Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: März-April 2026

Ökumene

Ökumenische Vielfalt gelebt und organisiert

Foto: INK DROP / Adobe stock

Das Engagement im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)

Ein ökumenischer Beitrag

Von Regionalbischof Thomas Prieto Peral, evangelisches Mitglied im Vorstand, Kirchenkreis Schwaben-Altbayern

Foto: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern

Ich engagiere mich im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), weil in diesen wilden Zeiten jede ökumenische Verständigung eine Oase der Hoffnung ist. Die ökumenische Arbeit der ACK ist gerade heute so wichtig! Wir haben über Jahrzehnte gelernt, in versöhnter Verschiedenheit Zeugnis von Jesus Christus zu geben. Dieser Weg ist und bleibt für mich ein Beispiel für friedliches Zusammenleben und Versöhnung.

Auch im Christentum gibt es manche weltweiten Tendenzen zur Radikalisierung und zu theologischem Populismus. Die ökumenische Bewegung hat in mehr als 100 Jahren das Verbindende des Glaubens entdeckt, gemeinsam gebetet und sich mit vereinten Kräften für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Dass diese reiche ökumenische Erfahrung durch die ACK Bayern bei uns hier lebendig bleibt, ist für mich eine große Motivation.

Als lutherischer Christ habe ich mich in meiner Spiritualität immer wieder inspirieren lassen durch den liturgischen Reichtum der Ostkirchen. Mich berührt auch das Psalmgebet der Benediktiner. Ebenso beeindruckt mich das soziale Engagement der Heilsarmee und anderer Kirchen. Ich lasse mich dadurch immer wieder anregen, zu fragen, wo unsere eigene Art, Kirche zu sein, von anderen lernen kann. Das paulinische Bild vom einen Leib und den vielen Gliedern ist in der Ökumene und in der ACK Bayern lebendig.


Ein katholisches Anliegen

Von Domkapitular Prof. Dr. Elmar Koziel, katholisches Mitglied im Vorstand der ACK Bayern, Erzdiözese Bamberg

Foto: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern

Das Zweite Vatikanische Konzil hat es uns „ins Stammbuch geschrieben“: Ökumenisches Engagement ist ebenso lohnend wie unverzichtbar. Zahllose Katholikinnen und Katholiken haben diesen Weg seither eingeschlagen und lebendige und tragfähige Bande geknüpft zu Mitchristinnen und Mitchristen sowie Gemeinden aus der evangelischen Landeskirche. Denn in diese Richtung blickt, in Bayern, Franken zumal, ganz selbstverständlich, wem die Einheit der Christen oder einfach ein gedeihliches Miteinander katholischerseits ein Herzensanliegen ist.

Und dann kommt der Tag, an dem sich ein Kontakt eröffnet zu Menschen, die sich als Christen bekennen, aber in diesem doppelten Rahmen nicht unterzubringen sind. Doch wie groß das Spektrum an unterschiedlichen Zugehörigkeiten wirklich ist, das in nächster Nähe immer schon aufgespannt ist, geht einem noch längst nicht auf. Die ACK Bayern ist in diesem Sinn ein Lernort, in dem einem die so vielfältigen Konturen des Christlichen erst vor Augen treten. Und ein Begegnungsraum, in dem sich das nicht auf Theorie beschränkt, sondern praktisch wird: von Christ zu Christ, von Mensch zu Mensch. Der eigene Horizont weitet sich, die durchmessenen Kreise werden größer, in Gegenseitigkeit. Es ist gut, dazu beitragen zu können, dass es so ist und bleibt.


Ökumenische Begegnung und Engagement

Von Majorin Dr. Constanze Pfund, freikirchliches Mitglied im Vorstand, Gemeindeleitung Heilsarmee München

Foto: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern

Es ist für mich ein großes Vorrecht im Vorstand der ACK-Bayern mitwirken zu dürfen, da es mir ein Anliegen ist, die Vielfalt unter Christen kennenzulernen und zu verstehen. Viele Glaubenstraditionen unserer Geschwister kann ich auf diesem Wege näherkommen und meine eigene Glaubensidentität, die in der Heilsarmee liegt, vorstellen und verständlich machen. Dieses Miteinander in Verschiedenheit und Einheit bildet einen wesentlichen Teil unseres Glaubenszeugnisses in der Welt.

