Das Magazin für engagierte Katholiken

Ausgabe: März-April 2026

75 Jahre Landeskomitee

Von der „Lebendigen Zelle“ zu „Gemeinde creativ“

Zwischen Mikrobiologie und Schlüsselbegriff: Die Zeitschrift des Landeskomitees steht mit beiden Titeln ein für die Arbeit vor Ort und als Handreichung und Hilfe für kreative Wandlungsprozesse in Gegenwart und Zukunft. Foto: Hannes Bräutigam

Als ich im April 1996 in Nachfolge von Karl Eder, als er Geschäftsführer des Landeskomitees wurde, die Redaktionsleitung der Zeitschrift „Die lebendige Zelle“ übernahm, musste ich Gesprächspartnern immer wieder erklären, welche Themen sie behandelt: Nein, sie sei keine Fachzeitschrift für Mikrobiologie und auch kein Magazin mit dem Schwerpunkt Umweltschutz.

Es handle sich um eine Zeitschrift für Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinderäte. Diese verstünden sich als die „lebendigen Zellen“ der Kirche vor Ort. Nach dieser etwas umständlichen Erklärung blieb beim jeweiligen Gegenüber des Öfteren ein Fragezeichen zurück. Darunter waren auch gestandene Katholikinnen und Katholiken.

Könnte man der Zeitschrift nicht einen zeitgemäßeren Titel geben? Das habe ich mich relativ schnell gefragt. Doch zunächst galt es, die jeweiligen Partnerorganisationen in den sieben bayerischen (Erz-)Bistümern kennenzulernen, mit der Redaktion einen Themenfahrplan festzulegen, neue Rubriken wie die „Service Seiten“ einzuführen und auch sonst eine behutsame redaktionelle Weiterentwicklung zu betreiben.

Die Titelfrage blieb indes bestehen und wurde auch immer wieder diskutiert, etwa in der Redaktionskonferenz der „Lebendigen Zelle“, im Präsidium und im Geschäftsführenden Ausschuss des Landeskomitees. Die Mehrheit war sofort für eine Umbenennung und beteiligte sich auch der Findung eines neuen Titels. Der Begriff „Zelle“ sollte nicht mehr darin vorkommen, denn mit dem Wort assoziierte man Einengung analog zu „Gefängniszelle“; manche dachten nach den Erfahrungen mit der Roten Armee Fraktion auch an „Terrorzellen“. Beide Assoziationen erwiesen sich als absolut unzutreffend bezüglich der Zeitschrift, die schon damals neben Hintergrundinformationen, Best-Practice-Beispielen, Interviews mit Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft auch Arbeitsvorlagen für das Wirken der Räte bot.

„Gemeinde“ als Schlüsselbegriff

Ich habe „Gemeinde creativ“ vorgeschlagen, denn „Gemeinde“ ist ein theologischer Schlüsselbegriff. Und zunehmend kreativ mussten die Gemeinden vor Ort ebenfalls sein, denn auch um das Jahr 2000 herum gab es schon Personalmangel mit vielen Auswirkungen auf die Pfarrgemeinden vor Ort. Damit Gemeinden lebendig bleiben konnten, war es nötig, die zum Teil erheblichen Kompetenzen der ehrenamtlich Engagierten abzurufen und ihren Ideen ein Diskussionsforum zu bieten. Damit der Titel selbst bereits eine kreative Note enthielt, schlug ich vor, das Wort mit einem „c“ zu schreiben. „Zeitschrift für engagierte Katholiken“ kam in den Untertitel, damit die Zielgruppe von den Räten leicht erweitert wurde auf alle, die sich in ihrer und für ihre Kirche aktiv einbringen.

Diese Idee wurde zumeist positiv aufgegriffen und ab 2002 umgesetzt. Aber es hatte natürlich auch Gegner der Umbenennung gegeben. Ihr Hauptargument: Man ändert den Titel einer Zeitschrift niemals und unter gar keinen Umständen. Und es gab vereinzelt auch die Befürchtung, dass sich die inhaltliche Ausrichtung der Zeitschrift in ein reines Heft mit Praxistipps verändern könnte. Das ist bekanntlich nicht eingetreten.
Ich bin dankbar, dass Professor Hans Wagner, der früher selbst Redakteur der „Lebendigen Zelle“ und zunächst skeptisch wegen der Umbenennung war, mir nach einigen Ausgaben gesagt hat, er sei „sehr einverstanden“ mit der Weiterentwicklung der Zeitschrift.
So geht es mir seither auch: Ich freue mich, dass „Gemeinde creativ“ stetig und kompetent weiterentwickelt wird und ihre Zielgruppe erreicht. Ich denke dankbar an die bereichernde Kooperation mit den ehrenamtlichen Redakteurinnen und Redakteuren von „Gemeinde creativ“ zurück.


Verfasst von:

Gabriele Riffert

Redaktionsleitung der Zeitschrift des Landeskomitees von 1996 bis 2007