Eine Politiksimulation für Pfarrgemeinderäte mit verschiedenen Modulen – etwa zum Thema Migration, Ökologie oder Zukunft der Kirche
Die 34. bundesweite Renovabis-Pfingstaktion wird am 10. Mai 2026 im Bistum Augsburg eröffnet und kann in der Osterzeit, insbesondere in den beiden Wochen vor Pfingsten, in allen bayerischen (Erz-)Bistümern und in ganz Deutschland aufgegriffen werden (auch Novene: Abt Theodor Hausmann OSB, Sankt Stephan – Augsburg). Nach Augsburg kommen Gäste aus den Partnerländern von Renovabis im Osten Europas und gestalten Schulbesuche, Workshops, Podiumsveranstaltungen, ein Benefizkonzert und Gottesdienste. Zwei Eucharistiefeiern werden live im Fernsehen übertragen: die Messe zur Renovabis-Eröffnung am Sonntag, 10. Mai 2026, um 10 Uhr aus dem Augsburger Dom (katholisch1-TV, Bibel-TV, domradio.de, Radio Horeb, k-tv und EWTN) und am Pfingstsonntag, 24. Mai 2026, um 9.30 Uhr: der ZDF-Fernsehgottesdienst aus Kaufbeuren, St. Martin. Am 24. Mai kommt die Kollekte in allen katholischen Gemeinden in Deutschland über das Hilfswerk Renovabis den Menschen im Osten Europas zugute.
Details und weitere Formate sind unter www.domberg-akademie.de/bildungslabor zu finden, zum Politik-Planspiel: Mehr Politik wagen | Planspiel
Mehr zur Renovabis Aktion: www.renovabis.de
Fromm & politisch
Evangelische Jugend in Bayern
Von Malte Scholz, Vorsitzender der Evangelischen Jugend in Bayern
Wo 17.500 Ehrenamtliche Kirche gestalten: Ein Jugendverband zwischen Glaubenszeugnis und gesellschaftlichem Engagement
Jeden Freitag trifft sich die Jugendgruppe, am Wochenende steht ein Konfirmanden-Samstag an, und in den Sommerferien brechen Hunderte zu Zeltlagern auf. Was all diese Aktivitäten verbindet: Sie leben vom Engagement junger Menschen. 17.500 Ehrenamtliche gestalten in der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) Woche für Woche Gemeinschaft, ermöglichen Glaubenserfahrungen und übernehmen Verantwortung. Sie sind das Herzstück des Jugendverbands, der zugleich fromm und politisch ist.
Ein Verband mit klarem Profil
Die EJB versteht sich bewusst als vom Glauben geleiteter Jugendverband. Als Dachverband der bayerischen evangelischen Gemeindejugend und sechs Mitgliedsverbänden – darunter Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM), Evangelische Landjugend und christliche Pfadfinder – erreicht sie mehr als 250.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in 3.000 regelmäßigen Gruppen. Das gemeinsame Ziel: Als mündige Gemeinde Jesu Christi das Evangelium in der Lebenswirklichkeit junger Menschen bezeugen.
Besonders deutlich wird dies bei drei Schwerpunkten: Partizipation ermöglicht echte Mitgestaltung. Junge Menschen planen selbst ihre Gruppenstunden, entwickeln Konzepte für Konfirmanden-Samstage und organisieren eigenständig Freizeiten. Vielfalt zeigt sich in der Bemühung um Diversität und Inklusion und wurde 2025 durch eine erfolgreiche Eingabe an die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) unterstrichen: Die Landeskirche bekannte sich zur Trauung für alle und beschloss Maßnahmen für mehr Queersensibilität.
Spiritualität neu entdecken
2025 rückte die EJB ihre spirituelle Dimension bewusst in den Mittelpunkt. Bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Todestag Dietrich Bonhoeffers in Flossenbürg kamen junge Menschen aus ganz Bayern und verschiedenen Ländern zusammen. Unter dem Motto „Grenzenlos hoffen – mutig handeln" wurde deutlich: Glaube verbindet über Grenzen hinweg und stärkt für gesellschaftliches Engagement. Andachten am Todesort, gemeinsames Singen und Beten in verschiedenen Sprachen – solche Momente zeigen die grenzüberschreitende Kraft des Glaubens.
Der Landesjugendkonvent, die Landesversammlung der Ehrenamtlichen, widmete sich intensiv dem Thema Spiritualität und machte deren Vielfalt erlebbar. Von traditionellen Gottesdiensten über kreative Formate bis zu Stille und Naturerfahrung, die EJB sucht unterschiedliche Zugänge zum Glauben. Im Gemeindealltag zeigt sich das konkret: in jugendgemäßen Gottesdiensten mit Band oder in Andachten unter dem Sternenhimmel. Grundlegend ist für die evangelische Jugendarbeit dabei immer: Menschen Hoffnung schenken, Raum für die großen Fragen bieten und Gemeinschaft erlebbar machen.
Demokratie als Glaubenszeugnis
Doch Spiritualität ohne politisches Handeln wäre für die EJB nicht vollständig. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte sieht sich der Jugendverband in der Verantwortung. Gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Bayern wurde die Kampagne „Ein JA(hr) für Demokratie!" gestartet. Sie unterstützt Gruppen vor Ort dabei, Kommunalwahlen für junge Menschen greifbar zu machen und demokratische Strukturen zu stärken. Diese ökumenische Zusammenarbeit mit dem BDKJ hat Tradition. Alle zwei Jahre findet eine ökumenische Jugendkonferenz statt, zuvor gab es erfolgreiche Kooperationen wie die Kampagne „Friedens(t)räume". Auch bei der Ablehnung einer Wehrpflicht sprechen beide Verbände mit einer Stimme.
Ehrenamt braucht Partizipation
Das ehrenamtliche Engagement trägt die evangelische Jugendarbeit. Die Corona-Pandemie hat diese Struktur herausgefordert. Monatelang konnten keine Gruppen treffen, ganze Jahrgänge hatten weniger Möglichkeiten, sich zu engagieren. Inzwischen hat sich die Situation stabilisiert und eine Erkenntnis bleibt: Junge Menschen engagieren sich vor allem dort, wo sie ihre eigenen Themen einbringen und aktiv mitentscheiden können.
Strukturen im Wandel – Hoffnung für die Zukunft
Die EJB befindet sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Bis 2027 soll eine neue Ordnung entwickelt werden, partizipativ mit allen Ebenen. Der Landeskirchenrat hat diesen Prozess als historisch bezeichnet. Die EJB versteht sich als Innovationsmotor der Landeskirche. Doch mit diesem Selbstbewusstsein kommt eine klare Forderung: Kinder- und Jugendarbeit darf künftigen Kürzungen nicht zum Opfer fallen.
Die EJB ist überzeugt: Junge Menschen sind nicht nur Zukunft, sondern Gegenwart der Kirche. Sie gestalten sie bereits heute mit – in Jugendgruppen, bei Freizeiten, in Gottesdiensten, durch gesellschaftliches Engagement. Die Hoffnung trägt auch in den Zeiten des Wandels: dass sich weiterhin junge Menschen für andere engagieren, dass Glaube und Gesellschaft zusammengedacht werden können. In den 3.000 Gruppen vor Ort geschieht das Woche für Woche. Dort entsteht Kirche von morgen – durch das Engagement derer, die heute anpacken.
Krisendienste Bayern beraten Gehörlose per Telefon
Ab sofort können sich Gehörlose in Bayern auch telefonisch bei den Krisendiensten beraten lassen – eine wichtige Erweiterung des Angebots für Menschen mit Hörbehinderungen. Ermöglicht wird diese telefonische Beratung durch spezielle Tess-Relay-Dienste, bei denen Gehörlose entweder über Video mit einem Gebärdensprachdolmetscher telefonieren oder einen Schriftdolmetschdienst nutzen, der das Gespräch in Schriftsprache überträgt. Das Angebot ist sowohl anonym als auch namentlich möglich, je nach den Wünschen der Ratsuchenden.
Der Bayerische Bezirketag betont, dass dies ein entscheidender Schritt in Richtung Inklusion und barrierefreier Versorgung sei. Franz Löffler, Präsident des Bayerischen Bezirketags, bezeichnete die Einführung des Angebots als „wichtigen Meilenstein“. In Krisensituationen wäre es entscheidend, schnelle, verständliche und vertrauensvolle Unterstützung zu bieten, sagte Petra Brandmaier, ärztliche Leiterin des Krisendienstes Psychiatrie Oberbayern.
Die Krisendienste Bayern bieten rund um die Uhr kostenfreie Hilfe in über 120 Sprachen und sind unter der Telefonnummer 0800 / 65 53 00 0 erreichbar, auch an Sonn- und Feiertagen. (hb)
Hab Mut, steh auf – und komm nach Würzburg!
Der Katholikentag lädt ein, im Angesicht immer neuer Krisen nicht zu verzagen.
Vom 13.–17. Mai 2026 findet der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg statt. In 750 Veranstaltungen – inspiriert vom Satz aus dem Markusevangelium – geht es um den Frieden im Nahen Osten und seine Sicherung in Europa, neuen Kolonialismus, Künstliche Intelligenz und Suizidprävention. Es wird gefragt: Wie politisch muss Kirche sein? Macht Klimaschutz arm? Was kann man Kindern zuMUTen? Antworten geben unter anderem Frank-Walter Steinmeier, Christiane Florin, Kardinal Reinhard Marx, Pater Anselm Grün, Luisa Neubauer und viele mehr.
Neu sind eine Podcastbühne und zwei Kinderpodien, zentral die täglichen Gottesdienste in den Kirchen der Stadt und sogar in einer Kneipe, die Taizénacht und weitere spirituelle und interreligiöse Angebote. Ein großes Kulturprogramm mit Open-Air-Konzerten, Kabarett, Theater und einem Kunstprojekt zum Trialog der drei Weltreligionen rundet das Programm ab. Jeder Tag schließt bei Kerzenschein mit dem Großen Abendsegen an der Würzburger Residenz. (jd)
Das komplette Programm finden Sie hier.
Karten können Sie hier bestellen.
Gelobt seist Du – Zur spirituellen Praxis des Lobpreises
Das Buch Gelobt sei Du von Sarah Gaffuri beleuchtet die spirituelle Praxis des Lobpreises und ihre Bedeutung in der modernen Kirche. In ihrem Werk fordert die Autorin dazu auf, den Lobpreis als zentrale religiöse Übung neu zu entdecken und in den Alltag zu integrieren. Besonders im Kontext heutiger religiöser Unsicherheiten gibt der Titel wertvolle Impulse für eine tiefe spirituelle Praxis.
Lobpreis hat in vielen christlichen Gemeinschaften eine lange Tradition. Dennoch gerät er in der säkularen Gesellschaft oft in den Hintergrund. Gaffuri führt in klarer Sprache aus, wie das Lob Gottes im täglichen Leben und in der Gemeinschaft erlebt werden kann. Dabei verknüpft sie historische Perspektiven mit gegenwärtigen Herausforderungen der Kirchenlandschaft und zeigt auf, wie Lobpreis in unterschiedliche kirchliche Traditionen integriert werden kann.
Für Interessierte an der Verbindung zwischen Spiritualität und Alltagsleben ist das Werk eine empfehlenswerte Lektüre. Es bietet nicht nur theoretische Betrachtungen, sondern auch praktische Anregungen. Besonders im Hinblick auf die persönliche und gemeinschaftliche Ausrichtung von Gottesdiensten und Andachten hat der Titel viel zu bieten. (hb)
Gaffuri, Sarah (2026), Gelobt seist Du. 160 Seiten, Hardcover mit Leseband, mit farbigen Abbildungen, Patmos Verlag, 20 EUR.
Spuren Gottes in unserer Welt
Ein einfacher Impuls mit großer Wirkung: Spuren Gottes in unserer Welt lädt Jugend- und Firmgruppen ein, die Schöpfung neu zu betrachten — nicht im Seminarraum, sondern draußen, mit offenen Augen und Kamera. Ziel ist ein geschulter Blick für die kleinen Wunder des Alltags. Die Methode ist niedrigschwellig: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer nutzt das eigene Handy; Zeitbedarf sind ein bis zwei Stunden; die Gruppengröße ist flexibel.
Der Ablauf ist klar strukturiert: kurze Einstimmung in der Gruppe — zum Beispiel mit Zitaten oder Bildern, die zum Staunen anregen —, danach geht jede und jeder für sich auf Motivsuche. Am Ende wählt man ein Foto aus und verbindet es mit einem Gedicht oder Gebet. So entsteht ein persönlicher Zugang zu Glaubensthemen, der sich in Katechese, Firmvorbereitung oder Jugendtreffen leicht einsetzen lässt. Wer spirituelle Erfahrungen fördern möchte, ohne viel Material vorzubereiten, findet hier eine praxistaugliche Vorlage. (hb)
Die Materialien zum Download finden Sie unter landjugendshop.de.