Als Vertreterin der zahlenmäßig kleinen Kirchen stehe ich für viele Glaubensgruppen in der ACK-Bayern, die andernorts wenig Gehör finden würden. Da in der ACK-Bayern die Stimmen aus allen Kirchen gleichwertig gehört werden, ist dies eine wichtige und segensreiche Plattform für die Anerkennung der kleinen Kirchen und Glaubensbewegungen. Das gegenseitige Interesse in der ACK-Bayern macht es möglich, dass kirchenhistorische Verwundungen aufgearbeitet und gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden darf. Diese Aspekte bilden ein wachsendes Glaubensprofil für gelebte Einheit für die Zukunft. In diesem Prozess mit dabei sein zu dürfen ist mir eine Freude!


Vielfalt und Dynamik der Ökumene

Von Archimandrit Georgios Siomos, orthodoxes Mitglied im Vorstand, Vorsitzender der ACK Bayern, Griechisch-Orthodoxe Metropolie München

Foto: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern

„Die Orthodoxe Kirche ist den Christen des Westens in der Regel fremd und weitgehend unbekannt“. Diese sehr klaren Worte sind ein Zitat aus einer schönen Einführung in den orthodoxen Glauben: „Glauben aus dem Herzen“, in 4. Auflage aus dem Jahr 2000 (erstmalig erschienen 1987). Ich bin sehr gerne aktiv im Vorstand der ACK und der Ökumene generell, denn es ist immer wieder eine Bereicherung, zu sehen, wie viel, ja auch ökumenische, christliche Geschichte in Bayern vorhanden ist. Ich entdecke immer wieder, gerne mit einem Schuss Lokalpatriotismus, dass das Christentum in seiner Vielfältigkeit und Verschiedenheit mit Kreativität, Vitalität und unglaublicher Dynamik vor Ort wirkt. Ökumene ist dabei für die über 23 Kirchen und christlichen Konfessionen nicht der kleinste gemeinsame Nenner und aus der Not entstanden, sondern Selbstsicherheit, Mut, Offenheit, viel Gottvertrauen und die Gabe des Dialogs, sich immer wieder, trotz und wegen der Unterschiede, an den selben Tisch zu setzen.    

Wer wir sind

Zwanzig Kirchen und kirchliche Gemeinschaften sind in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bayern zusammengeschlossen und drei weitere sind Gäste. Auch drei ökumenische Basisorganisationen gehören ihr an. Die Delegierten der ACK in Bayern treffen sich regelmäßig zu einem Informations- und Erfahrungsaustausch, zur Planung gemeinsamer Projekte und zum Gebet. Miteinander beraten sie Fragen des Glaubens und des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens. So legen sie gemeinsam Zeugnis für den christlichen Glauben ab.

Durch die Zusammenarbeit der Kirchen wird der Reichtum der verschiedenen christlichen Traditionen erfahrbar. Durch manche Unterschiede sind die Kirchen jedoch noch voneinander getrennt. Solche Trennungen sind auch Folge mangelnden Verständnisses füreinander und vielfacher Schuld. Deshalb bemühen die Kirchen sich um Umkehr und Erneuerung, um dem Willen Christi zu entsprechen, der gebetet hat: „Alle sollen eins sein.“ (Joh 17,21)

Die ACK in Bayern ist Teil der weltweiten Ökumenischen Bewegung, die mit der Missionskonferenz in Edinburgh im Jahr 1910 ihren Anfang nahm. Die Ökumenische Bewegung der Kirchen war und ist vom Engagement Einzelner, von Basisinitiativen und geistlichen Gemeinschaften sowie von Theologie und Kirchenleitungen getragen. Ihr Ziel ist die Überwindung der Kirchenspaltung und die gemeinsame Wahrnehmung der Aufgaben der Kirche Jesu Christi in der Welt. Gleichzeitig hält sie unbeirrt an der Hoffnung fest, dass die Einheit im Glauben sichtbar werden wird.

Was wir tun

Die ACK in Bayern:

  • pflegt den Dialog durch gegenseitige Information und Beratung
  • fördert das Gespräch über Fragen des Glaubensverständnisses, des Gottesdienstes und des geistlichen Lebens
  • unterstützt das Bemühen, in einem säkularisierten Umfeld die christliche Botschaft zu bezeugen, um Menschen den Glauben an Jesus Christus nahezubringen
  • gibt Impulse zum gemeinsamen Handeln, damit die Gemeinschaft in Gebet, Zeugnis und Dienst sichtbar wird
  • engagiert sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung
  • vertritt das Ziel einer neuen gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche
  • setzt sich für ein friedliches Miteinander der Religionen und Weltanschauungen ein

Zum Nachlesen: Paul Wiertz in: Georg Gallitis, Georg Mantzaridis, Paul Wiertz: Glauben aus dem Herzen, Eine Einführung in die Orthodoxie, München 20004.


Verfasst von:

Jennifer Ebert

Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern